Geplatzte Party wegen Corona – müssen Stornokosten bezahlt werden?

Verbrauchertipp

Geplatzte Hochzeitsfeiern und Partys infolge der Corona-Krise beschäftigen Verbraucherschützer in Kamen. Paare wenden sich hilfesuchend an die Berater und erkundigen sich nach Stornierungskosten.

Kamen

12.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aus geplatzten Hochzeitsträumen wird ein Fall für Verbraucherschützer in Kamen.

Aus geplatzten Hochzeitsträumen wird ein Fall für Verbraucherschützer in Kamen. © dpa

Es sollte der schönste Tag ihres Lebens sein: Das Aufgebot war bestellt, die Einladungen an 120 Hochzeitsgäste verschickt, Location und Catering für die Party reserviert und angezahlt – doch dann kam Corona. So beschreibt die Verbraucherzentrale Kamen in einer Mitteilung das Desaster. Auch in Kamen habe die Pandemie vielen Brautpaaren die Planungen für ein rauschendes Fest in diesem Frühjahr verdorben. Aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen musste die Feier abgesagt werden.

Zu der Enttäuschung über den verpatzten Festtag gesellt sich laut den Verbraucherschützern nun auch noch die bange Frage, ob die Kosten dennoch anfallen. „Die Hochzeitspaare, die sich ratsuchend an uns wenden, sind oftmals mit Forderungen von Anbietern konfrontiert, die Stornierungskosten für angemietete Räume oder Event-Locations fordern oder bestenfalls Gutscheine für eine spätere Nutzung anbieten“, erklärt Karin Baumann, Verbraucherberaterin der Beratungsstelle an der Kirchstraße. Ein Angebot, das für abgesagte Hochzeitsfeiern, aber auch für ausgefallene Partys zum runden Geburtstag oder Abiturfeiern für die Betroffenen oftmals wenig Sinn ergebe. Denn der eigentliche Anlass für das Fest sei fest terminiert und liegt nach Aufhebung der Corona-Einschränkungen nicht mehr vor.

? Besteht die Pflicht zur Zahlung?

Da die Verfügungen laufend angepasst werden und sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, sollte man sich stets aktuell erkundigen, welche Regelung vor Ort gilt.

Verbraucherzentrale

Beratungsstelle

Die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW an der Kirchstraße 7 in Kamen bietet – unter Einhaltung der Vorgaben zum Gesundheitsschutz – wieder persönliche Beratung an, vorerst nach Terminvereinbarung unter Tel. 02307/43801-01 oder über das Kontaktformular bei www.verbraucherzentrale.nrw/kamen.

In NRW sind standesamtliche Trauungen einschließlich der Zusammenkunft unmittelbar vor dem Ort der Trauung mittlerweile wieder mit Gästen erlaubt. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Gäste das Kontaktverbot beachten, also einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten und insbesondere direkte Berührungen wie Händeschütteln oder Umarmungen vermeiden. Entsprechendes gilt für kirchliche und andere religiöse Trauungen. „Veranstaltungen und Versammlungen mit geselligem Charakter sind demgegenüber jedoch weiterhin untersagt. Dies gilt auch für die Feier oder Hochzeitsparty im Anschluss“, erläutert Karin Baumann. „Da bei einer Hochzeitsfeier der Zweck der Anmietung einer Location also aus behördlichen Gründen entfällt, liegt juristisch betrachtet die ‚Unmöglichkeit der Leistungserbringung‘ vor und für die Verbraucher besteht keine Pflicht zur Zahlung. Entsprechend darf der Vermieter bei einer Absage auch keine Stornokosten verlangen.“

? Müssen Gutscheine akzeptiert werden?

Weil es sich bei privaten Festen wie Hochzeiten, Abifeiern oder Geburtstagspartys nicht um eine Musik-, Kultur-, Sport- oder sonstige Freizeitveranstaltung handelt, werden diese auch nicht von den Regelungen des Gutscheingesetzes umfasst. Die Verbraucher müssen bei der Absage der Festivität also auch keinen Gutschein akzeptieren.

So bleibt nach dem Frust über das verpatzte Fest zumindest ein Trost: Das gesparte Geld kann nun für andere Dinge verwendet werden. Hilfreiche Hinweise rund um Corona-Fragen im Verbraucheralltag gibt es unter www.verbraucherzentrale.nrw/corona.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger DRK Bergkamen
Corona-Angst bremst DRK aus: Arbeitgeber verhindern Hilfseinsätze im Kreis Gütersloh
Hellweger Anzeiger Test-Einkäufe
Mehrwertsteuer-Senkung: Was der Warenkorb im Supermarkt vorher und nachher kostet