Der Eichenprozessionsspinner macht Schlagzeilen: Überall im Kreis Unna werden Nester gesichtet. Was Sie über das ursprünglich seltene Insekt und seine gefährliche Raupe wissen müssen.

Unna

, 17.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Verunsicherung ist groß. Nach immer neuen Meldungen über Nester von Eichenprozessionsspinnern stellt sich vielen die Frage, was es mit der vermeintlichen Plage infolge von Massenvermehrungen auf sich hat. Hier lesen Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

? Was genau ist eigentlich der Eichenprozessionsspinner?

Ein Schmetterling. Er gehört zu den Nachtfaltern, die umgangssprachlich auch als Motten bezeichnet werden. Seine Flügelspannweite beträgt rund 25 bis 30 Millimeter, er fliegt von Ende Juli bis Anfang September. Seinen Namen erhielt das Insekt, weil seine Raupen aus ihren Nestern in langen Kolonnen auf Nahrungssuche gehen – eben wie bei einer Prozession.

? Und wo kommt das Tier her?

Der Eichenprozessionsspinner ist in Deutschland heimisch. Die ursprünglich seltene Insektenart bevorzugt Wärme, wodurch sich auch die zunehmende Verbreitung erklärt. Begünstigt durch das milder werdende Klima breitet sich das Tier seit den 1990er-Jahren nämlich immer weiter aus. Mittlerweile sind nahezu alle Bundesländer betroffen. Nach vielen heißen Sommern und milden Wintern seit 2003 ist nun auch im Kreis Unna eine Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners zu beobachten.

? Warum bekommen die Behörden das Problem nicht in den Griff?

Erstens: Jedes Weibchen legt mehr als 150 Eier. Und zwar – zweitens – gut getarnt im Kronenbereich junger Bäumer. Das macht insbesondere die vorsorgliche Bekämpfung schwierig. Noch dazu waren die Wetterbedingungen für die Entwicklung der Tiere zuletzt sehr günstig: Milde Frühjahrsmonate und trockene, windschwache Spätsommer begünstigen die Massenvermehrung; deshalb hat die Population des Eichenprozessionsspinners 2019 im Vergleich zu 2018 nochmal deutlich zugenommen.

? Wovon genau geht eigentlich die Gefahr aus?

Das Problem sind die Raupen, die ab Ende Mai sogenannte „Brennhaare“ zum Schutz vor Fressfeinden entwickeln – und zwar jeweils rund 600.000. Von eben diesen giftigen, mit Widerhaken versehenen Härchen geht eine große gesundheitliche Gefahr für Menschen und Tiere aus. Sie führen innerhalb von 24 Stunden nach Hautkontakt zu Pusteln und Ausschlag, können in selteneren Fällen aber auch Atembeschwerden, Atemnot, Augenreizungen und sogar einen allergischen Schock auslösen.

? Wo ist die Gefahr besonders groß?

In und an Wäldern, aber auch an Sport- und Campingplätzen, in Freibädern und auch Kinderspielplätzen – eigentlich überall dort, wo auch Eichen stehen. Besonders aufpassen sollten also Anwohner von Waldgebieten mit Eichen, Arbeitskräfte von Frost- und Landschaftspflegebetrieben sowie Straßenmeistereien, Halter von Haus- und Nutztieren und alle, die sich regelmäßig im Freien aufhalten.

? Wie kann man sich schützen?

Am wichtigsten ist: Befallene und gegebenenfalls abgesperrte Gebiete meiden und weder Raupen noch Gespinst berühren. Wer sich in befallenen Gebieten aufhalten muss, sollte seine Haut so gut wie möglich bedecken – insbesondere auch Nacken, Hals, Arme und Beine. In der Nähe befallener Bäume sollte man sich keinesfalls ins Gras setzen; und so lange Raupennester des Eichenprozessionsspinners erkennbar sind, sollte man auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen verzichten.

? Was ist zu tun, wenn man mit den giftigen Raupenhärchen in Kontakt gekommen ist?

Sofort duschen und Haare waschen sowie die Augen mit viel Wasser spülen; und die Kleidung bei 60 Grad mit viel Wasser waschen. Treten stärkere gesundheitliche Beschwerden auf, sollte unbedingt ein Arzt mit dem Hinweis auf einen möglichen Kontakt konsultiert werden. Der kann die Symptome gegebenenfalls mit Medikamenten lindern.

? Was ist bei einem Befall zu tun?

Grundsätzlich handelt es sich um ein natürliches Phänomen; an Stellen mit viel Publikumsverkehr sollten Nester jedoch fachgerecht beseitigt werden, um das Kontaktrisiko zu reduzieren. Das gilt insbesondere an Schulen und Kindergärten, in Schwimmbädern, Freizeitanlagen und auf Zeltplätzen. Wer ein Nest entdeckt, sollte sich an das zuständige Ordnungsamt der Stadt oder Gemeinde wenden – und die Bekämpfung ausschließlich spezialisierten Fachfirmen überlassen.

? Wann ist die Gefahr vorbei?

Die Falter schlüpfen ab Ende Juli. In befallenen Gebieten bleibt die Kontaktgefahr aber auch über Jahre noch bestehen. Die äußerst zerbrechlichen Härchen sind nämlich auch dann giftig, wenn sie von den Raupen brechen und vom Wind mitunter über weite Strecken durch die Luft transportiert werden. Das bedeutet auch: Brennhaare, die an Larvenhäuten in Nestern zurückbleiben oder unterhalb befallener Bäume am Boden liegen, können noch lange gesundheitliche Probleme auslösen. In einem Merkblatt der Stadt Unna ist von „bis zu einem Jahr“ die Rede, in anderen Publikationen von mehreren Jahren.

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