Friseurin am ersten Öffnungstag: „Ein Haarschnitt dauert eine Viertelstunde länger“

dzNach Corona-Zwangpause

Nach sechs Wochen Zwangspause haben die Friseure wieder geöffnet. Vor einzelnen Läden, die spontan Kunden an die Reihe nehmen, bildeten sich Schlangen. Andere sind für Tage und Wochen ausgebucht.

Kreis Unna

, 04.05.2020, 13:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sechs Männer stehen vor einem Friseurgeschäft in der Kamener Fußgängerzone in einer Schlange. „Hier werden keine Termine vergeben“, sagt ein Kunde, der auf Einlass wartet. Seine Aussichten, in der nächsten Stunde im „Haarsalon Kamen“ an die Reihe zu kommen, sind sehr gut.

Es ist der erste Tag, an dem Friseure ihre Läden wieder öffnen dürfen. Sechs Wochen dauerte die Zwangsschließung, die zur Eindämmung der Pandemie beitragen sollte. Sobald klar war, dass die Landesregierung den Friseuren ab 4. Mai wieder den Betrieb erlaubt, füllten sich die Terminkalender schnell. Mit der Folge, dass in vielen Salons kurzfristig kein Termin mehr zu bekommen ist.

Schräg gegenüber vom „Haarsalon Kamen“ im „Salon Hauptsache Liza“ hat Laufkundschaft erst einmal keine Chance. Der nächste Termin sei erst in zwei Wochen frei, sagt Friseurmeisterin Liza Mitrena. Sie öffnet ihren Laden erst einen Tag später, am Dienstag, wieder. Den traditionell arbeitsfreien Montag der Friseure nutzen sie und ihr Team für Vorbereitungen. Bei der Teambesprechung tragen alle Mitarbeiterinnen Stoffmasken.

Liza Mitrena öffnet ihren „Salon Hauptsache Liza“ erst am Dienstag wieder. Den traditionell arbeitsfreien Montag der Friseure nutzen sie und ihr Team für Vorbereitungen.

Liza Mitrena öffnet ihren „Salon Hauptsache Liza“ erst am Dienstag wieder. Den traditionell arbeitsfreien Montag der Friseure nutzen sie und ihr Team für Vorbereitungen. © Stefan Milk

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Andrea Ritter hat den freien Montag gestrichen, um angesichts des Kundenansturms sofort durchzustarten. Die Inhaberin von „Andrea – Ihr Friseur“ in der Kamener Fußgängerzone steht in ihrem Salon und hat gerade einem älteren Herrn die Haare gewaschen. Dieser Reinigungsvorgang ist jetzt obligatorisch, genauso wie das Tragen eines Mundschutzes für Kunden und Haarschneiderin. Bevor der Kunde geht, muss er seine Kontaktdaten in einem Ringbuch an der Theke hinterlassen.


andrea -Ihr Friseur

Andrea Ritter, Inhaberin von „Andrea – Ihr Friseur“ in der Kamener Fußgängerzone, arbeitete auch am Montag, um für ihre Kunden da zu sein. © Stefan Milk

Die Stoffmaske des Kunden soll die Friseurin etwas vor einer möglichen Tröpfcheninfektion schützen. Praktisch sind die Haltebändchen des Tuchs beim Führen der Schere hinderlich. „Die Koteletten schneide ich ganz zum Schluss“, sagt Ritter. Den Kunden bittet sie dann, an jeweils einer Seite das Bändchen vom Ohr zu lösen und die Maske währenddessen mit der Hand festzuhalten. Das dauere nur einige Sekunden.

Alle Hygieneauflagen bedeuten zusätzlichen Aufwand. „Ein Haarschnitt dauert eine Viertelstunde länger“, schätzt Ritter. Vermutlich wird sie auch am kommenden Montag auf ihren freien Tag verzichten, um für die Kunden da zu sein.

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