An einer Seitentür des Gesundheitsamts in Unna werden Menschen im Zehn-Minuten-Takt zum Coronatest aufgerufen. Bis man an der Reihe ist, muss man draußen auf dem Präsentierteller warten. Drinnen läuft es wie am Schnürchen.

Kreis Unna

, 07.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Weg zum Coronatest führt durch eine Seitentür des Kreisgesundheitsamts an der Platanenallee in Unna. Es ist Montag, 8.30 Uhr, und die Morgensonne scheint gnadenlos auf die verschmierte Scheibe der Tür. Das Wischen mit Desinfektionsmittel hat seine Spuren hinterlassen.

Ein junger Mann schlendert heran und bleibt vor der Tür stehen. Er hat vorher telefonisch einen Termin für den Coronatest bekommen. „Personen mit Termin werden abgeholt“, steht auf einem Aushang auf der Scheibe. Der junge Mann wartet, dass er hereingelassen wird.

Eine Frau mit Mundschutz öffnet die Tür

In der Zwischenzeit erzählt er seine Geschichte. Er ist Student, 25 Jahre und aus Kamen. Ein Bekannter, mit dem er zusammen im Auto fuhr, ist infiziert. Der Kontakt ist schon fast zwei Wochen her, aber weil er Symptome wie bei einer Erkältung hat, hat er nach Rücksprache mit seinem Hausarzt die Hotline des Kreisgesundheitsamt angerufen. „Das hat direkt geklappt, bin zwei, drei Mal weiterverbunden worden und habe dann einen Termin bekommen“, sagt er.

Eine Frau mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzkittel hat die Tür geöffnet. Sie spricht den Wartenden an, vergewissert sich, dass er angemeldet ist, und hält ihm die Tür auf. Der junge Mann schiebt sich an der Mitarbeiterin des Kreisgesundheitsamts vorbei. Als die Tür zufällt, gehen beide eine dahinterliegende Treppe hinauf und verschwinden aus dem Blickfeld.

Coronavirus

Teststationen

  • Es gibt drei Teststellen für Corona-Verdachtsfälle im Kreis Unna. Termine gibt es nur nach Anmeldung unter Tel. (02303) 27-52 53.
  • Gesundheitsamt Unna, Platanenallee 16, Unna: Kapazität von ca. 40 Tests täglich (Schätzung).
  • Kreishaus Lünen, Viktoriastraße 5, Lünen: Kapazität unbekannt.
  • Marienkrankenhaus Schwerte, Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL), Goethestraße 19, Schwerte. Kapazität laut KVWL: 10 bis 15.
  • Eine Gesamtzahl der durchgeführten Tests liegt nicht vor. Das Kreisgesundheitsamt ließ eine Anfrage am Montag zunächst unbeantwortet. Von Anfang März bis 12. März wurden nach früheren Angaben 677 Tests durchgeführt, davon waren 662 negativ.

Sechs Tage bis zum Ausbruch der Krankheit

Fünf bis sechs Tage dauert es nach einer Ansteckung durchschnittlich, bis Covid-19 ausbricht. Kranke haben häufig Fieber und Husten. Die meisten Erkrankungen verlaufen mild bis moderat. Ein Erkrankter aus Kamen, der sich im Skiurlaub in Ischgl ansteckte, bemerkte zuerst Schüttelfrost.

Eine 55 Jahre alte Frau aus Bönen hat den Test gerade hinter sich und erzählt, wie der Coronatest für sie abgelaufen ist. „Das ist sehr gut organisiert“, sagt sie. Nachdem sie hereingelassen und zu einem Warteraum geführt wurde, desinfizierte sie sich die Hände. In dem Warteraum stehen zwei Stühle, auf einem saß schon jemand. „Zwischen uns war viel Abstand“, erzählt die 55-Jährige. Sie musste ein Formular ausfüllen. „Den benutzten Stift habe ich in eine Kiste geworfen, wo schon viele andere Stifte waren.“ Dann nahm jemand eine Rachenabstrich bei ihr vor. „In voller Schutzkleidung“, erzählt sie. Ihre Schilderung deckt sich mit den Aussagen aus dem Kreisgesundheitsamt. In zwei Tagen soll das Testergebnis vorliegen. Sie wird bei einem positiven Test umgehend benachrichtigt.

Kreisgesundheitsamt an der Platanenallee in Unna: Durch den Seiteneingang (Tür mit weißem Schild) geht es zum Coronatest.

Kreisgesundheitsamt an der Platanenallee in Unna: Durch den Seiteneingang (Tür mit weißem Schild) geht es zum Coronatest. © Carsten Fischer

Test nur bei Kontakt mit Erkranktem – oder in Ausnahmefällen

Nicht jeder Kranke, der glaubt, das Sars-CoV-2-Virus zu haben, kann sich testen lassen, weil die Testkapazitäten begrenzt sind. Auf dem Aushang an der Tür steht: „Bei Symptomen und Kontakt zu einer infizierten Person oder Symptomen und Rückkehr aus einem Risikogebiet vereinbaren Sie bitte einen Termin unter 02303-27-5253.“ Die Frau aus Bönen schildert, dass sie Erkältungssymptome hat und deswegen krank geschrieben ist. Sie kennt aber niemanden, der an Covid-19 erkrankt ist und war auch in keinem Risikogebiet. Den Termin für den Coronatest hat sie nach eigenen Worten nach Rücksprache mit ihrem Arbeitgeber und auf Rat ihres Hausarztes über die Hotline bekommen. Sie arbeitet in einem Pflegeheim.

Ein älteres Paar kommt zur Teststelle und wartet. Der 63-jährige Mann aus Kamen hat Husten, seine Frau hat am Freitag die Hotline angerufen und für Montag einen Termin bekommen. Drei Tage sind ihr zu lang. „Das ist doch Wahnsinn“, meint sie.

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Corona-Verdächtige auf dem Präsentierteller

Vor der Tür der Teststelle an der Platanenallee ist die Wartezeit kurz. Im Zehn-Minuten-Takt sind die Termine vergeben. Wenige Minuten bleiben manche aber doch draußen stehen und können sich dann als Corona-Verdächtiger auf dem Präsentierteller fühlen. Passanten gehen, Autos fahren vorbei. Im Idealfall könnten die Testpersonen direkt ins Gebäude in eine großzügige, vor Blicken geschützte Wartezone gehen – dort würden sie dann abgeholt. Jede Arztpraxis bietet eine würdigere Wartemöglichkeit.

Manchmal ergibt sich für die Mitarbeiterin an der Tür bis zum Erscheinen der nächsten Testperson eine kurze Verschnaufpause. Sie lehnt am Türrahmen, hat ihre Schutzmaske etwas hochgeklappt. Sie atmet tief durch. Sechseinhalb Stunden lang ist die Teststelle heute geöffnet, der Tag hat gerade erst angefangen. Falls alle zehn Minuten ein Test gemacht wird, sind 39 Tests zu schaffen.

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