Der Schlüssel zum Fachkräftemangel ist Qualifizierung

dzBeschäftigung im Kreis Unna boomt

Die Beschäftigungszahlen sind gut, im Vergleich zum Vorjahr sind sie um 5500 gestiegen. Das klingt nach Hochkonjunktur, der größte Fehler wäre jetzt, sich auf den Zahlen auszuruhen.

Kreis Unna

, 24.07.2018, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es darum geht, die Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Unna zu präsentieren, könnte man meinen, dass den Beteiligten in Personen von Michael Makiolla, Thomas Helm und Michael Dannebom so langsam die Superlative ausgehen. Denn auch in diesem Jahr können Landrat, Chef der Agentur für Arbeit Hamm und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung für den Kreis Unna äußerst erfreuliche Statistiken präsentieren. Es gibt 5529 mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Kreis Unna als noch im Vorjahr, die Arbeitslosigkeit sank um 10,49 Prozent auf eine Quote von aktuell 7,1 Prozent.

Kreis Unna holt auf

Damit stehe man zwar immer noch schlechter da, als der NRW-Durchschnitt von 6,7 Prozent, aber die Beschäftigungsentwicklung sei deutlich stärker. Gerade im Vergleich zum benachbarten Ruhrgebiet zeigt sich, dass der Kreis Unna gerade in den vergangenen zehn Jahren ordentlich aufgeholt hat. Dieser „Beschäftigungsboom“, wie Helm die Entwicklung nennt, bringe jedoch auch Probleme mit sich. Passend dazu sagt Christian Scholz, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Unna: „Die größten Fehler kann man immer dann machen, wenn es gut läuft.“ Damit meint er, dass gerade in Zeiten der Hochkonjunktur auf dem Arbeitsmarkt nicht versäumt werden darf, an die Aus- und Weiterbildung zu denken. Die Beschäftigtenstruktur im Kreis Unna zeigt nämlich, dass es im Landesvergleich weniger Höherqualifizierte und mehr Helfer gibt. In NRW macht der Helferanteil 16 Prozent aus, im Kreis Unna 20 Prozent. In diese Gruppe gelte es nun zu investieren, durch gezielte Fort- und Weiterbildung, durch Teilqualifizierung, Umschulung und auch durch Förderung bereits während der Ausbildung. Helm: „Der Schlüssel zum Fachkräftebedarf ist Qualifizierung.“

Gerade für den Wiedereinstieg ins Berufsleben sei der „Helferarbeitsmarkt“ im Kreis Unna gut geeignet. „Da sind nun auch die Betriebe gefragt, durch Weiterbildungsmaßnahmen im besten Falle ihren eigenen Fachkräftebedarf decken zu können. Das wird alles gefördert, man muss es nur tun“, bringt Thomas Helm es auf den Punkt.

Sorgenkind: Pflege

Ein Berufsfeld mit besonders großen Personalproblemen ist im Kreis Unna die Fachkraft Altenpflege. Gerade dort sind Fachkräfte Mangelware, bleiben die Stellenangebote besonders lange im System. Aber auch Berufskraftfahrer und Fachkräfte in der Gastronomie sind dringend gesucht. Bei den Kraftfahrern steht die Theorie im Raum, ob sich immer weniger junge Menschen nicht allein deshalb dazu entschließen können, diesen Beruf zu ergreifen, weil die Bedingungen derzeit – überfüllte Straßen und Rastplätze – so katastrophal seien, sondern sich die Befürchtung abzeichnet, durch selbstfahrende Fahrzeuge in naher Zukunft als menschlicher Faktor obsolet zu sein.

Nichtsdestotrotz besteht derzeit Bedarf. Auch wenn technologische oder gesellschaftliche Entwicklungen in Zukunft Auswirkungen auf eine Branche haben werden, muss sich der Beschäftigte darauf verlassen können, durch Weiterbildungsmaßnahmen gut darauf vorbereitet werden zu können. Denn die Anforderungsprofile für Beschäftigte werden sich auch in Zukunft ständig ändern.

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