Designierter SPD-Fraktionschef: Hartmut Ganzke (54) will alles anders machen

dzKommunalwahl 2020

Er wurde im Vorfeld durchaus gehandelt – dass Hartmut Ganzke aber tatsächlich SPD-Fraktionschef im Kreistag werden soll, überrascht trotzdem. Es ist eine Rolle rückwärts.

Kreis Unna

, 29.09.2020, 12:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hartmut Ganzke soll es also machen. Die SPD traut dem 54-Jährigen zu, was er selbst noch vor gar nicht allzu langer Zeit mit Verweis auf sein Landtagsmandat für nicht mehr leistbar hielt: Als Fraktionsvize im Kreistag trat er vor ziemlich genau drei Jahren nämlich zurück, weil er in Düsseldorf innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion wurde.

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Beides sei nicht miteinander vereinbar, argumentierte er damals; nun ist es das offenbar doch. Die SPD teilte am Dienstag mit, dass Hartmut Ganzke neuer Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag werden soll. Er selbst erklärte im Gespräch mit dieser Redaktion anschließend, seine Kräfte gebündelt und ordentlich aufgeräumt zu haben: „Ich habe jetzt kein anderes Amt mehr als das Landtagsmandat“; außer den Vorsitz des AWO-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems, den er aber zum Jahreswechsel abgeben will. Selbst seine Anwaltskanzlei in Massen hat er aufgegeben, ist jetzt mit deutlich weniger Aufwand in einer Gemeinschaftskanzlei in Menden.

Ganzke bleibt innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion

Als Landtagsabgeordneter ist Ganzke nach wie vor innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Deshalb galt er im Vorfeld der Kommunalwahl eher seiner Erfahrung wegen als einer der Favoriten auf die Nachfolge Brigitte Cziehsos. Dass die SPD mit Martin Wiggermann als Spitzenkandidat hinter Landratskandidat Mario Löhr in den Wahlkampf zog, sprach auch nicht gerade für die Ambitionen Ganzkes. Wobei die Partei sich in dieser Frage schon im Vorfeld der Kommunalwahl klar positioniert hatte: Listenplatz 1 sollte nicht mehr automatisch den späteren Fraktionsvorsitz im Kreistag bedeuten, wie es sonst Gepflogenheit war. Ganzke stand übrigens auf Listenplatz 3.

Hartmut Ganzke ist Unnaer durch und durch; nein, eigentlich sogar Massener, wo er in zahlreichen Vereinen Mitglied ist. 1966 in der Kreisstadt geboren, ist der Jurist seiner Heimat stets treu geblieben. Seine Parteikarriere ist weitestgehend geradlinig: 1985 der Einstieg mit dem Eintritt, von 1991 bis 2000 zunächst Vize und dann bis 2005 Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Unna, seit 1994 Kreistagsmitglied, zwischendurch auch mal für fünf Jahr im Rat der Stadt Unna und seit 2012 eben auch Landtagsmitglied.

Oliver Kaczmarek, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Unna

Vorschusslorbeeren von SPD-Parteichef Oliver Kaczmarek für den designierten Kreistagsfraktionschef: Ganzke stehe für „klare inhaltliche Positionierungen und für eine politische Kultur des Miteinanders und der Kooperation.“ © Stefan Milk / Archiv

Erfahrung, auf die die SPD nun bauen will: „Er steht für klare inhaltliche Positionierungen und für eine politische Kultur des Miteinanders und der Kooperation“, wird Kreisparteichef Oliver Kaczmarek in einer Mitteilung zitiert.

Ganzke Wunschkandidat der meisten Fraktionsmitglieder

Dass Ganzke Fraktionschef werden soll, ist offenbar eine inoffizielle Mehrheitsentscheidung der neuen Fraktion, die sich erst am 1. November offiziell konstituiert und auch erst dann den Fraktionsvorstand wählt. Bis dahin will Ganzke aber die Zeit schon nutzen, sein Team zu formieren. Er wolle „viele Leute beteiligen, man kann nicht auf allen Dingen selber sitzen“, so Ganzke im Gespräch mit dieser Redaktion. „Ich werde kein Fraktionsvorsitzender sein, der Aufsichtsratsmandate in Kreisgesellschaften sammelt.“

„Ich werde kein Fraktionsvorsitzender sein, der Aufsichtsratsmandate in Kreisgesellschaften sammelt.“
Hartmut Ganzke (SPD)

Überhaupt will Ganzke einiges anders machen. „Und das müssen wir auch“, sagt er. „Die SPD im Kreis Unna hat bei dieser Wahl einen Wahnsinnsschuss vor den Bug bekommen, darüber kann auch der überragende Wahlsieg Mario Löhrs nicht hinweg strahlen. Ich glaube aber, die Leute haben uns noch nicht ganz aufgegeben und wir müssen jetzt fünf Jahre lang zeigen, dass wir malochen.“

Bereits erste Gespräche mit anderen Parteien geführt

Anders will Ganzke auch mit den anderen im Kreistag zusammenarbeiten: Als designierter Fraktionsvorsitzender hat er schon am Dienstag die ersten Gespräche mit CDU, Grünen und FDP geführt. „Die SPD wird sich nicht hinstellen und sagen: ‚Wir wissen alles und deshalb wollen dir die Leute überzeugen‘ – wir wollen gemeinsam gucken, wie wir Gutes für den Kreis Unna hinbekommen.“

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