Familienpaten tun Müttern, Vätern und sich selbst etwas Gutes

dzAlltagshelden

Familienpaten greifen Eltern unter die Arme, wenn die mal etwas Zeit für sich brauchen – von Babysitting ist ihre Arbeit aber weit entfernt..

Kreis Unna

, 27.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die eine Seite vermisst Großeltern und die andere Seite vermisst Enkelkinder“, sagt Hildegard Timmermann. Die Rentnerin verbringt gerne Zeit mit Kindern, aber ihr eigener Enkel wohnt in Frankfurt. Die Seniorin bekommt ihn deshalb nicht mehr allzu oft zu Gesicht. Mit Kindern verbringt sie trotzdem noch viel Zeit – als Familienpatin. Drei bis vier Stunden pro Woche wird entweder gespielt, im Garten gearbeitet oder auch mal gemeinsam gebacken. Die Mutter habe dann etwas Zeit für sich, sagt Timmermann. „Sie kann zum Friseur gehen oder einfach mal nichts tun.“

Unsere Serie

Alltagshelden – ohne sie geht es nicht

In unserer Serie „Alltagshelden“ stellen wir in loser Folge Berufe vor, über die nicht viel gesprochen wird: Berufe, über die man nicht viel weiß, die manche vielleicht gar nicht kennen oder auch Berufe, die einfach unterschätzt werden. Doch gerade über sie lohnt es, zu berichten. Denn die Menschen in diesen Berufen leisten für die Gesellschaft unverzichtbare Arbeiten.

Mit einer Babysitterin oder Tagesmutter darf man Timmermann aber nicht verwechseln. Sie verbringt nur so viel Zeit mit dem Kind, wie sie selbst entbehren kann – und möchte. Die Familienpatenschaft ist nämlich nicht nur eine Entlastung für die Eltern der Kinder, sondern auch eine Abwechslung für die Paten selbst. Timmermann verbringe gerne Zeit mit Kindern und erinnere sich dabei auch an ihre eigene Zeit als junge Mutter. Auch die Entwicklung der Kinder, die sie als Patin miterlebt, und der enge Kontakt zu den Eltern, der manchmal über die Patenschaft hinaus bestehen bleibe, seien ihr wichtig.

Vorbereitung auf die Verantwortung

Bevor eine Mutter ihr Kind in fremde Hände gibt, muss Vertrauen aufgebaut werden. „Man vertraut jemandem das Wertvollste, das man hat, an. Mehr Vertrauen geht nicht“, sagt Timmermann. Doch getreu dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ gehört mehr dazu. Familienpaten müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und vorab an einer Schulung teilnehmen, zu der auch ein Erste-Hilfe-Kurs gehört. Den hat Timmermann noch bestens in Erinnerung. „Immer in der Weintraubenzeit muss ich daran denken, dass man Kindern nie eine ganze Traube geben darf.“ Sie würden sonst im Hals stecken bleiben. Und wenn das passiere, müsse man einen speziellen Griff anwenden, um den Kindern zu helfen – auch den beherrscht Timmermann.

Familienpaten tun Müttern, Vätern und sich selbst etwas Gutes

Wenn sie Fragen hat, wendet die Familienpatin Hildegard Timmermann (r.) sich an Marie Sinner vom Familienbüro. © Marcel Drawe

Das Familienbüro vermittelt

Wer in Unna als Familienpate geeignet ist, entscheidet das Familienbüro, das zum Jugendamt gehört. Marie Sinner ist als Fachberaterin für die Familienpatenschaften zuständig. Nicht nur das Ausfüllen eines Erhebungsbogens entscheidet darüber, ob jemand Familienpate werden darf, sondern beispielsweise auch die Motivation. Oft seien die angehenden Paten älter und vermissen einen Enkel. Es gebe aber auch junge Familienpaten, die Vollzeit arbeiten. „Für sie ist das dann so eine Art Hobby und eine Entschleunigung vom Alltag“,sagt Sinner. Die Kinder bringen Abwechslung in den Alltag der Familienpaten – und andersherum. Während zu Hause oft der Fernseher laufe, erfahren die Kinder bei Timmermann Ruhe und Gelassenheit. Die Kinder erleben einen ganz anderen Alltag.

Familienpaten tun Müttern, Vätern und sich selbst etwas Gutes

Marie Sinner arbeitet im Familienbüro Unna. Sie führt erste Gespräche mit angehenden Familienpaten. © Marcel Drawe

Austausch unter den Paten

Familienpaten sind nicht nur Paten für die Kinder, sondern für die ganze Familie. So kann es auch zu ihren Aufgaben gehören, die Familien bei Behördengängen zu begleiten oder ihnen bei der Haushaltsplanung unter die Arme zu greifen. In die Erziehung eingreifen sollten sie aber nicht. „In Erziehungsfragen halte ich mich bedeckt und versuche, Distanz zu wahren“, erzählt Familienpatin Timmermann. Wenn es gar nicht passe oder Probleme gebe, dann könne sie sich jederzeit an das Familienbüro wenden. Nicht nur mit Marie Sinner steht Timmermann in Kontakt, sondern auch mit den anderen Familienpaten. In regelmäßigen Austauschtreffen sprechen sie über ihre Erfahrungen.

  • Ins Leben gerufen hat das Angebot für Familien der Arbeitskreis Familienpatenschaften des Kreises Unna.
  • Das Besondere an dem Projekt ist, dass jeder Standort selbstständig entscheidet, wo das Projekt angedockt ist und wie es heißt – in Bergkamen sind es beispielsweise die Familienpaten (Fip), in Kamen das Familien Patinnen Projekt und in Selm heißt das Projekt „Hand in Hand“. Des Weiteren gibt es in Schwerte, Werne und Lünen Familienpaten.
  • Auf der Seite des Kreises Unna steht eine Broschüre zum Download zur Verfügung. Dort gibt es Informationen für Familien und Paten.
  • Die Nachfrage sei an allen Standorten größer als das Angebot, sagt Anna Musinszki, Ansprechpartnerin beim Kreis Unna.