Die Vorbereitungen auf das Orkantief Sabine laufen auf Hochtouren. Immer mehr Städte entscheiden sich, auf den Montagsunterricht zu verzichten. Bei der Bahn zeichnen sich erhebliche Störungen ab.

Kamen

, 08.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Verlassen Sie bei Sturm die schützenden Räume nicht und schalten Sie das Radio zur weiteren Information ein. Wenn Sie sich im Freien aufhalten müssen, meiden Sie die Nähe von Gebäuden, Gerüsten, hohen Bäumen und Strommasten!“ Im Angesicht des ruhigen Wetters am Samstag klingen die Empfehlungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) noch sehr weit weg.

Am Sonntag könnte sich das schlagartig ändern.

Der DWD bestätigte am Samstag seine Wetterprognose für Sonntag. „Am Sonntag erreichen uns im Tagesverlauf die Ausläufer eines Orkantiefs mit Kern bei Island und bringen über Deutschland eine schwere Sturmlage“, so Meteorologe Stefan Külzer.

Das bisher wetterbestimmende Hochdruckgebiet wandere unter Abschwächung nach Osteuropa. Am Sonntag werde von Nordwesten aufkommender schwerer Sturm erwartet. Höhepunkt in der Nacht zum Montag mit orkanartigen Böen und Orkanböen mit Windstärken zwischen elf und zwölf Beaufort. Das sind Geschwindigkeiten von 110 bis 120 Stundenkilometer.

Bei der Bahn: Erhebliche Störungen erwartet

Das Verkehrsunternehmen „National Express“, das auf Bahnstrecken in der Region verkehrt, hat nach eigenen Angaben vom Samstagnachmittag bereits „erste Vorkehrungen getroffen, um möglichst gut auf verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein“. Ein Herabsetzen der Geschwindigkeiten der verkehrenden Züge sei sehr wahrscheinlich. „Unpünktliche Züge, Abweichungen vom Fahrplan und einzelne Zugausfälle wären mögliche Folgen.“ Auch eine Einstellung des Betriebs durch DB Netz sei nicht ausgeschlossen. Eine planmäßige Aufnahme des Betriebes am Montagmorgen sei nach derzeitigem Stand recht unwahrscheinlich.

In den Schulen: Immer mehr Städte verzichten auf Unterricht

An dem Montag können Eltern im Kreis Unna selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule gehen lassen, falls der Schulweg unsicher erscheint.

Die Stadt Bergkamen meldete Samstagmittag, dass der Unterricht an allen Bergkamener Schulen ausfallen wird. Auch in Fröndenberg entschieden sich die Schulen dafür, den Unterricht ausfallen zu lassen. Für eine Betreuung ist in beiden Städten gesorgt.

Nicht überall soll Unterricht ausfallen: In Holzwickede entscheiden wie in Kamen die Schulleitungen unterschiedlich. Die größte Verantwortung liegt somit bei den Eltern. Diese Haltung galt auch für Unna bis zum Samstagnachmittag, 16.15 Uhr. Dann fiel auch dort die Entscheidung der Stadt als Schulträgerin, den Unterricht gesamtheitlich abzusagen.

Orkantief Sabine: Erhebliche Bahnstörungen erwartet, viele Schulen Montag geschlossen

Der Orkan Kyrill hat im Jahr 2007 in der Kamener Innenstadt deutliche Spuren hinterlassen: Diese Tanne wehte der Sturm an der Straße Reckhof um. © Stefan Milk

Bei der Feuerwehr: Extra-Arbeitsplätze nur für Sturmeinsätze

Der Kreis Unna, so die Prognose der Meteorologen, wird auf jeden Fall betroffen sein. Die Feuerwehren bereiten sich auf verstärkte Einsätze in einer sogenannten „Flächenlage“, wie es im Behördendeutsch heißt, vor. „Das bedeutet, dass nicht nur ein Standort betroffen ist, sondern alle Städte und Gemeinden im Kreis“, erläutert Kreisbrandmeister Thomas Heckmann.

Bis zu 13 Plätze gibt es in der Leitstelle an der Florianstraße, wo die Notrufe eingehen. Sie teilen sich auf in acht herkömmliche Dispositionsplätze und fünf sogenannte Überlaufplätze, die bei intensiven Einsatzlagen zusätzlich genutzt werden können.

