E-Mobilität ist in Fahrschulen im Kreis Unna noch nicht angekommen

dzElektroautos in Fahrschulen

Fahren lernen mit dem Elektroauto? Das geht im Kreis Unna nur in sehr wenigen Fahrschulen. Dabei sollten gerade junge Leute an alternative Antriebsarten herangeführt werden, sagen Experten.

Kreis Unna

, 11.08.2019 / Lesedauer: 4 min

Elektroautos sollen das Fortbewegungsmittel der Zukunft sein. Doch die Einführung kommt nur schleppend voran. Auf den Straßen sind sie kaum zu sehen, es fehlt an Ladesäulen und Infrastruktur. Und auch in den Fahrschulen ist die Elektromobilität noch nicht angekommen. Nur die wenigstens bieten Stunden im Stromer an. Der Grund dafür ist vielschichtig.

Nach Angaben des Branchendienstes „Moving International Road Safety Association“ werden Elektrofahrzeuge nur in 2,5 Prozent der Fahrschulen in Nordrhein-Westfalen eingesetzt – bundesweit sind es immerhin 4,9 Prozent. „Der Umgang mit den neuen Technologien wird zukünftig aber zu den wichtigen und spannenden Aufgaben des Fahrschullehrers gehören“, zeigte sich „Moving“-Präsident Jörg-Michael Satz erst kürzlich in einem Interview überzeugt.

Eingeschränkte Reichweite, lange Ladezeit

Noch allerdings sind Elektrofahrzeuge in Fahrschulen rar. Denn zum einen sind sie in der Anschaffung relativ teuer, zumal diese auch noch zu einem Fahrschulwagen mit Doppelpedalen umgebaut werden müssen, damit der Lehrer notfalls eingreifen und bremsen kann. Zum anderen sind die eingeschränkte Reichweite sowie die lange Ladezeit der Stromer problematisch.

Dazu kommt ein Hindernis, das im EU-Recht liegt. Denn wer seine Prüfung in einem Auto mit Automatikgetriebe ablegt, darf anschließend ausschließlich Automatikfahrzeuge fahren. Elektroautos kommen ohne manuelles Getriebe aus. Heißt: Auch wer seine Prüfung in einem E-Auto macht, darf danach nur Automatikgetriebe fahren. Und diese Einschränkung wollen die wenigsten in Kauf nehmen, geschweige denn eine zusätzliche mit Kosten verbundene Prüfung absolvieren.

E-Mobilität ist in Fahrschulen im Kreis Unna noch nicht angekommen

Falk Rzepka hat die Flotte seiner Fahrschule in Werne vor zwei Jahren um einen E-Smart erweitert, um seinen Schülern auch alternative Antriebe näherzubringen. © Andrea Wellerdiek

Die Stunden mit dem E-Auto kommen gut an

Einer, der all diesen Problemen trotzt, ist Falk Rzepka. Vor zwei Jahren hat er die Flotte seiner Fahrschule in Werne um einen E-Smart erweitert, um seinen Schülern auch alternative Antriebe näherzubringen. Damit war er einer der ersten, und mit einem reinen Elektrofahrzeug auch einer der wenigsten. „Denn wenn Fahrschulen überhaupt elektrisch unterwegs sind, dann meist mit einem Hybrid“, erklärt er.

Rzepka hat die Investition nicht bereut. „Die Stunden mit dem E-Auto kommen gut bei den Jugendlichen an. Die finden das spannend“, weiß der Fahrlehrer aus Erfahrung. Und wenn jemand an die neue Technik herangeführt werden sollte, dann doch die jungen Leute. Die Prüfung würden sie dann allerdings in einem normalen Auto mit Schaltgetriebe ablegen. Denn extra Geld für eine zusätzliche Prüfung zu zahlen, wolle dann doch keiner, so Rzepka.

Ähnliche Erfahrung hat auch Markus Hainer gemacht. Er leitet nicht nur die Fahrschule Team Hainer, sondern auch das Verkehrsbildungszentrum Move in Unna. Für die Fahrschule hat er vor zwei Jahren einen Hybrid VW Golf angeschafft. „Jeder, der bei uns seinen Führerschein macht, fährt mal mit dem E-Auto“, erzählt er. Denn auch Hainer sieht den Trend ganz klar in Richtung Elektromobilität gehen.

In NRW fehlen 147 Fahrlehrer
  • Fachkräfte fehlen in vielen Branchen – auch in den Fahrschulen in Deutschland.
  • Deutschlandweit ist die Anzahl der Fahrlehr-Erlaubnishalter 2019 gegenüber 2016 um 2,5 Prozent oder 1146 Personen gesunken.
  • Die jüngere Entwicklung zeigt allerdings, dass der durchschnittliche Rückgang zumindest weniger stark ist.
  • Positive Entwicklungen gegenüber 2018 zeigen sich in Nordrhein-Westfalen. Dort ist die Zahl der Fahrlehr-Erlaubnishalter von 8126 auf 8192 gestiegen.
  • Dennoch fehlen in NRW nach Angaben des Branchendienstes „Moving International Road Safety Association“ derzeit 147 Fahrlehrer.
  • Ein Problem ist der demografische Wandel. 25 Prozent der Fahrlehrer in NRW sind über 55 Jahre alt, gehen also bald in Rente.

Fahren mit dem E-Auto will gelernt sein

Inwiefern das Fahren mit einem Stromer überhaupt anders ist? „Man muss sich auf jeden Fall damit vertraut machen, zum Beispiel mit dem Tanken oder auch der Energierückgewinnung“, sagt Rzepka. Und auch Hainer sieht Bedarf. „Man muss lernen, dass man geräuschlos unterwegs ist und dass andere Verkehrsteilnehmer einen nicht hören“, erklärt er. Dazu komme, dass ein E-Auto viel schneller anfahre.

Fahrlehrer können den Umgang mit Elektrofahrzeugen im Verkehrsbildungszentrum Move lernen. Dort steht ein eigens für den Einsatz umgebauter BMW i3 samt E-Tankstelle zur Verfügung – ein Gemeinschaftsprojekt mit den Stadtwerken Unna. „So können sich auch Fahrlehrer mit dem Thema vertraut machen“, betont Hainer.

E-Mobilität ist in Fahrschulen im Kreis Unna noch nicht angekommen

Markus Hainer (l.), Chef der gleichnamigen Fahrschule und des Verkehrsbildungszentrums Move, und Thomas Weigel von den Stadtwerken haben vor zwei Jahren eine E-Tankstelle auf dem Move-Gelände in Betrieb genommen. © Move

Aktuelle Prüfungsordnung soll reformiert werden

Bei all den Möglichkeiten wäre man der Elektromobilität auch schon einen Schritt näher, wenn da nicht die aktuelle Prüfungsordnung wäre. Und tatsächlich scheint Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Denn Fahrschüler sollen sich künftig im Anschluss an die Automatikprüfung zusätzlich an einem Schaltgetriebe-Fahrzeug testen lassen können, ohne eine erneute Prüfung mit neuen Gebühren abzulegen, wie Renate Bartelt-Lehrfeld, Referatsleiterin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, im Juni bei einem Fahrschulforum der „Moving International Road Safety Association“ ankündigte. Sie sei zuversichtlich, die Reform bis zum Ende des Jahres umsetzen zu können.

Wenn es so kommt, wäre das nicht nur im Sinne der Fahrschulen. Denn eine Umfrage unter Fahrschülern hat schon 2017 ergeben, dass 74 Prozent der Befragten ein hohes Interesse daran habe – und das war noch vor der Zeit von Fridays for Future.

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