Coronavirus: Zahnärzten fehlt Schutzkleidung – nur noch dringende Fälle werden behandelt

dzInfektionsschutz

Kaum ein Arzt kommt seinen Patienten so nah wie ein Zahnarzt. Die Zahnärzte fürchten, dass ihre Praxen zur Corona-Infektionsquelle werden könnten. Sie fühlen sich allein gelassen.

Bergkamen

, 26.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeiten sind in der Corona-Krise auch beim Zahnarzt andere, das ist auf den ersten Blick zu sehen. Schon am Eingang der Praxis steht ein Spender für Desinfektionsmittel, neben dem eine Tafel Patienten bittet, sich doch die Hände zu desinfizieren.

Zahnärzte und Helferinnen tragen Atemschutzmasken, die Frau an der Rezeption bittet, Abstand zu wahren, während der Patient die Krankenkassenkarte herüberreicht – und es geht nicht ins Wartezimmer, sondern gleich in den Behandlungsstuhl.

Wenn mehr Patienten kommen, müssen sie im Auto warten. Patienten mit Erkältungssymptomen kommen erst gar nicht in die Praxis, erklärt ein Bergkamener Zahnarzt. Sie müssen erst mit dem Hausarzt klären, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind.

Ein Zahnarzt erläutert an seiner Praxistür auf diesem Schild seinen Patienten, dass nur noch unmittelbar notwendige Behandlungen durchgeführt werden.

Ein Zahnarzt erläutert an seiner Praxistür auf diesem Schild seinen Patienten, dass nur noch unmittelbar notwendige Behandlungen durchgeführt werden. © Stefan Milk

Behandlung nur noch für die dringenden Fälle

Die Zahnärzte haben in der Corona-Krise ihre Vorkehrungen getroffen, sagt der Mediziner, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er hat allen Patienten abgesagt, die nicht dringend behandelt werden müssen. Termine zur Zahnprophylaxe und professionelle Zahnreinigung gibt es nicht mehr.

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Der Zahnarzt und seine Berufskollegen nehmen nur noch Patienten mit akuten Beschwerden wie Zahnschmerzen an. Außerdem setzt er bereits angefangene Behandlungen fort. „Ich kann ja dem Patienten nicht sagen: Komm‘ in einigen Monaten wieder, dann geht es weiter“, sagt er.

Die Zahnärzte wollen eine Schutzkleidung, die sie und ihre Patienten sicher vor einer Virusinfektion schützt.

Die Zahnärzte wollen eine Schutzkleidung, die sie und ihre Patienten sicher vor einer Virusinfektion schützt. © picture-alliance/ gms

Zahnärzte fordern Schutzkleidung

Die Zahnärzte klagen vor allem darüber, dass sie keine ausreichende Schutzkleidung haben, auch wenn sie sich geradezu pingelig an die Hygiene halten. Alle arbeiten mit Mundschutz und mit Einmal-Handschuhen. Alle Instrumente und die Behandlungsräume werden ständig desinfiziert. Trotzdem bleibt die Verunsicherung. „Schutzkleidung müsste zur Verfügung stehen“, sagt der Zahnarzt.

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Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe (ZÄKWL) in Münster stößt ins selbe Horn. Um die zahnärztliche Versorgung aufrecht zu erhalten, seien die Praxen „auf die persönliche Schutzausrüstung wie Handschuhe und Mundschutz und auf Desinfektionsmittel angewiesen“, heißt es in einer Pressemitteilung der ZÄKWL.

Diese Materialien seien am Markt zurzeit nicht mehr erhältlich. Landes- und Bundesgesundheitsministerien hätten Unterstützung zugesagt. „Eingetroffen sind diese Materialien bisher jedoch nicht“, beklagt die Zahnärztekammer. Der Zahnarzt formuliert es drastischer: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen.“

Praxen fürchten auch um wirtschaftliche Existenz

Die fehlende Schutzausrüstung ist nicht das einzige Problem, das die Zahnärzte belastet. Sie können ihre Praxis in der Regel noch nicht einmal schließen, wenn sie selbst verunsichert sind oder wenn Hygieneausstattung fehlt.

„Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen.“
Bergkamener Zahnarzt

Sie haben eine Versorgungspflicht und müssten eine Vertretung benennen, wenn sie schließen. Dazu sei aber kaum ein Kollege bereit, beklagt der Zahnarzt.

Hinzu kommt, dass viele Zahnmediziner befürchten, dass sie die Corona-Krise schnell vor finanzielle Probleme stellt. Dadurch, dass viele Patienten nicht mehr behandelt werden, fehlen einkalkulierte Einnahmen. Einige Zahnärzte haben einen Teil ihrer Mitarbeiter schon in Kurzarbeit geschickt oder stehen kurz davor.

Auch die ZÄKWL fürchtet um die Existenz der einen oder anderen Praxis. Sie fordert von der Politik eine finanzielle Absicherung der Zahnarztpraxen zur Sicherung ihrer Existenz- um die zahnärztliche Versorgung sicherzustellen und damit die Arbeitsplätze in den Praxen erhalten bleiben.

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