Gesetzlich gibt es die „Ehe für alle“ längst, kirchlich aber nicht. Doch im Evangelischen Kirchenkreis Unna werden gleichgeschlechtliche Paare wahrscheinlich auch bald heiraten dürfen.

Kreis Unna

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Sechs Jahre ist es inzwischen her, dass der damalige Stadtkirchenpfarrer von Unna, Jörg-Uwe Pehle, seinen Partner Thomas König symbolisch heiratete. Annette Muhr-Nelson, 2013 Superintendentin im Kirchenkreis Unna, segnete das gleichgeschlechtliche Paar in der Stadtkirche – und sendete damit schon vier Jahre vor dem Bundestagsbeschluss zur Einführung der „Ehe für alle“ ein starkes Signal: Niemand dürfe wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Formal macht die Kirche allerdings auch 2019 noch einen Unterschied: Eine beurkundete Amtshandlung wie die Hochzeit ist die Segnungsfeier nicht, der Begriff „Trauung“ wird bewusst nicht verwendet.

Landeskirche entscheidet im November

Doch an dieser Praxis dürfte sich schon bald etwas ändern. Die Sommersynode in Kamen – das Kirchenparlament auf kreislicher Ebene – hat sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, eine kirchliche Trauung für alle Menschen zu ermöglichen, die nach staatlichem Recht die Ehe eingegangen sind. Die damit verbundene Einführung einer „Ehe für alle“ auch in der Kirche ist damit allerdings noch nicht beschlossen; es handelt sich lediglich um eine Stellungnahme gegenüber der Evangelischen Kirche von Westfalen. Dort wird das Thema im Rahmen der Landessynode Mitte November noch einmal diskutiert, wie Sprecherin Andrea Rose unserer Redaktion sagte. Dass es dabei nicht zu einer Ablehnung kommen wird, zeichnet sich angesichts weiterer positiver Stellungnahmen aus anderen Kirchenkreisen freilich ab. In Kraft treten könnte ein entsprechender Beschluss demnach Anfang 2020. Bis dahin bleibt es auf jeden Fall bei der bestehenden Praxis der Segnung.

Pfarrer können aus Gewissensgründen ablehnen

Kirchenkreis-Sprecher Dietrich Schneider erklärte nach der Synode, dass die Neuregelung nicht bei jedem Pfarrer auf Gegenliebe stoße. Das Thema werde durchaus kontrovers diskutiert, und die Kirche will den unterschiedlichen Einstellungen auch Rechnung tragen. Ein Pfarrer könne eine gleichgeschlechtliche Trauung aus Gewissensgründen ablehnen, wenn seine theologische Überzeugung dem im Wege stehe, so Schneider weiter. In diesem Fall würde der Superintendent sich der Sache annehmen und die Trauung entweder selbst vornehmen oder einen Pfarrer suchen, der damit kein Problem hat. Ob und wann es dazu einmal kommt, ist heute freilich noch Zukunftsmusik.

Zur Sache

Das ist der Evangelische Kirchenkreis Unna

  • Der Evangelische Kirchenkreis Unna ist der Zusammenschluss der 13 evangelischen Gemeinden in Fröndenberg, Kamen, Unna, Holzwickede und Bergkamen und der kreiskirchlichen Einrichtungen.
  • In den fünf Städten und Gemeinden leben rund 72.000 evangelische Christen.
  • Der Kirchenkreis und die Kreissynode werden vom Superintendenten, seit 2015 Hans-Martin Böcker, geleitet. Die Synode als Kirchenparlament setzt sich aus insgesamt 120 Vertretern aus den Gemeinden und dem Kreiskirchenamt zusammen.

Anders sieht es beim Thema Mobilität aus, mit dem sich die Synode in Kamen ebenfalls beschäftigt hat. Das Ziel ist mehr Umweltfreundlichkeit; erreicht werden soll es unter anderem mithilfe von E-Bikes. Das Angebot, finanziert von Kirchenkreis und Landeskirche, richtet sich zunächst an die Pfarrerinnen und Pfarrer, die naturgemäß innerhalb ihrer Gemeinde viele Kurzstrecken zurücklegen.

„Ehe für alle“ im Evangelischen Kirchenkreis Unna kommt wahrscheinlich 2020

Der E-Bike-Trend erfasst den Evangelischen Kirchenkreis Unna: Pfarrer können künftig mit Elektrorädern ihre Termine innerhalb der Gemeinde wahrnehmen und so einen Beitrag zu mehr umweltfreundlicher Mobilität leisten. © dpa

E-Bikes für Kurzstrecken innerhalb der Gemeinde

Ob zum Gemeindebüro oder zu Besuchen: Wer hierfür zurzeit noch das Auto nutzt, kann künftig aufs E-Bike steigen. Es ist die erste konkrete Maßnahme eines Mobilitätskonzepts, das weiter ausgestaltet werden soll. Denkbar sind laut Dietrich Schneider etwa Dienstfahrräder fürs Haus der Kirche in Unna, die Einrichtung von E-Ladestationen, längerfristig auch die Anschaffung von E-Autos.

Altenseelsorge soll nicht zu kurz kommen

Bereits fertig ist indes ein Konzept für die zukünftige Seelsorge an alten Menschen. Darum sollen sich zukünftig in den vier Regionen des Kirchenkreises je einer der bereits tätigen Pfarrer mit je einer Viertelstelle kümmern. Zusätzlich wird eine neue Stelle beim Kirchenkreis eingerichtet, die mit einem Diakon besetzt werden und etwa für die Schulung von Ehrenamtlichen zuständig sein soll. Damit will der Kirchenkreis sicherstellen, dass die Seelsorge, ob Besuche in Altenheimen oder Trauerbegleitung, künftig trotz sinkender Zahlen von Pfarrstellen nicht zu kurz kommt.

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