Feuerwehr und Rettungsdienst schotten sich vor dem Coronavirus ab

dzAnsteckungsrisiko

Ärzte, Klinikpersonal, Polizei, Feuerwehr – ein Ausbruch des Coronavirus in ihren Reihen hätte dramatische Folgen. Die Löschzüge in den Städten und Gemeinden schotten sich daher nun bestmöglich ab.

Kreis Unna

, 15.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr bei Bränden, Unfällen oder Notfällen ist ein hohes Gut – daher beugen die Löschzüge ab sofort vor und gehen in Zeiten des Coronavirus jedem unnötigen Ansteckungsrisiko möglichst aus dem Weg.

Wehrleiter Jörg Sommer aus Fröndenberg

Wehrleiter Jörg Sommer aus Fröndenberg © UDO HENNES

»Wir wollen die Einsatzbereitschaft aufrechterhalten.«
Jörg Sommer, Feuerwehrchef in Fröndenberg

Ganz aktuell gilt seit Donnerstagmorgen für die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg, dass der Dienstbetrieb für die nächsten vier Wochen ausgesetzt ist. Mit Dienstbetrieb sind keine Einsätze im Ernstfall gemeint, sondern sämtliche Aktivitäten, die eine Feuerwehr praktisch täglich für ihr Funktionieren entfaltet: Übungen, Schulungen, Kameradschaftsabende.

Sinn der Maßnahme, die Fröndenbergs Feuerwehrchef Jörg Sommer mit Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe zuvor abgestimmt hat: Kontakte der Kameraden untereinander, aber auch mit Dritten weitestgehend zu unterbinden.

Dutzende Kameraden unter Quarantäne sind Horrorszenario

Was damit schlicht erreicht werden soll: „Die Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten“, so Jörg Sommer. Die Fröndenberger haben mit 275 Kräften relativ viele Freiwillige, allein zu Übungen kommen bis zu 40 Teilnehmer.

Stellte sich nach einer Zusammenkunft bei nur einem Übungsteilnehmer ein Virus-Verdacht heraus, müssten schlimmstenfalls Dutzende Kameraden unter Quarantäne gestellt werden – zwei Wochen lang.

Feuerwehrchef Rainer Balkenhoff, hier in der Kamener Leitstelle, sagt: „Wir müssen die Situation täglich neu bewerten.“

Feuerwehrchef Rainer Balkenhoff (M.), hier in der Kamener Leitstelle, sagt: „Wir müssen die Situation täglich neu bewerten.“ © Stefan Milk

Olaf Weischenberg, Leiter des Bereichs Feuerschutz und Rettungswesen bei der Stadt Unna, hat für den hauptamtlichen Rettungsdienst Vorsorge getroffen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Olaf Weischenberg, Leiter des Bereichs Feuerschutz und Rettungswesen bei der Stadt Unna, hat für den hauptamtlichen Rettungsdienst Vorsorge getroffen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. © Archiv

Zur Sache

Feuerwehrdienst auf Kernaufgaben reduziert

  • Der Bergkamener Feuerwehrchef Dirk Kemke hatte wegen der Infektionsgefahr bereits am 10. März den für Samstag geplanten Kameradschaftsabend mit rund 300 erwarteten Gästen vorsorglich abgesagt.
  • Welche weiteren dienstlichen Aktivitäten die Löschzüge in Bergkamen künftig ruhen lassen, soll noch beraten werden.
  • Feststehe, dass spätestens bei Einsätzen ein enger Kontakt der Kameraden untereinander nicht zu vermeiden sei. „Wir befinden uns in einer generell schwierigen Situation“, so Dirk Kemke, der hauptberuflich im Bereich Bevölkerungsschutz beim Kreis Unna tätig ist.
  • „Komplett auf Eis gelegt“, so Holzwickedes Feuerwehrchef Enrico Birkenfeld, sind in der Gemeinde Besuche von Schulklassen in den Feuerwehrhäusern. Birkenfeld: „Wir reduzieren den Feuerwehrdienst auf das Kerngeschehen.“
  • Dagegen werde zum Beispiel eine Erste-Hilfe-Übung, an der ausschließlich Angehörige desselben Löschzuges teilnehmen, noch stattfinden.
  • Erst recht soll nicht über Gemeindegrenzen hinweg agiert werden: So ist der eigentlich ab dem heutigen Freitag geplante gemeinsame Wochenend-Lehrgang der Wehren aus Holzwickede, Fröndenberg und Schwerte mit mehr als 30 Teilnehmern auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Rainer Balkenhoff, Sommers Kollege in Kamen, hat für seine ehrenamtlichen Einheiten Ähnliches angeordnet. Auch Besprechungen etwa oder Treffen der Jugendfeuerwehr werden in Kamen bis Ende April nicht mehr angesetzt.

Balkenhoff räumt ein, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt. „Wir müssen die Situation täglich neu bewerten“, so der Kamener Feuerwehrchef. Wenn heute noch gilt, dass bereits begonnene Lehrgänge noch zu Ende geführt werden dürfen, könne sich auch dies morgen schon ändern. „Die Einsatzfähigkeit der kritischen Infrastruktur so lange wie möglich erhalten“ – so bezeichnen die Pandemiepläne das Prozedere.

Die Vorbeugemaßnahmen gelten in besonderem Maße für den hauptamtlichen Rettungsdienst. Daher gibt es für die Einsatzkräfte der Feuer- und Rettungswache in Unna spezielle Regelungen.

Rettungsdienst arbeitet in kleineren Einheiten und festen Standorten

Der Rettungsdienst, der auch an den Standorten Holzwickede, Fröndenberg und Nord sowie an den Krankenhäusern stationiert ist, arbeitet in der derzeit akuten Infektionsphase in kleineren Einheiten als üblich und wechselt die Standorte über vier Wochen nicht. Eine Fortbildung ist zudem bereits abgesagt worden.

Auch damit, erläutert Olaf Weischenberg, Leiter des Bereichs Feuerschutz und Rettungswesen bei der Stadt Unna, solle die Zahl der Kontakte untereinander auf ein Minimum reduziert werden.

Außerdem riegelt man an der Florianstraße und an den anderen Standorten in Unna die Wachen ab: Besuche von Angehörigen oder von Schulklassen werden nicht mehr gestattet. „Wir schotten den Rettungsdienst ab“, bringt es Weischenberg auf den Punkt.

Enrico Birkenfeld, Feuerwehrchef in Holzwickede

Enrico Birkenfeld, Feuerwehrchef in Holzwickede © UDO HENNES

»Wir reduzieren den Feuerwehrdienst auf das Kerngeschehen.«
Enrico Birkenfeld, Feuerwehrchef in Holzwickede

Selbst ehrenamtliche Kräfte dürfen die Wachen nicht mehr aufsuchen, sofern ihre Anwesenheit nicht erforderlich ist. Kameradschaftliche Treffen müssen ebenfalls hintenanstehen. Weischenberg: „Das soziale Zusammenleben muss jetzt etwas leiden.“

Dagegen versehen die einzelnen Löschgruppen in Unna bislang noch ihre üblichen Dienste neben den Einsätzen; auch der Lehrgangsbetrieb läuft noch. Ähnliche Erfahrungen hat man bereits mit dem Sars-Virus, Vogel- und Schweinegrippe gemacht. Daher gilt auch in Unna: Die Pläne dafür, wie bei einer sich weiter dramatisierenden Lage verfahren wird, liegen längst in der Schublade.

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