Gut 300 Plätze im Sozialen Arbeitsmarkt – aber es reicht nicht für alle

dzGeförderte Beschäftigung

Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat die Einführung eines Sozialen Arbeitsmarkts für Langzeitarbeitslose beschlossen. Für den Kreis Unna steht Geld für gut 300 Teilnehmerplätze bereit.

Kreis Unna

, 14.12.2018, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren – und zwar nicht immer nur in befristeten Projekten, sondern regelhaft: Das war seit langem Ziel zahlreicher Arbeitsmarktpolitiker im Kreis Unna. Vor zwei Jahren gelang dem Jobcenter der Coup, über das Programm Soziale Teilhabe 700 Plätze im Bereich geförderter Beschäftigung in den Kreis zu holen – bundesweit die meisten.

„Maßlos überzeichnet“

Die Krux an der Sache: Weil die Plätze alle besetzt wurden, etwa bei der „Werkstatt“, der Awo, der VKU oder der „Tafel“, und das Programm so erfolgreich war, ist die Fallhöhe nun enorm hoch. Denn das Programm läuft zum Jahresende aus, und das Regelinstrument Sozialer Arbeitsmarkt behandelt alle Regionen gleich – was für den Kreis Unna, der bei der geförderten Beschäftigung bisher „maßlos überzeichnet“ war (O-Ton Jobcenter-Geschäftsführer Uwe Ringelsiep), weniger Geld und Plätze als zuletzt bedeutet.

„Wir werden alles probieren, um diese Menschen alle in Arbeit zu kriegen.“
Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer Jobcenter Kreis Unna

150 bis 200 Menschen werden kurzfristig arbeitslos

300 Vollzeitplätze, bezahlt mit Tariflohn, könne er aus dem Budget des Jobcenters künftig finanzieren, sagt Ringelsiep nun. Ein guter Teil der Menschen in der Sozialen Teilhabe, die noch nicht anderweitig „versorgt“ sind, wird über das neue Instrument weiter beschäftigt werden können. Aber: 150 bis 200 von ihnen, so schätzte Ringelsiep am Freitag, werden erst einmal arbeitslos. Auch für sie soll es aber bald weitergehen. „Wir werden alles probieren, um diese Menschen alle in Arbeit zu kriegen“, betonte Ringelsiep. Voraussetzung sei natürlich, dass die Menschen selbst und ihr Arbeitgeber dies wollten – was in den meisten Fällen so ist. Beispiel VKU: Bei der Busgesellschaft sind neun Menschen seit zwei Jahren als Busbegleiter angestellt, geben Fahrplanauskünfte, helfen älteren Menschen beim Ein- und Ausstieg. Der Aufsichtsrat hat am Donnerstag entschieden, alle neun weiter zu beschäftigen.

Hoffnung für „arme Träger“

Auch für die sogenannten „armen Träger“, die kein Geld verdienen und sich deshalb mit Lohnkostenzuschüssen schwer tun, hatte Ringelsiep eine Botschaft: Wenn es sich nur um wenige Stellen handele, „kriegen wir das gestemmt“. Landrat Michael Makiolla kündigte an, prüfen zu wollen, inwieweit Zuschüsse des Kreises aus ersparten Unterkunftskosten für bisherige Hartz-IV-Empfänger möglich seien.

Belastung für kommunale Haushalte

Bei der Werkstatt im Kreis Unna könne es allein 150 bis 175 Stellen geben, wie Geschäftsführer Herbert Dörmann am Freitag sagte. Ohne die Unterstützung des Kreises und der Kommunen werde es aber nicht gehen. Bei den Lohnkostenzuschüssen des Arbeitgebers, die laut dem neuen Gesetz von Jahr zu Jahr steigen, „reden wir über 270.000 Euro in fünf Jahren, wenn 20 Leute aus einer Kommune beschäftigt werden“, rechnete Dörmann vor. Die Belastung für die kommunalen Haushalte ist also nicht gerade klein, auch deshalb ist momentan noch manches unsicher.

Für die betroffenen Menschen, die in den letzten Jahren über den Job wieder eine Tagesstruktur, Anerkennung und Selbstbewusstsein gewonnen haben, ist die Situation entsprechend schwierig. „Schön wäre, wenn sie vor Weihnachten wenigstens schon einmal einen Vorvertrag unterschreiben könnten“, hofft Dörmann.

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