Eiserner Wille und Disziplin

Auf dem Weg zur Meisterschaft

Marcel Plura aus Unna ist Bodybuilder und lebt für den Sport. Bei den Landesmeisterschaften in Duisburg-Rheinhausen will er sich den Titel bei den Junioren holen.

Kreis Unna

, 13.10.2018, 17:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eiserner Wille und Disziplin

Er ist 1,80 Meter groß, 84 Kilo schwer und bepackt mit Muskeln: Bodybuilder Marcel Plura. © Bettina Hesse

Marcel Plura schnappt sich zwei Hanteln aus dem Regal und stellt sich vor den großen Spiegel im Fitnessstudio Check-In in Unna. Dann führt er die Gewichte abwechselnd ein paar Mal nach oben an die Schulter. Sein Atem geht dabei stoßweiße, jeder Muskel in seinen Armen und der Brust ist angespannt. Was die meisten Menschen nur unter größter Anstrengung schaffen würden, sieht bei dem 23-Jährigen federleicht aus. Sollte es auch: Denn Plura bereitet sich auf die Internationale NRW-Meisterschaft im Bodybuilding am 17. November in Duisburg-Rheinhausen vor. Und er hat den Titel fest im Visier.

Knapp fünf Wochen hat Plura noch Zeit, sich für den Wettkampf fit zu machen. Das Trainingsprogramm ist dementsprechend hart. Sieben Tage die Woche, drei Stunden pro Tag stählt er seinen Körper. Kraftübungen gehören dabei genauso dazu wie das Ausdauertraining auf dem Laufband oder Stepper.

Doch Kraft alleine reicht beim Bodybuilding nicht aus, weiß Plura. Es gehören auch eine große Portion Disziplin und eiserner Wille dazu. So hält sich der Unnaer an eine strenge Spezial-Diät: Seit Wochen gibt es für ihn nur Pute, Reis, Brokkoli und Ananas – und das jeden Tag. An Süßigkeiten, Pizza oder gar Alkohol darf er gar nicht denken. Sein Ziel ist es schließlich, noch mehr Kilo abzunehmen, um auf der Bühne möglichst definierte Muskeln zeigen zu können. Denn darum geht es bei der Sportart.

Sport für Einzelkämpfer

Dass Plura einmal Bodybuilder werden würde, das hätte er vor einigen Jahren nie gedacht. Er sei eher zufällig dazu gekommen: „Ich hatte Skoliose, also eine krumme Wirbelsäule, und da hat mich mein Orthopäde zum Rückentraining geschickt.“ Ein halbes Jahr später waren die Trainingseinheiten aufgebraucht und Plura meldete sich im Check-In in Unna an.

„Damals war ich noch 17 und brauchte die Erlaubnis meiner Mutter“, erinnert sich der Unnaer, der derzeit eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger macht. Mit der Zeit habe er dann immer mehr Gefallen an der Sportart gefunden – „auch weil man selbst verantwortlich für seinen Erfolg ist“. Beim Fußball habe ihn zum Beispiel früher immer gestört, dass man abhängig von den Mannschaftskollegen sei. „Und wenn die am Abend vor einem Spiel feiern gegangen sind, dann war es das mit dem Erfolg“, so Plura.

Beim Bodybuilding ist Plura Einzelkämpfer – und damit nicht nur für Erfolge, sondern auch für Niederlagen verantwortlich. Auch der Druck lastet allein auf ihm – und der dürfte in Duisburg-Rheinhausen schwer wiegen. Denn im vergangenen Jahr holte der Unnaer bei der Bodybuilding-Landesmeisterschaft den Titel bei den Newcomern und den zweiten Platz bei den Junioren. Im Frühjahr wollte der Unnaer eigentlich an einem weiteren Wettkampf teilnehmen, konnte aufgrund einer Verletzung am Fußgelenk allerdings nicht starten. Dieses Mal will er daher hoch hinaus, wenn er mit 23 Jahren ein letztes Mal bei den Junioren und zum ersten Mal bei den Männern in der Klasse 80 bis 90 Kilogramm antritt.

„Mein Ziel ist Platz eins bei den Junioren, und bei den Männern will ich unter die besten drei kommen“, fasst Plura zusammen. Er wisse, dass das nicht einfach sei. Denn die Konkurrenz ist groß. „Aber ich gebe alles. Bei mir gibt‘s nur 100 Prozent“, sagt der 23-Jährige.

Unterstützung vom Trainer

Unterstützung bekommt er dabei von Helmut Wendels. Er leitet nicht nur das Fitnessstudio Check-In in Unna, sondern war früher selbst erfolgreicher Bodybuilder, trainierte zusammen mit Hollywoodstar Ralf Möller und kennt sich in der Szene bestens aus. Und er ist ein strenger Lehrer: „Ich bin derjenige, der zu Marcel sagt: ‚Du musst noch was tun, du musst noch mehr abnehmen.‘“ Auf dem Level brauche ein Sportler auch eine kritische Stimme an seiner Seite. „Denn umso mehr man trainiert, desto schwieriger wird es“, betont der 64-Jährige.

Das weiß Plura nur zu gut. Derzeit lebt er – abgesehen von seiner Arbeit im Krankenhaus – ausschließlich für den Sport. Für Freunde und Familie bleibt kaum Zeit, von einer Freundin ganz zu schweigen. „Spaß macht das jetzt in den letzten Wochen vor dem Wettkampf nicht mehr“, sagt der 23-Jährige. Das sei schon eine große Belastung. „Aber wenn ich mir das Ergebnis angucke, dann macht mich das stolz.“

Ein Gefühl, das er sich auch von seiner Mutter erhofft. Noch weiß sie nichts davon, dass ihr Sohn an der Landesmeisterschaft teilnimmt – und das nicht ohne Grund. „Sie will, dass ich mich auf meine Ausbildung konzentriere. Und damit hat sie natürlich auch recht“, weiß der 23-Jährige. Trotzdem wolle er sich seinen Traum erfüllen und bei dem Wettkampf antreten. Die Karten für seine Mutter und seine Schwester hat Plura jedenfalls schon besorgt. „Ich hoffe, sie freuen sich.“

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