Die Zahl der Pendler ist hoch. Den Weg zum Hauptbahnhof fahren viele mit dem Rad. Damit das dort auch sicher steht, gibt es Fahrradstationen – sie verknüpfen den Verkehr auch im Kreis Unna.

Kreis Unna

, 26.07.2018, 16:01 Uhr / Lesedauer: 4 min

Morgens komme ich deutlich gelassener zur Arbeit und auf dem Rückweg schüttle ich die Gedanken an die Arbeit ab“, erzählt Volker Meier. Seit 2,5 Jahren lässt der Dortmunder sein Auto immer wieder stehen und fährt stattdessen mit dem E-Bike zur Arbeit nach Unna. Er habe damals beruflich mit der Radstation zu tun gehabt und erfahren, dass man dort auch elektronische Fahrräder ausleihen kann. „Dann war ich angefixt“, sagt Meier, der jetzt zwei bis dreimal die Woche mit dem mittlerweile eigenen Elektro-Rad nach Unna fährt. Für die 20 Kilometer brauche er 35 Minuten – nur fünf Minuten länger als mit dem Auto. Der 59-Jährige gibt aber zu, dass es dazu nur gekommen ist, weil es dort auch E-Bikes gibt. „Ich bin eigentlich nicht sportlich. Aber man hat trotzdem das Gefühl, etwas getan zu haben.“ Manchmal stellt Meier sein Rad bei der Arbeit ab, wenn er aber etwas in der Stadt erledigt, dann nutzt er die Radstation am Bahnhof – „das ist sicherer.“

Immerhin sind Fahrräder beliebtes Diebesgut – im Jahr 2017 wurden nach Polizeiangaben mehr als 67.900 Fahrräder in Nordrhein-Westfalen als gestohlen gemeldet. Die Fahrradstation kommt da als sicherer Hafen mehr als gelegen. 72 gibt es davon laut Verkehrsministerium in NRW, Stand Dezember 2017. Die erste eröffnete im Kreis Unna. Das war vor 25 Jahren in Lünen. Mittlerweile gibt es sieben solcher Stationen im Kreis. Sie werden von der „Das Dies Service GmbH“, einem Unternehmen der AWO betrieben. Zwei befinden sich in Lünen, zwei in Unna und jeweils eine in Kamen, Bönen und Schwerte. Hinzu kommen zwei Parkstationen am Werner Bahnhof und am Bergkamener Rathaus. Dort sei kein Personal vor Ort, erklärt Maciej Kozlowski, Geschäftsführer der „Das Dies Service GmbH“, den Unterschied. Die Idee der Radstationen wurde aus den Niederlanden importiert – dort heißt der Service „Fietsenstallingen“. 1995 wurde das Projekt „100 Radstationen für NRW“ im Koalitionsvertrag aufgenommen, sagt Peter London, Experte für Fuß- und Radverkehr beim Verkehrsministerium NRW. Damals gab es nur acht Stationen. „Wir machen regelmäßig – heute wie damals – Exkursionen in die Niederlande und lassen uns vom dortigen Radverkehr inspirieren“, erklärt London.

Absprache mit Händlern

Fahrradstationen werden vom Land gefördert: Die Kommune stellt einen Antrag zur Förderung an das Land, pro Fahrradstellplatz bekommt sie 70 Prozent der Baukosten – finanzschwache Kommunen erhalten sogar 75 Prozent. Die Kosten sind gedeckelt – 1000 Euro für einen Stellplatz am Straßenrand, 1250 Euro für eine Fahrradbox und 1500 für einen innen liegenden Stellplatz. Die Kommune verpachtet die Station dann an den Betreiber der Radstation – also an eine gemeinnützige Organisation oder an ein privates Unternehmen.

Das Verkehrsministerium NRW empfiehlt Kommunen, die örtlichen Fahrradhändler und -werkstätten zu befragen, bevor eine Station eingerichtet wird. So soll Konkurrenzkampf vermieden werden.

Einen solchen gibt es im Kreis Unna nicht – im Gegenteil. „Wenn kleinere Reparaturen anliegen, schicken Fachhändler die Kunden schon mal zu uns. Wir ergänzen uns“, sagt Kozlowski. Die aufwendigeren Reparaturen übernimmt dafür der Fachhandel. „Unserer Hauptbestandteil ist immer noch das Bewachen und Verleihen von Fahrrädern. Damit sind wir gut ausgelastet“, erklärt der Geschäftsführer. Doch vor allem für Berufspendler seien schnelle Reparaturen vor Ort sehr praktisch – beispielsweise, wenn ein Reifen geflickt werden muss.

