Die Zukunft planen im Maßstab 1:50.000

dzRegionalplan Ruhr

Der Regionalplan Ruhr ist als planerisches Machwerk im Kreis Unna bereits oft diskutiert worden. Er legt die Rahmen für die Flächennutzung der kommenden Jahre für Wohnen, Verkehr, Umwelt und Gewerbe fest.

Kreis Unna

, 22.11.2018, 15:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Regionalverband Ruhr (RVR) befindet sich derzeit sozusagen auf Transparenz-Tournee, Regionaler Diskurs genannt. Es geht dabei darum, in Zusammenarbeit mit den Städten und Kreisen, die der Regionalplan Ruhr betrifft, einen Dialog herzustellen, bei dem auf der einen Seite das umfangreiche Planungswerk des RVR an die Kommunen und die interessierte Öffentlichkeit kommuniziert wird und auf der anderen Seite auch Raum für konkrete Nachfragen besteht. „Es geht uns darum, die Öffentlichkeit in die Pläne mit einzubeziehen, darum auch der Name“, erklärt Martin Tönnes.

Planen im Maßstab 1 zu 50.000

Der Bereichsleiter Planung des RVR ordnet ein: „Es geht beim Regionalplan nicht darum, parzellenscharf örtliche Begebenheiten abzubilden. Unser Maßstab ist 1 zu 50.000, das heißt ein Zentimeter im Plan sind 500 Meter in der Realität.“ Daran zeige sich deutlich, dass nun etwa ein Grundstückeigentümer zwar im Regionalplan grundlegend erkennen könne, welche Entwicklungspläne für das Gebiet bestehen, auf dem sein Grundstück liegt. „Wenn es dann aber an die konkreten Planungen von Bauvorhaben geht, sind natürlich die Bebauungspläne auf kommunaler Ebene entscheidend“, so Tönnes. Trotzdem könne es natürlich nicht schaden, einen Blick in die langfristigen Entwicklungspläne der Region zu werfen, bevor die Bagger vor dem Gartenzaun stehen. Die Gesamtkonzeption des Regionalplans Ruhr war sinnvoll und notwendig, da sich hierdurch erstmals seit 1966 wieder die Chance geboten hat einen einheitlichen Regionalplan für die Metropole Ruhr aufzustellen.

Erster gemeinsamer Plan seit 1966

Der RVR wagte sich somit an die Herausforderung heran, nach langer Zeit – der letzte Gebietsentwicklungsplan war noch für den Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk – alle einzelnen Teil-Regionalpläne, die im Gebiet aus unterschiedlichen Jahren nach 1966 angefertigt worden sind, in eine einheitliche Planung zu werfen. Wer jetzt den vorangegangenen Satz noch einmal lesen musste, um zu verstehen, was bei dieser Planung vor sich geht, bekommt einen kleinen Eindruck davon, wie komplex die Materie ist – und leider auch wie wenig fassbar für den Laien. Trotzdem sei ein Erklärungsversuch gewagt. Tönnes: „Die Ziele und Grundsätze eines solchen Planes zu entwickeln muss nicht nur rechtliche Richtlinien, wie aus dem Landesentwicklungsplan, berücksichtigen.“ Dort geht es um die bedarfsgerichtete Entwicklung der Kommunen. Sondern es gehe auch darum, die kommunalen Eigenheiten zu berücksichtigen. Die Themenbereiche für die Gesamtkonzeption sind vielfältig, es geht um Wohnen, Verkehrsführung Naturschutz und auch Gewerbeflächen, deren Erfassung und Entwicklung für die kommenden Jahre im Regionalplan zusammengeführt wird.