Wichtig ist, dass auch bei den Feuerwehren der Städte und Gemeinden Extra-Plätze nur für die Annahme von Sturmeinsätzen gibt. „Das ist ein abgesetzter Arbeitsplatz, wo nur diese Einsätze abgearbeitet werden“, so Heckmann. Hintergrund: „Die Feuerwehren müssen ja möglicherweise auch andere Einsätze bearbeiten. Es kann ja auch einen Wohnungsbrand geben. Dafür müssen wir bereit sein.“

Jede Feuerwehr, so Heckmann, habe an einem seiner Standorte derlei Arbeitsplatz mit dem sogenannten „Unwetter-Client“, einer gesonderten Computer-Anwendung, eingerichtet. Beispielsweise die Bergkamener Feuerwehr in Rünthe, die Bönener in Nordbögge und die Fröndenberger am Standort Mitte. Alles, was mit Bäume sägen und Wasser abpumpen zu tun hat, landet dort.

Orkantief Sabine: Erhebliche Bahnstörungen erwartet, viele Schulen Montag geschlossen

Bei schweren Sturmböen ein Kampf mit dem Regenschirm. Der Deutsche Wetterdienst rät, sich bei dem angekündigten Orkan vorsichtig zu verhalten. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Beim Bauhof: Bereitschaftszeiten ausgeweitet

Auch die städtischen Bauhöfe sind für Sonntag und Montag verstärkt in Alarmbereitschaft. Wie die sogenannten Servicebetriebe des städtischen Bauhofs an der Gutenbergstraße in Kamen. Dort ist der Bereitschaftsdienst, der im Winter normalerweise um 4 Uhr morgens beginnt und um 21 Uhr endet, ausgeweitet worden. „Er gilt jetzt über 24 Stunden - von Sonntag, 7 Uhr, bis Montag, 7 Uhr“, wie Stadtsprecher Peter Büttner auf Anfrage der Redaktion mitteilte.

15 Kräfte können zur Verkehrssicherung ausrücken, wenn beispielsweise Äste auf der Straße liegen, Schilder umgekippt sind oder Absperrbaken sich verschieben.

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Zur eigenen Sicherheit: Bei Sturm nicht nach draußen gehen

Der Deutsche Wetterdienst gibt Empfehlungen, wie man sich bei Sturm und Orkan verhalten soll, um sich nicht zu gefährden. „Achtung: Die meisten Todesfälle bei Sturm werden durch herabfallende Trümmer oder herumfliegende Gegenstände verursacht“, heißt es auf der Homepage des DWD. „Dächer oder Teile davon können abgedeckt, Bäume, Strommasten, Antennen und ähnliches von der Gewalt des Windes geknickt werden“, so die Wetterexperten. Gegenstände, die dem Wind eine große Angriffsfläche bieten - wie beispielsweise überwinternde Markisen, Partyzelte, Sonnenschirme, leichte Überdachungen - könnten durch die Böen aus ihrer Verankerung gelöst werden.

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Nach dem Sturm: Erst dann aufräumen

Deswegen sollten in Warnsituationen, wie sie für die Nacht auf Montag besteht, Gerüste, Werbetafeln, Antennenanlagen, Markisen, Abdeckplatten und Abdeckplanen fest verankert sein. Fenster, Türen und Dachluken im Haus sollten geschlossen sein. „Fahrzeuge sind nicht in der Nähe von Häusern oder hohen Bäumen zu parken“, heißt es. Und „Beginnen Sie die Aufräumarbeiten erst nach Ende des Sturmes. Achten Sie dabei auf ausreichenden Abstand zu möglicherweise einsturzgefährdeten Bauten sowie zu abgerissenen Stromleitungen.“

Schulausfall in Bergkamen gilt für alle dortigen Schulen

Wegen der angekündigten Auswirkungen und möglichen Gefahren auf dem Schulweg, fällt der Unterricht in Bergkamen am Montag aus. Fröndenberg und Unna zogen am Samstagnachmittag nach.

Die Stadtverwaltung Bergkamen hat Kontakt zu allen Bergkamener Schulen mit dem dringenden Hinweis aufgenommen, den Unterricht am kommenden Montag ausfallen zu lassen. „Mittlerweile haben alle Schulen signalisiert, den Unterrichtsbetrieb am Montag einzustellen“, meldete Sprecher Karsten Quabeck. Eine Versorgung derjenigen Schüler, die am Montag trotz der deutlichen Hinweise zur Schule kommen, sei dennoch gewährleistet. Gleiches gelte für die Offenen Ganztagschulen. Zur weiteren allgemeinen Info gab die Stadt den Link zu den Seiten des Ministeriums weiter: https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.schulministerium.nrw.de&data=01%7C01%7Cbergkamen%40hellwegeranzeiger.de%7C2250329a58b84ae0c49008d7ac83a8ae%7C5878a40647e24be0a961fb8d16d0f116%7C0&sdata=NYRmUys%2FkDshN3YbE9w8p0k3EOzU6eJMvzIvl7VmqzI%3D&reserved=0
Auch an den anderen Schulen des Kreises, wo der Unterricht nicht abgesagt wurde, gilt die Aussage, dass die Eltern selbst entscheiden können, ob sie ihre Kinder am Montag zur Schule schicken.

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