Die Eurobahn erläutert ihr Dilemma - neue Züge sollen bald kommen

Verspätungen und Ausfälle

Zu wenig Plätze und unpünktlich: Der Ärger über die Eurobahn ist groß. So groß, dass der zuständige Zweckverband NWL eine Abmahnung ausgesprochen hat. Nun hat sich das Unternehmen erklärt.

Lünen, Werne, Capelle, Ascheberg

, 14.12.2018, 14:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Eurobahn erläutert ihr Dilemma - neue Züge sollen bald kommen

Fünf Züge vom Typ Flirt 3 hat die Eurobahn angeschafft - es hakte bis jetzt an der Zulassung. Mitte nächster Woche sollen die Fahrzeuge dann eingesetzt werden. © Eurobahn

Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe hat die Eurobahn für sämtliche Strecken abgemahnt. Bis April hat das Unternehmen Keolis nun Zeit, seine Probleme in den Griff zu bekommen - sowohl auf der Schiene als auch im Management. Am Freitag (14. Dezember) erklärte der Eurobahn-Betreiber, die Verantwortung für die Abmahnung zu übernehmen: „Wir prüfen bereits kritisch unsere eigenen Abläufe, um nicht nochmals in diese prekäre Situation zu geraten“, wird Keolis-Geschäftsführer Magali Euverte in einer Pressemitteilung zitiert.

Im Gespräch mit unserer Redaktion erläuterte Keolis-Sprecherin Nicole Pizzuti zudem, wie es überhaupt zu den Problemen kommen konnte. Nachdem bei einer Kontrolle eines Triebfahrzeugs ein Problem mit dem Radsatz aufgefallen war, habe man die gesamte Flotte in die Werkstatt geholt: „Der Radsatz spielt bei der Sicherheit eine große Rolle. Wenn bei einem Fahrzeug etwas kaputt ist, können wir das nicht so behandeln wie einen defekten Scheibenwischer“, so Nicole Pizzuti.

Radsatz-Herstellung dauert

Entsprechend seien die mehr als 40 Fahrzeuge geprüft und die Radsätze ausgetauscht worden. „Das hat uns unvorbereitet getroffen. Einen Radsatz kann man nicht wie ein Schraubenset nachbestellen. Wir melden das dem Hersteller, der dann individuell produziert. Das dauert eine Zeit.“ Also hätte man auf mehreren Strecken - inklusive der Linie RB50 zwischen Dortmund und Münster - mit geringerer Kapazität fahren müssen.

Hinzu kam ein weiteres unvorhergesehenes Problem: Flachstellen, also Abnutzungserscheinungen an den Rädern. „Da ist ja die ganze Branche von betroffen, aber bei uns kam das eben obendrauf“, sagt Nicole Pizzuti. Wenn es dann noch drei Unfälle an unsicheren Bahnübergängen gibt, wird es eng: „Auch wenn wir an den Unfällen nicht schuld waren, sind die Fahrzeuge kaputt und müssen erstmal repariert werden.“

98 Prozent Pünktlichkeit

Die Strecke zwischen Dortmund und Münster nimmt nochmal eine Sonderstellung ein, sagt die Sprecherin. Aufgrund von Hitzeschäden können die Züge statt mit 160 über mehrere Kilometer nur noch mit 70 Stundenkilometern fahren. „Das holt man nicht mehr auf“, stellt Nicole Pizzuti fest. Immerhin: Seitdem der Fernverkehr von der Deutschen Bahn umgeleitet wird, stimmt laut Keolis auch die Pünktlichkeit: „Am ersten Tag hatten wir 91 Prozent, mittlerweile 97 bis 98 Prozent.“ Ab Mitte nächster Woche sollen dann auch endlich die neuen Wagen vom Typ Flirt 3 zugelassen sein, das bedeutet nochmal 110 Sitzplätze mehr. „Spätestens dann haben wir auf dieser Strecke auch kein Kapazitätsproblem mehr“, ist die Sprecherin überzeugt.

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Das würde die verärgerten Pendler wohl milde stimmen. Den Vorwurf der mangelhaften Fahrgastinformation weist Nicole Pizzuti allerdings von sich: „Wenn ein Zug verspätet ist oder ausfällt, kommunizieren wir das auf unseren Kanälen.“ Das sind die Homepage und vor allem der Twitter-Kanal. „Wir geben die Info auch an die Deutsche Bahn. Doch was davon letztlich an den Bahnhöfen durchgegeben wird, können wir nicht steuern“, so die Sprecherin. Sie fügt aber hinzu: „Eigentlich klappt das auch ganz gut.“

Krankmeldungen als Unsicherheitsfaktor

Glaubt man Nicole Pizzuti, könnte einzig der Winter der Eurobahn jetzt noch einen Strich durch die Rechnung machen: „Auch bei uns herrschaft Fachkräftemangel. Wenn sich mehrere Leute krankmelden, ist irgendwann ein geregelter Betrieb nicht mehr möglich.“ Keolis beschäftigt 330 Triebfahrzeugführer, 29 mehr als zum Jahresbeginn.

Der Aufforderung des Zweckverbands NWL, das eigene Management mit Hilfe eines externen Gutachters zu prüfen, will Keolis ebenfalls nachkommen: „Wir begrüßen die Entscheidung. Die Vergangenheit zeigte, dass ein Auditor eine sachliche und neutrale Aufnahme von Betriebs- und Umsetzungsabläufen vornimmt“, so Magali Euverte. „Jedes Ergebnis kann helfen, das Unternehmen weiterzuentwickeln.“
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