Enkeltrick: Seniorin (79) aus dem Kreis Unna verliert 75.000 Euro

dzKriminalität im Kreis Unna

Eine Seniorin aus dem Kreis Unna ist Opfer von Betrügern geworden. Für eine Frau, die sich als ihre Nichte ausgab, hob sie 75.000 Euro von ihrem Konto ab. Kripo und Banken warnen vor dem „Enkeltrick“.

Kreis Unna

, 04.06.2020, 13:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einen Schlag sind 75.000 Euro weg: Eine 79-Jährige aus dem Kreis Unna hat diese Summe einem Mann übergeben, der vorgab, im Namen ihrer vermeintlichen Nichte zu handeln. Dahinter steckte jedoch das klassische Muster eines sogenannten Enkeltrick-Betrugs.

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Am Mittwochmittag erhielt die Seniorin einen Anruf einer Frau, die sich als ihre Nichte ausgab. Sie bat die 79-Jährige um Geld für die Ersteigerung einer Wohnung und setzte die Seniorin massiv unter Druck. Die Seniorin willigte schließlich ein und beschaffte sich über ihre Bank 75.000 Euro. Ein Mann, der sich als Schwiegersohn des Notars der Nichte vorstellte, holte das Geld später bei der 79-Jährigen ab und entkam. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Masche, dass sich Betrüger als vermeintliche Angehörige ausgeben, um so ältere Menschen dazu zu verleiten, ihnen für eine vorgetäuschte Notlage Geld zu geben, ist nicht neu. Immer wieder warnt die Polizei vor diesem sogenannten „Enkeltrick“.

Verhaltenstipps

Das rät die Polizei

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte ausgeben. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte wissen kann.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen. Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110. Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.
  • Bewahren Sie Ihre Wertsachen nicht zu Hause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.

Banken haben „sehr feine Antenne“ für Betrugsversuche

Auch die Mitarbeiter der großen Banken im Kreis Unna sind für solche Situationen geschult. „Wenn ein älterer Kunde kurzfristig eine derart hohe Summe abheben möchte, haben unsere Mitarbeiter da eine sehr feine Antenne für und fragen nach, wofür das Geld denn gebraucht wird“, sagt Andreas Schlüter von der Sparkasse Unna-Kamen auf Anfrage unserer Redaktion. Haben sie das Gefühl, dass ein Betrugsversuch hinter dem spontanen Geldabheben stecken könnte, versuchen die Mitarbeiter, den jeweiligen Kunden auf die bekannten Tricks und Maschen hinzuweisen.

„Doch letztlich ist es das Geld des Kunden und wenn er das abheben will, bekommt er es natürlich auch“, erklärt Schlüter, dass die Möglichkeiten der Bankmitarbeiter, den Betrug zu verhindern, auch ihre Grenzen haben.

Franz-Josef Griese, stellvertretender Leiter der Volksbank in Unna, bestätigt ebenfalls, dass es sich um ein sehr sensibles Thema handelt. „Wir haben den Vorteil, dass wir als regionales Unternehmen unsere Kunden teilweise seit Generationen kennen und die Mitarbeiter daher ein sehr gutes Gespür dafür haben, wenn etwas ungewöhnlich erscheint“, so Griese.

Bei Auszahlungen von ungewöhnlich hohen Summen oder Auszahlungen, bei denen eine unbekannte Person den Kunden begleite, seien die Mitarbeiter angehalten, sehr genau hinzuschauen und gegebenenfalls nachzufragen, wofür das Geld benötigt werde. „Die Mitarbeiter suchen sehr sensibel das Gespräch mit den Kunden. Das Verständnis der Kunden für diese Maßnahmen ist erfreulicherweise sehr groß“, sagt Griese. Im Sinne des Kundenschutzes würde im Zweifelsfall die Polizei informiert, wenn die Mitarbeiter anhaltende Zweifel hätten.

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