Erntejahr mit Potenzial für eine Hungerkatastrophe

dzErntedankfest

Für Landwirte ist der Rekordsommer noch nicht ausgestanden. Insbesondere Viehhalter leiden immer noch unter den Folgen der langen Dürreperiode.

Kreis Unna

, 05.10.2018, 11:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Landwirte war es ein Jahr der Superlative. Erst der nicht enden wollende Regen zur Aussaat im vergangenen Herbst und letztlich auch im Winter. Dann der viel zu trockene Sommer mit einer Dürre, wie sie die Region - wenn überhaupt jemals - lange nicht erlebt hat. „Von diesem Jahr werden wir Bauern vermutlich noch unseren Kindern erzählen“, zitiert der Landwirtschaftliche Kreisverband Ruhr-Lippe seinen Vorsitzenden Hans-Heinrich Wortmann in einer Mitteilung zum Erntedankfest an diesem Sonntag. In früheren Jahren, da ist der Chef-Landwirt sicher, hätte eine so lang anhaltende Trockenperiode eine Hungerkatastrophe ausgelöst.

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Und dennoch. Trotz der mitunter sehr hohen Ertragseinbußen seien gerade Jahre wie diese von Dankbarkeit geprägt. Auch und gerade, weil es Berufskollegen in anderen Teilen Deutschlands insbesondere im Norden und Osten viel schlimmer erwischt habe. Wortmann: „Dürre und Hitze zerrten arg an unseren Nerven. Trotzdem müssen wir in unserer Region annähernd zufrieden sein.“

Bodenqualität von hoher Bedeutung

Die Ernteergebnisse weisen laut Landwirtschaftlichem Kreisverband große Unterschiede auf; bedingt durch unterschiedliche Bodenverhältnisse und lokal teilweise sehr differente Witterung. Die wenigen, aber wichtigen Regenschauer seien lokal sehr begrenzt niedergegangen und die Bodenqualitäten seien bei der Trockenheit von extrem großer Bedeutung gewesen. Besonders problematisch sei die Situation auf den leichteren, flachgründigen Böden gewesen, die Wasser nicht lange speichern könnten, so der Landwirtschaftliche Kreisverband.

Außergewöhnlich kleine Kartoffeln

„In früheren Jahrhunderten hätte eine so langanhaltende Trockenheit eine Hungerkatastrophe ausgelöst.“
Hans-Heinrich Wortmann

Schon bei der Getreide- und Rapsernte seien die Ertragsunterschiede groß gewesen, heißt es in der Mitteilung. Mit Mindererträgen von 20 bis 50 Prozent habe die Dürre auch große Auswirkungen auf die Kartoffelernte gehabt. Demnach ist der Anteil kleiner Kartoffeln in diesem Jahr deutlich höher als üblich. Für Zuckerrüben sei die hohe Sonneinstrahlung einerseits zwar günstig gewesen, der Zuckeranteil sei ungewöhnlich hoch. Dennoch seien die Ertragsmengen insgesamt geringer, weil die Rüben selbst der großen Trockenheit wegen kleiner seien als sonst. Hier könne das Herbstwetter aber noch einen entscheidenden Einfluss nehmen - die Rübenernte habe gerade erst begonnen und laufe noch bis November, heißt es in der Mitteilung.

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Besonders hart aber habe dieses Jahr Rinder-, Pferde- und Schafhalter getroffen, für die der Rekordsommer noch lange nicht ausgestanden sei. Weil auf Wiesen und Weiden irgendwann nichts mehr nachgewachsen sei, hätten die Tiere vielfach mit den für den Winter vorbehaltenen Reserven gefüttert werden müssen. Die betroffenen Landwirte müssen nun also Futter zu kaufen - schlimmstenfalls sogar Tiere notschlachten.

Ideale Bedingungen für die Ernte

Etwas Positives können die Landwirte dem Rekordsommer laut Landwirtschaftlichem Kreisverband dann aber doch noch abgewinnen: Der Verlauf der Erntearbeiten sei ideal gewesen, ferner hätten die Landwirte das Getreide vor dem Einlagern, wie in nassen Jahren erforderlich, nicht trocknen müssen. „Anfang August konnten wir die Getreideernte abschließen“, sagt Wortmann. An einen so frühen Zeitpunkt könne sich kaum jemand erinnern.