Gesetze bremsen den Radschnellweg RS1 aus

dzRS1 im Kreis Unna

Was ist eigentlich mit dem Radschnellweg durch den Kreis Unna? Eine Frage, die sich sicher die ein oder anderen Fahrradfahrer im Kreis hin und wieder stellen. Hier einige Antworten.

Kreis Unna

, 16.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch die Grünen im Kreis Unna haben sich offenbar diese Frage gestellt und den Punkt „Aktueller Sachstandsbericht zum Radschnellweg RS1“ auf die Tagesordnung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Mobilität setzen lassen. Die Frage der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Anke Schneider lautete: „Ist da ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen?“ Die kurze Antwort von Sabine Leiße, Stabsstellenleiterin Planung und Mobilität, lautete sinngemäß: „Ja, aber wir wissen noch nicht, wie lang der Tunnel ist.“ Die längere Antwort hatte Verkehrsplaner Klaus-Peter Dürholt.

Gesetzliche Bestimmungen

„Wir sind im Moment im Linienbestimmungsverfahren“, so Dürholt. „Also schauen wir auch vonseiten des Umweltamtes, welche Trassenführungen für den RS1 außer der ursprünglichen Strecke aus der Machbarkeitsstudie möglich sind.“ Seit die Radschnellwege planerisch wie Landesstraßen behandelt werden müssen, ist diese Variantenbestimmung eine gesetzliche Vorgabe. Da diese Gesetzesänderung aus dem Jahr 2016 stammt, somit zwei Jahre nach Fertigstellung der Machbarkeitsstudie und der ersten Idee zur Trassenführung, muss hier noch einmal nachgearbeitet werden.

„Wir haben uns dann entlang der Strecke von Süden nach Norden gehangelt und geprüft, an welchen Stellen überhaupt andere Möglichkeiten bestehen“, erklärt Dürholt. „Mit der Betonung auf versucht“, fügt er hinzu.

Denn an dieser Stelle werde deutlich, dass die Einstufung des Radschnellwegs als Landesstraße durchaus sinnvoll sein kann. Klar fahren auf der Landesstraße Autos mit 70 oder 100 km/h, verursachen Lärm- und Umweltbelastung, während auf dem Radschnellweg nur Radfahrer und Fußgänger unterwegs sind.

Sechs Meter breite Trasse braucht eben Platz

Trotzdem ist die Trasse gut sechs Meter breit. Das zieht an vielen Stellen Planungsansprüche von ähnlichem Ausmaß nach sich, wenn es etwa darum geht, dass Vegetation weichen oder ein Grundstück erworben werden muss, damit die Trasse eben in die Kategorie Radschnellweg fällt. Der RS1-Experte aus dem Kreis Unna erklärt: „Bei der Suche nach Varianten für den RS1 sind wir immer wieder an Engpässe gestoßen, die mehr Probleme verursachen würden, als ein Festhalten an der Trassenführung aus der Machbarkeitsstudie.“ Als Beispiel dient etwa die Querung der S-Bahn Linie am Bahnhof Königsborn (grüne Linie) oder die Streckenführung entlang der Kamener Straße/B233 (rote Linie), die diese beiden Optionen „eher unrealistisch“ erscheinen lassen, wie es Dürholt ausdrückt. Ganz wichtig ist es, das betonen sowohl Sabine Leiße als auch Klaus-Peter Dürholt, dass nun keine Unruhe entsteht, wenn Bürger diese Linienvarianten sehen. Es sei fast ausgeschlossen, dass sich an der ursprünglichen Linienführung aus der Machbarkeitsstudie (blaue Linie) noch groß etwas ändere. „Außer“, schiebt Dürholt ein, „wir finden noch eine Lösung für den Zickzack-Kurs um die Kaserne herum.“

Wichtige Faktoren für die Planung

Zwei Faktoren, die für die Planung wichtig sind, haben schließlich schon bei der ersten Trassenführung eine Rolle gespielt. Zum einen, den Eingriff in Vegetation so gering wie möglich zu halten. Zum anderen, die Strecke so zu legen, dass möglichst wenig Grunderwerb erfolgen muss. Denn auch an Stellen, wo bereits jetzt ein Radweg besteht, ist die Umwandlung in einen echten Radschnellweg mit einer mehr als sechs Meter breiten Trasse bisweilen nur durch den Zukauf von Grundstücksteilen machbar.

Gesetze bremsen den Radschnellweg RS1 aus

Die Karte zeigt den geplanten Streckenverlauf des RS1 im Kreis Unna und die zwei alternativen Routen. © Stepmap/Christoph Schmidt

In Geduld üben

Das alles dauert. Von endgültigen Gesamtkosten, die ja das Land als Baulastträger übernehmen wird, ist ebenso keine Rede wie vom Jahr der Fertigstellung und Eröffnung des RS1, der in der letzten Ausbaustufe eine 101 Kilometer lange direkte Verbindung von Duisburg über Mülheim, Essen, Bochum, Dortmund und den Kreis Unna bis nach Hamm schaffen soll.

„Auch, wenn ich mir das natürlich alles schneller wünschen würde, müssen wir uns einfach in Geduld üben“, sagt auch Thomas Semmelmann. Der Vorsitzende des ADFC-Landesverbandes in NRW betont, dass natürlich jeder auch ohne einen RS1 viel mehr mit dem Rad erledigen könnte. „Bei der Radlerquote ist noch Luft nach oben, auch wenn im Moment gefühlt jeder Zweite ein Pedelec kauft.“ Das grundsätzliche „Ja“ aus dem Verkehrsministerium zu diesem Zukunftsprojekt sei aber zu begrüßen. „Auch, wenn wir noch ein wenig darauf warten müssen.“

Kleiner Exkurs in die Entwicklung des RS1

  • Der Radschnellweg 1 – kurz RS1 – dieser Name schwebt als Begriff verheißungsvoll über der verkehrsplanerischen Zukunft des Ruhrgebiets, seitdem die Projektidee beim Regionalverband Ruhr (RVR) geboren wurde.
  • Das war im Jahr 2010, nach der Förderzusage für das Vorhaben durch das Bundesverkehrsministerium, wurde 2012 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und 2014 fertiggestellt.
  • 183 Millionen Euro soll das Mammutprojekt demnach bis zur Fertigstellung kosten, rund 27 Millionen Euro davon sind für die Strecke durch den Kreis veranschlagt.
  • Seitdem sind nun vier Jahre vergangen, in denen sich auch der Kreistag Unna zum RS1 positioniert hat.
  • Die Politiker sind dafür, betonten jedoch, dass es den Kreis Unna angesichts klammer kommunaler Kassen nichts kosten dürfe. Diese Sorge besteht inzwischen nicht mehr, da das Land die Baulastträgerschaft übernommen hat.
  • 2016 hat es eine Änderung des Straßen- und Wegegesetzes in NRW gegeben, die Radschnellwege den Landesstraßen gleichsetzt.
  • Um vor dem Planfeststellungsverfahren Rechtssicherheit herzustellen, müssen nun in der Linienführung Varianten erarbeitet werden, aus denen die sinnvollste ausgewählt und umgesetzt werden kann. Das passiert im Moment im Kreis Unna.
Lesen Sie jetzt