Wer feststellt, dass er mit einem Coronavirus-Infizierten in Kontakt stand, erlebt mitunter ein Wechselbad der Gefühle. Eine 20-Jährige schildert, wie das Warten auf das Testergebnis ablief.

Unna, Kamen

, 10.04.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sabrina Müller (Name geändert) aus Schwerte hat eine Familienfeier in Kamen besucht. Als sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Teilnehmer mit dem Coronavirus infiziert ist, will auch die 20-Jährige sich einem Test unterziehen. Es beginnt eine bange Zeit des Wartens.

Durch ihren Freund, der auch auf der Feier war, erfährt Müller von dem Verdacht. Es ist der 12. März. Beide versuchen, Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufzunehmen. Es ist die Zeit, als die Behörde durch Tausende Anrufe überlastet ist. Der Ansturm ist inzwischen zurückgegangen.

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Testtermin am Telefon bekommen

„Nach einigen Telefonaten hatten wir endlich jemanden, der uns sagen konnte, dass wir erst jemanden am nächsten Tag ab 9 Uhr erreichen können“, schildert Müller rückblickend. Sie findet aber noch heraus, dass das das Amt doch erst ab 10 Uhr erreichbar sein soll. „Ab 10 Uhr? Und das bei der aktuellen Lage?“ fragt sie. Inzwischen ist die Hotline 0800/1020205 bereits früher erreichbar, montags bis donnerstags ab 8 Uhr.

Am Telefon bekommen Müller und ihr Freund, der auch ihr Arbeitskollege ist, einen Termin für einen Test genannt. „Natürlich standen wir ab dem Zeitpunkt sofort unter Quarantäne. Als wir mit dem Test fertig waren, bekamen wir ein Dokument für unsere Firma und die Info, dass wir Montagnachmittag, spätestens aber Dienstag, einen Anruf bekämen mit der Info, ob wir positiv oder negativ auf den Corona-Virus sind“, schildert Müller.

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Coronatest-Ergebnisse nicht auffindbar

Der Auszubildenden ist es wichtig, schnell an die Ergebnisse zu gelangen, um bei den Arbeitskollegen für Klarheit zu sorgen. Deshalb versuchen sie und ihr Freund bereits Montagmorgen, das Gesundheitsamt zu erreichen. „Bei diesem Telefonat wurde uns lediglich unfreundlich gesagt, dass wir an der falschen Stelle wären und man uns keine Ergebnisse mitteilen könne“, schildert Müller.

Am Dienstagmorgen versuchen sie es erneut, bekommen aber niemand ans Telefon. Es sei auch kein Anruf gekommen, erst am Mittwochmorgen. Müller und ihr Freund erfahren, „dass unsere Testergebnisse nicht auffindbar wären. Dann wurde der Herr am Telefon sogar noch frech und fragte uns, ob wir überhaupt einen Test beim Gesundheitsamt Unna gemacht hätten.“

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Zeit der Ungewissheit bis zum Testergebnis

Schließlich bekommt das junge Paar doch noch das Testergebnis: negativ, also keine Infektion. Die Erleichterung ist groß. Inzwischen ist auch die Quarantäne ausgelaufen. Doch über den langsamen Informationsfluss ist Müller immer noch verärgert. „Wir finden es eine Unverschämtheit, wie wenig sich darum gekümmert wird. Wie kann es sein, dass das so lange dauert? Das man so lange auf sein Testergebnis warten muss? Das man so lange seine Familien und Arbeitskollegen im Ungewissen lassen muss? Das man selbst so lange mit der Ungewissheit leben muss? Das man niemandem mitteilen kann, was jetzt wirklich ist? Es kommt uns nicht so rüber, als wolle man den neuartigen Virus schnellstmöglich eindämmen und besiegen.“

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Oberste Priorität: Kontaktpersonen ermitteln

Das sind harte Vorwürfe, denen Gesundheitsdezernent und Krisenstabsleiter Uwe Hasche entgegentritt. Ohne zu dem Einzelfall Stellung zu nehmen, äußert er sich grundsätzlich zu den aufgeworfenen Fragen. „Ich habe Verständnis für die Unzufriedenheit“, sagt er. Es konnte passieren, dass die Benachrichtigung bei negativen Testergebnissen länger dauert. Hasche bittet seinerseits um Verständnis: für die Abläufe beim Kreisgesundheitsamt, die sich nach Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts richten, und für die Ausnahmesituation, in der sich die Behördenmitarbeiter während der Pandemie befinden.

Oberste Priorität hat es, die Kontaktpersonen aller positiv getesteten Personen schnellstmöglich zu ermitteln und zu isolieren, sobald das Amt von einem positiven Test erfährt. „Das ist ein Geschäft, dass teilweise bis spät abends geht“, sagt Hasche. „Sachen, die nicht zeitkritisch sind, werden hinten angestellt.“ Wenn das Testergebnis auf sich Warten lässt, ist das also eher ein Zeichen dafür, dass er negativ ist.

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Seit Müllers Erlebnissen ist einige Zeit vergangen. Die Behörden, aber auch die Hausärzte, die eigentlich für Tests zuständig sind, haben dazugelernt. Die Kassenärztliche Vereinigung hat, wie es ihre Aufgabe ist, nach Schwerte und Lünen nun auch in Unna eine Teststelle am Katharinen-Hospital eingerichtet. Damit konnte eine provisorische Teststelle im Kreisgesundheitsamt geschlossen werden.

Häufig gestellte Fragen und Antworten rund um den Fall einer Coronavirus-Infektion gibt es unter www.kreis-unna.de/corona.
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