Eine Hundertschaft für die Sicherheit

dz20 Jahre Seniorenberater im Kreis

Sie gehen auf die Straße, um ihre Altersgenossen vor Ganoven zu warnen. Seniorenberater kennen sich aus mit Tricks von Einbrechern und Taschendieben. Langfinger haben gegen sie keine Chance.

Unna

, 21.11.2018, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal sind es ganz simple Hinweise: Geldbörse nie im Rucksack auf dem Rücken tragen, die Handtasche nicht lose im Korb des Rollators herumfahren. Kriminalhauptkommissarin Petra Landwehr macht vor, vor dem die Seniorenberater warnen. Blitzschnell mit flinken Fingern greift sie ein Portemonnaie aus der Tasche einer im Gespräch am Infostand abgelenkten Person. Wenn echte Diebe Senioren beklauen, geht die Geschichte nicht so harmlos aus. Der Eindruck, so einfach zum Opfer zu werden, aber schockiert. Solche Demonstrationen sind nachhaltig. Aber schon die Beratungsgespräche mit den Seniorenberatern sind für viele Klienten erhellend. Die Frauen und Männer werden ernst genommen, ihre Tipps kommen an. Das liegt sicher auch daran, dass die Berater und die Ratsuchenden auf Augenhöhe - beziehungsweise in gleicher Generation - miteinander kommunizieren. Denn die Seniorenberater beraten eben nicht nur ältere Menschen, sie sind es auch selbst. Und können daher die Sorgen und Ängste ihrer Altersgenossen nachempfinden.

Vor 20 Jahren, als das Projekt der Kreispolizeibehörde an den Start ging, waren die Menschen noch unbeschwerter. „Da konnte man ein Fenster auch mal auf Kipp stehen lassen und einkaufen gehen“, sagt Klemens Splittgerber. Da gab es weniger Angstpsychosen. Heute geht es um technische Sicherungsvorrichtungen für Türen und Fenster. Und natürlich um Alltagskriminalität mit Tipps zum Schutz vor Trickdieben, Warnung vor Haustürgeschäften oder Hinweise zum Schutz vor Taschendiebstahl in Bus und Bahn. Der berüchtigte Enkeltrick kommt dabei auch immer wieder zur Sprache. Ganz wichtig ist auch das richtige Verhalten am Bankautomaten. Und nicht zuletzt geht es in jeder Generation um Zivilcourage. Die Themenpalette der Seniorenberater ist breit. Bei den Veranstaltungen der Seniorenberater wird es nie langweilig. Sie sind nicht nur in den Fußgängerzonen, Geschäften und Banken oder auf Wochenmärkten anzutreffen. Die engagierten Frauen und Männer stellen sich auch bei Wind und Wetter auf einen Friedhof oder auf die Liegewiese im Freibad, um die Besucher daran zu erinnern, ihre Wertsachen nicht unbeaufsichtigt im Auto oder auf dem Badetuch liegen zu lassen. Rathäuser, Seniorenzentren und Bahnhöfe fallen ebenfalls in den Aktionsradius der Seniorenberater. Einige haben zudem Patenschaften in Einrichtungen oder bei Organisationen übernommen. Ihr Rat ist überall gefragt. Zur Klientel gehören „Otto Normalverbraucher“, ältere Menschen, viele alleinlebend, alle mit den gleichen Ängsten und Sicherheitsgefühlen.

Was ist das für eine Truppe, die sich so engagiert? 105 Frauen und Männer (das Verhältnis liegt bei etwa 50:50) wollen im Rentenalter nicht einfach zu Hause rum sitzen. Denn die meisten von ihnen haben das Berufsleben hinter sich, wollen sich aber noch engagieren. Und das ist in allen Kommunen des Kreises (außer Lünen) so. Die Begeisterung für das Projekt „Seniorenhelfen Senioren“ der Kreispolizeibehörde Unna war von Anfang an groß. Eine Bürgerbefragung 1998 mit dem Ergebnis, dass Senioren sich unsicher fühlen, war die Initialzündung für das Projekt. Es begann mit einigen wenigen dreitägigen Seminaren für interessierte ältere Menschen. 80 haben sich gemeldet und teilgenommen. Die Polizei wollte diese so geschulten Senioren danach nicht alleine lassen. Und ab dem Moment kommt Petra Landwehr ins Spiel. Die Kriminalhauptkommissarin hat die Betreuung der Gruppe übernommen und ist bis heute die Koordinatorin in der Abteilung Kriminalprävention der Kreispolizei. Anfangs trafen sich die Seniorenberater einmal im Jahr zum Gedankenaustausch. Ihr Wissen gaben sie zunächst nur in kleinen, eher privaten Kreisen weiter. Dann wurde das Projekt zum Selbstläufer, zu einer Erfolgsgeschichte, die nun schon 20 Jahre andauert. Längst sind die Seniorenberater eine öffentliche Institution und in der Bevölkerung bekannt. Aber auch innerhalb der Gruppe hat sich viel getan in den Jahren. Da sind echte Freundschaften entstanden und der Kontakt zu Petra Landwehr ist eng. „Für mich ist das ein persönliches Projekt“, sagt die Polizeibeamtin. Der Erfolg der Seniorenberater baut auch auf die stete Förderung auf. Gerd Achenbach, Landrat in der Gründungsphase, hat das Projekt ebenso unterstützt wie sein Nachfolger und jetziger Landrat Michael Makiolla. Er hat seine frühere Aktion Landrat vor Ort gerne mit den Infoständen der Seniorenberater gekoppelt. Außerdem gibt es noch den Unterstützungsverein „ProSi“. Stolz ist Petra Landwehr darauf, dass das Unnaer Projekt überregionale Anerkennung findet und insbesondere beim Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf geschätzt wird.
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