Es seien besonders Berufspendler, die die Radstationen in Anspruch nehmen, doch auch Schüler und Studenten stellten ihre Räder vermehrt dort ab. „Es werden von Jahr zu Jahr mehr Kunden. Es spricht sich herum“, sagt Lars Rehbein von der Radstation Unna. Er hat seine Ausbildung zum Fahrradmonteur in der Kamener Radstation gemacht und bildet ab Herbst selbst aus.

Inwiefern der Radverkehr durch Fahrradstationen besonders gestärkt wird, lasse sich nur schwer sagen, sagt Peter London: „Die letzte Mobilitätsuntersuchung war im Jahr 2008, die nächste soll bald veröffentlicht werden. Bisher liegt der Anteil vom Rad- am Gesamtverkehr bei zehn bis zwölf Prozent.“

Volker Meier ist einer von ihnen – zumindest, wenn es nicht gerade schneit, schüttet oder glatt ist. Er sei ein Überzeugungstäter. „Meine Frau fährt auch öfter mit dem Fahrrad, wenn sie Besorgungen macht“. Er kenne auch einige Arbeitskollegen, die die Radstation nutzen. Eine ehemalige Kollegin aus Duisburg sei beispielsweise mit der Bahn nach Kamen gefahren und von da aus mit dem Rad nach Unna zur Arbeit. „Sie hat von Kamen aus nur 15 Minuten gebraucht. Das glaubt man gar nicht.“ Auch Unnas Bürgermeister sehe Meier oft an der Radstation.

Mehr bessere Strecken

Was noch fehlt, damit noch mehr Menschen aufs Rad steigen, seien mehr gute Strecken. „Die Infrastruktur der Radwege hängt dem Trend nach“, sagt Meier. Es gebe zwar gute Strecken, aber auch Stolperpisten. Das ist eine Auffassung, die Andreas Abels, zweiter Vorsitzender des ADFC Kreisverbandes Unna, teilt. Vieles könne noch verbessert werden. Während es gute Strecken, wie beispielsweise den Sesekeweg gebe, hakt es an anderen Stellen. „Es wird immer wieder über den Rathauskreisel in Unna berichtet“, so Abels. Er sei für Radfahrer zu gefährlich. Und dann ist da noch der Radschnellweg RS 1. „Das ist ein großes Thema in Unna. Leider tut sich da im Moment nicht viel“, sagt Abels. Er hoffe, dass sich das bald ändert.

Der größere Anreiz zum Umstieg aufs Rad sei nicht der einzige Nutzen, sagt London vom Verkehrsministerium NRW: „Wer sein Rad gesichert abstellen kann, der leistet sich oft auch ein besseres und damit meist auch verkehrssichereres Rad.“ Das Umfeld an einem Bahnhof werde außerdem durch eine bewachte Fahrradstation sicherer. Und sie schafft Arbeitsplätze: In den gemeinnützigen Fahrradstationen arbeiten oft Menschen mit Behinderungen oder Langzeitarbeitslose.

Genau wie im Kreis Unna. Insgesamt arbeiten bei den Radstationen der „Das Dies GmbH“ 19 festangestellte Mitarbeiter. 17 von ihnen kommen aus Maßnahmen. Lars Rehbein zum Beispiel. Er habe in der Fahrradstation einer Behindertenwerkstatt der AWO gearbeitet, bevor er mit der Ausbildung in Kamen begonnen hat.

Folgenden Service bieten die Radstation im Kreis Unna an: Die Radstationen der „Das Dies GmbH“ im Kreis Unna bieten neben der Bewachung von Fahrrädern auch Reparaturen, Reinigung und Verleih an. Neuerdings gibt es für Fahrräder und E-Bikes Stundenpreise. Pro Stunde kostet ein Fahrrad 0,75 Cent – egal ob Pedelec oder normales Rad. Wer sich ein E-Bike für ein Wochenende oder für eine Woche ausleihen möchte, zahlt jedoch mehr als für ein nicht motorisiertes Zweirad. Ein Stellplatz kostet 1 Euro am Tag, 10 Euro im Monat und 100 Euro im Jahr. Schüler zahlen je die Hälfte. Öffnungszeiten: 9 bis 18 Uhr, mit einem elektronischen Chip haben Kunden 365 Tage im Jahr rund um die Uhr Zugang zur Radstation. Der DasDies Service ist unter Tel. (02306) 72393, via E-Mail an info@dasdies.de erreichbar. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.die-radstationen.de