Geplatzte Reisen wegen Coronavirus: Welche Rechte und Möglichkeiten Urlauber nun haben

Verbrauchertipps

Eine weltweite Reisewarnung und geschlossene Grenzen: Das Coronavirus macht Reisepläne zunichte. Die Verbraucherzentrale Kamen gibt Tipps zu den drängendsten Fragen.

Kreis Unna

, 28.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gestrichene Flüge werden erstattet. Aber wie ist das mit einer Entschädigung? Und was ist mit Reisen, die nach April 2020 stattfinden sollen? Ob es ratsam ist, zu stornieren und was Urlauber jetzt noch beachten müssen, weiß die Verbraucherzentrale Kamen.

Gestrichene Flüge werden erstattet. Aber wie ist das mit einer Entschädigung? Und was ist mit Reisen, die nach April 2020 stattfinden sollen? Ob es ratsam ist, zu stornieren und was Urlauber jetzt noch beachten müssen, weiß die Verbraucherzentrale Kamen. © dpa-tmn

Die Osterferien stehen vor der Tür und damit auch eigentlich eine klassische Reisezeit. Doch das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Deutschland hat seine Grenzen geschlossen und eine weltweite Reisewarnung bis Ende April für nicht notwendige, touristische Reisen ausgesprochen. Auch innerdeutsche Reisen sind aufgrund der bundesweiten Kontakt- und Ausgangssperren nicht mehr möglich. Viele Menschen sind verunsichert und wenden sich an die Verbraucherzentrale in Kamen. Die erklärt, welche Rechte und Möglichkeiten Urlauber nun haben.

Stornierung von Reisen: Aufgrund der weltweiten Corona-Reisewarnung des Auswärtigen Amtes können bis Ende April bevorstehende Pauschalreisen ins Ausland kostenlos storniert werden. Auch innerdeutsche Reisen sowie einzeln gebuchte Leistungen sind nun kostenlos stornierbar. Zumindest dann, wenn für die Buchung deutsches Recht gilt. Anders ist es, wenn etwa die individuelle Buchung einer Unterkunft direkt beim Anbieter im Ausland erfolgt ist.

Bester Zeitpunkt für eine Stornierung: Wer erst nach April 2020 eine Reise plant, läuft bei einer frühen Stornierung Gefahr, nicht unter den beschriebenen Schutz zu fallen und auf Stornierungskosten sitzen zu bleiben. Die Verbraucherzentrale rät zu einer individuellen Abwägung der Vor- und Nachteile einer Stornierung.

Wer wegen der Corona-Krise nicht verreisen möchte, aber dennoch mit der Stornierung wartet, muss mit höheren Stornoentgelten rechnen, falls zum Reisezeitpunkt keine „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände“ mehr vorliegen.

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Diejenigen, die frühzeitig unter Hinweis auf den Coronavirus stornieren, können laut den Kamener Beratern die Stornierungsgebühren nachträglich zurückfordern, wenn zum Reisezeitpunkt die Voraussetzungen für einen kostenlosen Rücktritt – wie beispielsweise die Reisewarnung des Auswärtigen Amts – weiterhin vorliegen. Und wer das Risiko eingehen möchte, erfährt erst kurz vor der Reise, ob diese überhaupt stattfinden wird.

Viele Sonnenbetten – wie hier an der ägyptischen Küste – bleiben derzeit leer. Reisen können derzeit storniert werden. Was zu beachten ist, weiß die Verbraucherzentrale.

Viele Sonnenbetten – wie hier an der ägyptischen Küste – bleiben derzeit leer. Reisen können derzeit storniert werden. Was zu beachten ist, weiß die Verbraucherzentrale. © dpa-tmn

Gutschein oder Umbuchung statt Stornierung: Die Praxis von Reiseunternehmen, offenbar zunehmend kein Geld mehr zu erstatten und auf Gutscheinlösungen zu bestehen, entspricht nicht der geltenden Rechtslage. Im Sinne einer einvernehmlichen Einigung sollte man sich jedoch überlegen, ob dies eine sinnvolle Option sein könnte. Denn sollte es zu keiner Einigung mit dem Reiseveranstalter kommen, werden Verbraucher in den Rechtsstreit gehen müssen. Unklar ist allerdings, ob der Betrag eines Gutscheins für eine künftige Buchung von der Insolvenzabsicherung für die ursprünglich gebuchte Reise erfasst ist.

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Restzahlungen für Reisen ab Mai: Die Verbraucherzentrale Kamen rät dazu, zunächst Kontakt zum Reiseunternehmen aufzunehmen, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Rechtlich gelte, dass – sollten eine für Mai oder später anstehende Reise noch nicht vom Veranstalter abgesagt oder storniert worden sein – grundsätzlich eine vertragliche Verpflichtung besteht, vereinbarte Restzahlungen termingerecht zu zahlen. Andernfalls könnten Mahnkosten oder Schadensersatz­pflichten entstehen.

Entschädigung für abgesagte Flüge: Dass der Preis von abgesagten Flügen erstattet werden muss, ist für die Kamener Berater unstrittig. Ob mit der Annullierung eines Fluges zusätzlich auch ein Anspruch auf Entschädigung nach der Fluggastrechteverordnung entsteht, hänge dagegen davon ab, ob sich das Flugunternehmen auf „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ berufen kann. Pauschal ist das nur schwer zu beurteilen. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt im Zweifelsfall, einen entsprechenden Antrag zu stellen – zum Beispiel über unsere kostenlose Flugärger-App.

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