Equal Pay Day: Liegt es an der Blau-Rosa-Falle in der Kinderstube?

dzUngleiche Bezahlung

Equal Pay Day am 17. März? Wer das Thema seit Jahren verfolgt, der stutzt einen Moment. Bislang war der 18. März der Stichtag für gleiche Bezahlung zwischen Mann und Frau. Eine Verbesserung?

Kreis Unna

, 16.03.2020, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Equal Pay Day ist ein symbolischer Tag, der die Lohnlücke symbolisieren soll, die aufgrund der unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen für die gleiche Arbeit besteht. Die liegt bei 21 Prozent, und somit arbeitet die Frau rechnerisch die ersten 77 Tage eines Jahres unbezahlt. Bislang war der 18. März der Stichtag für gleiche Bezahlung. Eine Verbesserung? Mitnichten! Es ist nur das Schaltjahr mit seinen 366 Tagen und dem 29. Februar, die dafür sorgen, dass der Equal Pay Day einen Tag früher im Kalender etlicher Frauen steht. Dass sich die Gehälter weiter angeglichen hätten: Fehlanzeige.

Kämpferinnen für gleichen Lohn sehen Rolle rückwärts

Das lässt auch die Gleichstellungsbeauftragten der Städte und Gemeinden im Kreis Unna sowie die übrigen Mitglieder des heimischen Netzwerks Frau und Beruf aus Wirtschaft, Arbeitsvermittlung und Beratungsangeboten nachdenklich werden. Seit Jahren prangern sie die Lohnlücke an, starteten Projekt um Projekt, fanden Gehör und auch Zustimmung und wurden sogar nach Berlin zu einem Arbeitsgespräch mit einem Mitarbeiter des Ministeriums eingeladen – doch die Lohnlücke schließt sich einfach nicht weiter.

In diesem Jahr wollen die Frauen das Übel daher vom Kopf angehen. Mehr und mehr halten sie Rollenklischees für einen der Hauptgründe, warum Männer und Frauen unterschiedlich bezahlt werden, und nach einem Blick in Kinderzimmer und Spielzeuggeschäfte glauben sie zudem, in einer Zeitschleife gefangen zu sein: „Das ist eine Rolle rückwärts“, sagt Bönens Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Luttrop. Mädchen sind voll im Prinzessinnen-Fieber, Einhörner sind angesagt, bei Jungs geht es um Autos, Fußball und Science-Fiction. „Man steckt doch von Baby an ist dieser PR-Maschinerie“, sagt Josefa Redzepi, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Unna.

Die Rosa-Hellblau-Falle im Kinderzimmer

Die Netzwerkmitglieder sprechen inzwischen von einer „Rosa-Hellblau-Falle“, aus der man gar nicht so einfach herauskäme. „Wir wollen das alles um Gottes Willen auch nicht verteufeln“, sagt Martina Grothaus aus Kamen. „Das ist ja auch alles nicht schlimm – aber es kann doch nicht nur noch das geben.“ Für sie habe es den Anschein, dass es im Moment um Re-Traditionalisierung ginge und Vieles, wofür Frauen jahrzehntelang gekämpft hätten, von der jungen Generation als zu selbstverständlich angesehen würde, um an den Errungenschaften festzuhalten und darauf aufzubauen. „Wir brauchen die Eltern, Großeltern und Tanten, damit es nicht immer stereotype Geschenke gibt“, sagt Birgit Wippermann aus Schwerte.

Mit ihrer Meinung scheinen die Damen nicht allein zu sein, denn für die nächste Woche hatten sie Kita- und OGS-Mitarbeiter, pädagogische Kräfte und Fachleute aus Jugendämtern und Jugendhilfe zu einem Fachtag eingeladen. Mit „Rollenklischees im (Erziehungs-)Alltag und wie wir ihnen entkommen – Veränderungen der Geschlechterrollenstereotypen“, war der Fachtag überschrieben – und schneller ausgebucht, als das organisierende Netzwerk gucken konnte. „70 Leute waren zugelassen, weit über 70 Anmeldungen gab es – und das lange vor dem Anmeldeschluss am 2. März“, berichten sie.

Fachtag wegen Coronavirus abgesagt

Doch das Coronavirus macht nun einen Strich durch diese Rechnung. Der Fachtag, der für den kommenden Montag im Kreishaus angesetzt war, musste am gestrigen Montag abgesagt werden. Ob es einen Nachholtermin geben wird, ist noch unbekannt. In jedem Fall empfehlen die Gleichstellungsbeauftragten bis dahin allen an dem Thema Interessierten das Buch „Rosa-Hellblau-Falle“ des Autoren- und Eltern-Ehepaars Almut Schnerring und Sascha Verlan.

Die beiden hätten auch durch den Fachtag geführt und beschäftigen sich mit längst überwunden geglaubten Rollenbildern. Und vielleicht, so die Hoffnung des Netzwerks Frauen und Arbeit, könne man dem Ganzen doch noch frühzeitig entgegenwirken, damit nicht nur die Kinder, sondern auch die späteren Erwachsenen nicht mehr in Rollenklischees gepresst werden.

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