Ob Urlaubsguru, Aluwerk oder Bayer: Branchenübergreifend wirkt sich die Angst vor dem Coronavirus im Kreis Unna auf die Wirtschaft aus. Märkte verändern sich, manche Entscheidungen sind von Emotionen gesteuert.

Unna, Bergkamen, Holzwickede

, 12.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Tourismusbranche spürt die Auswirkungen durch das Coronavirus besonders stark – da macht das Holzwickeder Unternehmen Urlaubsguru keine Ausnahme. Der Dienstleister, der vor allem im Internet präsent ist, muss vor allem eins: schnell regieren.

Coronavirus sorgt für viele Fragen

„Der Zugriff auf unsere Seiten schwankt sehr und ist stark von der medialen Berichterstattung abhängig“, sagt Urlaubsguru-Geschäftsführer Daniel Krahn. Es gebe viele Rückfragen zum Thema Coronavirus.

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„Wir sind in engem Kontakt mit mehreren Instituten und haben auch eine Sendung mit einer Rechtsanwältin für Transportrecht gemacht, die aus Unna kommt“, erklärt Krahn, dass der Urlaubsguru möglichst umfassend aufklärt.

Damit alle Mitarbeiter gut über aktuelle Entwicklungen informiert seien, würden alle internen Kanäle genutzt. „Wir haben aktuell einen sehr großen Kommunikationsapparat“, sagt Krahn. Den Mitarbeitern sei es grundsätzlich freigestellt, ob sie Dienstreisen antreten wollen oder nicht. „Wir sind ja auch mit Kamerateams im Ausland unterwegs, waren zuletzt auf Teneriffa. Da kann jeder entscheiden, ob er das machen will oder nicht“, erklärt Krahn. Eine Absage habe keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

Urlauber haben Angst, Geld zu verlieren

Den Kunden gehe es bei ihren Anfragen weniger darum, ob sie sich mit dem Coronavirus anstecken könnten. „Die haben eher Angst davor, dass ihr Geld weg ist“, sagt Krahn. Weil viele Flüge ausfielen, müssten auch Urlaubsguru-Kunden immer wieder umgebucht werden. Die Infektionen in China hätten sich kaum ausgewirkt, das sei jetzt im Falle von Italien anders. „Wir merken das zum Teil auch für Spanien, etwa bei Madrid-Reisen“, so Krahn.

Wer die Internetseite des Urlaubsguru aufruft, wird eingeladen, an einer Umfrage zum Coronavirus teilzunehmen. Eine deutliche Mehrheit gibt dabei an, sich bei der Urlaubsplanung nicht beeinflussen zu lassen.

Wer die Internetseite des Urlaubsguru aufruft, wird eingeladen, an einer Umfrage zum Coronavirus teilzunehmen. Eine deutliche Mehrheit gibt dabei an, sich bei der Urlaubsplanung nicht beeinflussen zu lassen. © Marcel Drawe

Wer die Internetseite des Urlaubsguru aufruft, kann an einer Umfrage teilnehmen. Die Frage, ob das Coronavirus die Urlaubsplanung beeinflusse, beantworten laut Krahn rund 75 Prozent der Teilnehmer mit „Nein“, sagt Krahn. Bei einer fünfstelligen Teilnehmerzahl sei das Ergebnis durchaus relevant.

Keine Touren mehr vom Aluwerk nach Italien

Das Aluminiumwerk Unna stellt sich darauf ein, seine Abnehmer in Italien vorerst nicht mehr zu erreichen. „Seit diesem Montag geht nach Italien kein Lkw mehr raus“, erklärt Vorstand Volker Findeisen. „Normalerweise liefern wir mit Spediteuren, aber vermutlich würden wir zurzeit niemanden dafür finden.“

Stornierungen noch kein Thema

Stornierungen seien indes noch kein Thema. „Wir produzieren gemäß der Bestellungen, legen die Waren dann erst einmal auf Halde“, so Findeisen weiter. In vier bis fünf Wochen könnten die Bestellungen dann hoffentlich an die Kunden ausgeliefert werden.

Das Aluminiumwerk Unna liefert seine Produkte derzeit nicht nach Italien aus. Im ganzen Land herrscht wegen des Coronavirus Ausnahmezustand.

Das Aluminiumwerk Unna liefert seine Produkte derzeit nicht nach Italien aus. Im ganzen Land herrscht wegen des Coronavirus Ausnahmezustand. © Marcel Drawe

Eine Besonderheit des Aluwerks Unna ist, dass das Unternehmen inzwischen mehrheitlich in chinesischer Hand ist. Zusätzliche Probleme bringe dies in Zeiten von Corona jedoch nicht, erklärt Findeisen. Den bislang letzten Besuch von Vertretern des chinesischen Eigentümers Zhongwang habe es im Dezember gegeben, der nächste sei zur Hauptversammlung der AG im Sommer zu erwarten. Ansonsten geschehe der Austausch ohnehin über E-Mails und Videokonferenzen.

Entwicklungen in China machen Mut

Mut macht, dass China allmählich zum Alltag zurückkehrt. Nach der weit verbreitet freien Woche rund um das chinesische Neujahrsfest hätten noch zwei weitere Wochen die Fabriken still gestanden. Inzwischen gehe man aber wieder zur Arbeit. Im Aluwerk in Unna gibt es wie vielerorts Aushänge und zusätzliche Spende mit Desinfektionsmitteln.

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Das Aluwerk ist beispielgebend für den Kreis Unna. „Wir wissen, dass das Thema gerade die exportorientierten Unternehmen sehr beschäftigt“, verweist Gero Brandenburg, Pressesprecher der IHK zu Dortmund, auf die Ergebnisse einer Blitzumfrage der Kammer. Insofern scheinen die wegbrechenden Absatzmärkte ein größeres Problem zu sein als der ausbleibende Nachschub von Material aus China, Norditalien oder anderen besonders stark vom Coronavirus betroffenen Regionen.

Chemiepark mit Bayer-Werk in Bergkamen.

Chemiepark mit Bayer-Werk in Bergkamen. © Stefan Milk

Bei Bayer-Bergkamen läuft die Produktion

Auch im Bergkamener Bayer-Werk läuft die Produktion bisher ungestört, wie Werkssprecher Martin Pape auf Nachfrage berichtet. Allerdings hat der Konzern wie an allen seinen Standorten Maßnahmen ergriffen, die über die üblichen Hygiene-Richtlinien hinausgehen. So werden alle Meetings und Dienstreisen abgesagt, die nicht unbedingt notwendig sind. Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, öffnet außerdem die Kantine länger und führt Zeitfenster ein, damit nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig essen gehen.

Führungskräfte sollen keine gemeinsamen Termine absolvieren

Zudem sind besonders wichtige Mitarbeiter, etwas aus der Werksleitung angehalten, keine gemeinsamen Termine mehr mit ihren Stellvertretern zu absolvieren. Auf diese Weise will Bayer verhindern, dass im Falle einer Corona-Infektion alle Führungskräfte auf einmal ausfallen

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