Hamsterkäufe wegen Coronavirus: Volle Regale sind im Handumdrehen wieder leer

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Der Coronavirus nähert sich dem Kreis Unna. Das macht viele Menschen nervös. Das zeigt ein Blick in die Supermärkte und Drogerien. Desinfektionsmittel ist vielerorts ausverkauft.

Kamen/Kreis Unna

, 29.02.2020, 16:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man macht das Regal voll, dreht sich um und es ist wieder leer. Das sind wirklich Hamsterkäufe, habe ich den Eindruck.“ Die Mitarbeiter eines Netto-Marktes in Kamen haben alle Hände voll zu tun. „Es ist durchgehend voll, wir sitzen zu dritt oder zu viert an der Kasse. Durchgehend“, sagte eine Mitarbeiterin unserer Redaktion am Freitag.

Die Angst vor dem Coronavirus greift im Kreis Unna um sich. Wie das Beispiel dieses Kamener Supermarktes zeigt, beginnen viele Menschen, sich Vorräte zuzulegen. Denn ist jemand erkrankt oder ein Verdachtsfall, sollte er zu Hause bleiben. Viele „hamstern“ jetzt nicht nur haltbare Produkte wie Konserven, Nudeln oder Tiefkühlkost, sondern auch frische Ware. Zu Lieferproblemen ist es laut der Netto-Mitarbeiterin bisher noch nicht gekommen. Es gebe noch genug Ware, allerdings habe das Lager teils Schwierigkeiten, alles pünktlich herzuschaffen. „Es ist genug da, aber es ist gibt viel zu tun.“

Coronavirus im Kreis Unna: Im Reformhaus Sommer in Kamen verkaufen Christiane Sommer (l.) und Birgit Greif derzeit viele  Erkältungsmittel und auch der Vorrat an Manuka Honig neigt sich dem Ende. Letzterer soll das Immunsystem stärken und entzündungshemmend sein.

Coronavirus im Kreis Unna: Im Reformhaus Sommer in Kamen verkaufen Christiane Sommer (l.) und Birgit Greif derzeit viele Erkältungsmittel und auch der Vorrat an Manuka Honig neigt sich dem Ende. Letzterer soll das Immunsystem stärken und entzündungshemmend sein. © Claudia Pott

Kurzfristige Engpässe in Supermärkten möglich

Überhaupt bestätigen die Supermarkt- und Discounter-Ketten, dass die Leute seit einigen Tagen „hamstern“. „Wir können mittlerweile bundesweit ein erhöhtes Kaufverhalten – vor allem im Bereich der Nährmittel und Konserven – feststellen. Lagerbestände sowie Häufigkeit der Belieferungen stocken wir für unsere Rewe- und Penny-Märkte bedarfsgerecht auf“, so Kristina Schütz, Pressesprecherin der Rewe-Gruppe.

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Bei Kaufland ist die Lage ähnlich. „Bei stark nachgefragten Produkten kann es kurzfristig zu Engpässen kommen. Dies behalten wir im Auge. Über die gesamte Prozesskette hinweg können wir in Abstimmung mit unseren Lieferanten die Warenverfügbarkeit sicherstellen“, teilt Andrea Kübler von der Unternehmenskommunikation auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Coronavirus im Kreis Unna: Während die Regale mit Desinfektionsmitteln in den Drogeriemärkten leer sind, gibt es noch Seife. Aber auch da sind die Bestände auffallend geschrumpft.

Während die Regale mit Desinfektionsmitteln in den Drogeriemärkten leer sind, gibt es noch Seife. Aber auch da sind die Bestände auffallend geschrumpft. © Claudia Pott

Die Regale mit Desinfektionsmittel sind wie leer gefegt

Anders sieht das in punkto Desinfektionsmittel aus. Denn die sind aus den meisten Regalen verschwunden. In den beiden Drogeriemärkten in der Kamener Innenstadt sind die Fächer mit Desinfektionsmittel am Freitagnachmittag leer und auch die Seifenbestände auffällig geschrumpft.

Wer nachfragt, ob noch etwas auf Lager ist, wird enttäuscht. Die Mitarbeiter hoffen, dass mit der nächsten Lieferung Nachschub kommt – aber warnen davor, dass der schnell aufgebraucht sein könnte.

„Wir beobachten, dass die Nachfrage nach Hygiene-Produkten stark steigt. So sind derzeit die Artikel nahezu nicht mehr verfügbar. Wir arbeiten daran, die Verfügbarkeit der Produkte in unseren dm-Märkten sicherzustellen“, erklärt dm-Geschäftsführerin Kerstin Erbe.

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Wer es in Apotheken versucht, wird auch vertröstet. „Es ist nichts mehr da. Die Großhändler kommen nicht nach. Sie sagen, dass sie nachproduzieren. Aber mehr als sieben Tage in der Woche können sie auch nicht arbeiten“, sagt Apothekerin Melanie Kühn. Weder die Filiale im Quadrat noch die Severins-Apotheke oder die Kaiserau-Apotheke haben noch Desinfektionsmittel auf Vorrat.

Das bringt manch einen Kunden sogar dazu, einen Versuch im Reformhaus zu wagen. „Viele fragen nach Mundschutz oder Desinfektionsmittel, aber das führen wir gar nicht“, sagt Christiane Sommer, Inhaberin des Reformhauses Sommer.

Auch Manuka-Honig wird vermehrt gekauft

Auch sie spürt die wachsende Angst vor dem Virus in ihrem Geschäft an der Adenauerstraße. Mittel gegen Erkältungen laufen derzeit besonders gut und sogar Brot kaufen die Kunden vermehrt. „Zum Einfrieren.“

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Das Regal mit Manuka-Honig, der entzündungshemmend wirken und das Immunsystem stärken soll, ist ebenfalls so gut wie leer gefegt. Sommer empfiehlt ihren Kunden außerdem Eukalyptus-Öl, weil das luftdesinfizierend wirkt. „Wir wissen ja mittlerweile, dass das Virus durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Und ätherische Öle können die Atemluft desinfizieren“, sagt Sommer.

Noch hat Sommer reichlich von dem Öl auf Vorrat. Fragt sich mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen nur, wie lange noch.

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