Coronavirus: Ehepaar aus Unna erwischt den letzten Rückholflieger aus Neuseeland

dzErfahrungsbericht

Rund 12.000 Deutsche sitzen wegen der Corona-Krise in Neuseeland fest. Das Ehepaar Freudenberg aus Unna hat es mit einem Flieger der Bundesregierung gerade noch nach Hause geschafft – und damit in eine andere Welt.

Unna

, 03.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heimat steht für ein Gefühl der Vertrautheit. Als Sabine und Hans Freudenberg nun nach Unna zurückkehrten, war es für sie, als seien sie in einer anderen Welt gelandet. Vier Wochen waren sie in Neuseeland, am anderen Ende der Erde. Wie viel Glück sie noch mit ihrer abenteuerlichen Rückreise hatten, zeigt sich erst in diesen Tagen.

Das Ehepaar aus Unna war mit einem der Flieger zurückgekehrt, die das Auswärtige Amt gechartert hatte, um deutsche Urlauber nach Hause zu holen. Am vergangenen Samstag waren die beiden mit einem Flug ab Auckland zurückgekehrt.

Sabine Freudenberg an Bord des Fluges LH 744, mit dem die Bundesregierung deutsche Urlauber aus Neuseeland zurückgeholt hat.

Sabine Freudenberg an Bord des Fluges LH 744, mit dem die Bundesregierung deutsche Urlauber aus Neuseeland zurückgeholt hat. © privat

Die Alternative wäre eine mehrwöchige oder sogar -monatige Quarantäne in Neuseeland gewesen. „Unser eigentlich für den 31. März geplante Rückflug mit Etihad war schon gecancelt, sodass wir gerne die angebotene Rückholmöglichkeit wahrgenommen haben“, schreibt Hans Freudenberg aus der häuslichen Quarantäne, in die sich das Paar nach der Rückkehr begeben musste.

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Inzwischen stocken in Neuseeland aber auch die Rückholbemühungen der Bundesregierung. Rund 12.000 deutsche Urlauber sitzen in dem Land fest.

Die beiden Unnaer waren nach Neuseeland geflogen, um ihren Sohn Stefan zu besuchen, der 2009 als Arzt in das Land ausgewandert war. „Unser diesjähriger Besuch war insofern etwas Besonderes, weil unser Sohn seine Mutter eingeladen hatte, dort ihren 80. Geburtstag zu feiern“, berichtet Hans Freudenberg. „Als wir das Vorhaben planten, konnten wir nicht ahnen, dass wir nach unserer Rückkehr nach Deutschland ein Land in einer total veränderten Fassung vorfinden würden.“

„Mercy flights“ – Gnadenflüge – nennen Neuseländer die Flüge, mit denen das Auswärtige Amt der Bundesrepublik gestrandete Touristen aus fernen Ländern heimholt. Mit einer Boing 747 waren Sabine und Hans Freudenberg am Samstag in Auckland aufgebrochen, um mit einem Tankstop in Tokio mit einem 24-Stunden-Flug nach Frankfurt zu gelangen.

Ein Bild von der Flugroute entlang der australischen Küste nach Tokio.

Ein Bild von der Flugroute entlang der australischen Küste nach Tokio. © privat

Hans Freudenberg berichtet von 400 Deutschen, für die diese Aktion der Bundesregierung vermutlich für längere Zeit die letzte Möglichkeit zur Heimkehr waren.

„Dem Flug vorausgegangen waren die Registrierung beim Auswärtigen Amt und bei der deutschen Botschaft in Wellington, die Zuweisung eines Platzes in der Sondermaschine im Rahmen der Rückholaktion“, schreibt Freudenberg. „Die Botschaft stellte unmissverständlich klar: Dieser Flug stellt für Sie persönlich derzeit die einzige Möglichkeit dar, Neuseeland im Rahmen der Rückholaktion der Bundesregierung zu verlassen.“

Ungewöhnliches Souvenier: Diesen Kugelschreiber, den die Europäische Union anlässlich einer Reise nach Neuseeland aufgelegt haben muss, hatte Hans Freudenberg von Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes beim Check-in in Auckland „erbettelt“.

Ungewöhnliches Souvenier: Diesen Kugelschreiber, den die Europäische Union anlässlich einer Reise nach Neuseeland aufgelegt haben muss, hatte Hans Freudenberg von Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes beim Check-in in Auckland „erbettelt“. © privat

Als sich in Deutschland das öffentliche Leben bereits durch Einschränkungen verlangsamte, habe es in Neuseeland noch kaum entsprechende Anzeichen gegeben. „Wir wähnten uns schon auf einer Insel der Seligen; aber auch die Insel im Pazifik blieb nicht von Corona verschont. Gleichwohl haben wir nirgendwo so erwas wie Hysterie beobachtet“, beschreibt Hans Freudenberg seine letzten Eindrücke. „Ich meine im Umfeld unserer Kinder, aber auch in den Medien eine gewisse unaufgeregte Gelassenheit im Umgang mit dem Thema beobachtet zu haben – vielleicht auch ein Erbe angelsächsischer Lebensart.“

Ein Vorteil in der Krise: Mehr Zeit mit den Enkeln

Durch die vier schulpflichtigen Enkel konnten die Freudenbergs beobachten, wie die Schulen schon sehr früh auf ein gut strukturiertes, flächendeckendes Internet-Lernangebot und Online-Unterricht zurückgreifen konnten. Letztlich habe es die Schließung der Schulen auch erlaubt, mehr Zeit mit den Enkelkindern zu verbringen, als absehbar war.

„Die vier Wochen Neuseeland im März 2020 waren durch die besonderen Umstände eine unserer ungewöhnlichsten und nachhaltigsten Reisen. Nachhaltig wird auch für uns in Erinnerung bleiben, wie viele Freunde und Nachbarn sich um uns gesorgt und ihre Hilfe angebotenen haben – wunderbar!“

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