Pläne einsehen, bevor der Bagger am Gartenzaun steht

Ein Grund mehr, schon früh einen genauen Blick auf die Pläne zu werfen und zu überlegen, wie etwa ausgewiesene Gewerbeflächen für die Ansiedlung von Firmen genutzt werden können. Für den Kreis Unna passiere dies schon ganz vorbildlich durch eine gemeinsame interkommunale Stelle, betont Tönnes, der andere Kreise mit größeren Vermittlungsproblemen kennt. Im Kreis Unna gibt es die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna (WFG). Die macht – vereinfacht – folgendes: Die WFG kann im gesamten Kreisgebiet Flächen an Gewerbetreibende vermitteln, die sich hier ansiedeln wollen. Damit die WFG auch weiß, wie viel Gewerbefläche in welcher Kommune noch vermittelt werden kann, schaut sie in den Regionalplan und sieht zum Beispiel in Bergkamen sind noch 30,5 Hektar Reserve vorhanden, aus dem bestehenden Flächennutzungsplan gibt es sogar in diesem Fall noch 2,9 Hektar, die dazukommen und aus dem neuen Regionalplan noch einmal 2,9 Hektar. Dementsprechend kann die Kommune Bergkamen insgesamt 37,4 Hektar Gewerbeflächen vermarkten.

Flexible Anpassung des Plans ist auch in Zukunft noch möglich

Weil auch im aktuellen Plan nur von Prognosen für die Entwicklung der Region ausgegangen wird, sei der Regionalplan Ruhr alles andere als in Stein gemeißelt, betont Tönnes. Alle drei Jahre wird ein detaillierter Flächenplan angefertigt, RuhrFIS genannt. FIS heißt Flächeninformationssystem. Damit soll auf Entwicklungen, die jetzt noch nicht absehbar sind flexibel reagiert werden können. „Wenn Bergkamen den absoluten Gewerbebauboom erlebt und die Flächen sind in zwei Jahren vermarktet“, baut Tönnes ein Beispiel. „Können wir da ganz gezielt hinschauen und auch Flächen für die entsprechende Nutzung nachwidmen.“ Abschließend die Frage zu beantworten, was ist alles drin im Regionalplan Ruhr, geht somit am besten mit der Antwort: „So grob, eigentlich alles.“ Bei der genauen Umsetzung in den Kommunen hält sich der RVR aber raus.

Der Regionalplan legt die Grundsteine für die planerische Zukunft der Region für die nächsten 20 bis 25 Jahre. Nach dem Plan können die Kommunen 115.000 neue Wohnungen bauen und 5400 Hektar Gewerbeflächen vermarkten. Nach Schätzungen genug für 195.000 neue Arbeitsplätze. Besonders hinsichtlich der Planung der Gewerbeansiedlungen können die Kommunen dabei mitarbeiten und etwa über die Stadtgrenzen hinweg Kooperationen eingehen. Darüber hinaus umfasst der Plan rund 90.000 Hektar Waldflächen und 216.000 Hektar Freiraum- und Agrarbereiche. Mit 108.000 Hektar regionalen Grünzügen sind auch Räume für Erholung und Freizeit im Plan erfasst. Diese grünen Lungen der Region übernehmen eine wichtige Funktion auch in der Klimaregulierung für die angrenzenden Siedlungsräume. 84.000 Hektar Naturschutzgebiet sind ausgewiesen. Am besten lässt sich die Vielfältigkeit des Regionalplans anhand der zehn definierten Themenfelder erkennen, die da heißen: Wohnen, Wirtschaft, großflächiger Einzelhandel, Mobilität, Freiraum- und Landschaftsentwicklung, Tourismus und Freizeit, Kulturlandschaften, Klimaschutz/Klimaanpassung, Bildung und Wissenschaft, Regional Governance/Netzwerkmanagement. Der Plan umfasst im Groben somit eigentlich alles. Einsichtnahme ist im Kreishaus in Unna, Friedrich-Ebert-Str. 17, im Raum B.205, bis zum 27. Februar möglich. Öffnungszeiten: Mo bis Do: 8 16:30 Uhr Fr 8 bis 12:30 Uhr
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