Coronavirus: Warum die Bürger vom Gesundheitsamt nicht alles erfahren

Fragen und Antworten

Das tägliche Coronavirus-Update des Kreises Unna liefert Zahlen, die viele Bürger interessieren. Doch einige Daten bleiben selbst auf Nachfrage unter Verschluss. Warum das so ist, erklären wir in Fragen und Antworten.

Kreis Unna

, 01.04.2020, 13:39 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wie viele Menschen sind erwiesenermaßen infiziert? Das gibt das Kreisgesundheitsamt täglich heraus. Wie viele Menschen sind in Quarantäne? Das wird nicht gesagt.

Wie viele Menschen sind erwiesenermaßen infiziert? Das gibt das Kreisgesundheitsamt täglich heraus. Wie viele Menschen sind in Quarantäne? Das wird nicht gesagt. © Carsten Fischer

? Wie viele Menschen sind mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert?

Das Kreisgesundheitsamt in Unna veröffentlicht täglich eine Corona-Statistik. Darin steht zum Beispiel, wie viele laborbestätigte Infektionen an dem Tag hinzugekommen sind. Nicht bekannt ist, wie viele Menschen insgesamt im Kreis Unna mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verwies in einer WDR-Bürgerfragestunde auf Mediziner, die annehmen, dass die Zahl der Menschen, die das Coronavirus ohne Symptome hätten, sieben- bis zehnmal höher liegen könnte als die offizielle Zahl. Hochgerechnet auf den Kreis Unna wären das statt 235 Fälle (Stand: 31. März) zwischen 1634 und 2350 Fälle.

? Wie erfährt das Kreisgesundheitsamt von den Infektionen?

Der Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung sowie der Tod mit Bezug auf eine Infektion sind meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz (Paragrafen 6 und 7). Bestimmte Personen wie beispielsweise Ärzte und Leiter von Altenheimen müssen Fälle an das Kreisgesundheitsamt melden.

? Wann muss ein Verdachtsfall gemeldet werden?

Der Verdacht auf Covid-19 ist laut Robert-Koch-Institut begründet, wenn bei Personen mindestens eine der beiden folgenden Konstellationen vorliegt: 1. Die Patienten haben akute Atemprobleme und Kontakt mit einem bestätigten Fall. 2. In einer medizinischen Einrichtung, einem Pflegeheim treten zwei oder mehr Lungenentzündungen auf, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist.

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? Wie melden Ärzte eine Infektion?

Die Annahme und Verarbeitung der Meldungen, die statt auf digitalen Wegen per Fax eingehen, erfordern beim Kreisgesundheitsamt viel Erfassungsarbeit und bürokratischen Aufwand. Nicht immer sind die gemeldeten Angaben vollständig, sodass eine Recherche erforderlich ist.

? Welche Informationen zum Infektionsfall erhält das Amt?

Das Robert-Koch-Institut listet folgende meldepflichtige Angaben auf, die das Kreisgesundheitsamt bekommen muss:

  • Name, Vorname, Geschlecht, Geburtsdatum
  • Adresse und weitere Kontaktdaten (z. B. Telefonnummer, E-Mail-Adresse)
  • Tätigkeit, Betreuung oder Unterbringung in einer Einrichtung, z.B. Krankenhaus, Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kita, Schule), Pflege- und Wohnheime, Gemeinschaftsunterkünfte, Gefängnisse
  • Diagnose oder Verdachtsdiagnose
  • Tag der Erkrankung, Tag der Diagnose, gegebenenfalls Tag des Todes und wahrscheinlicher Zeitpunkt oder Zeitraum der Infektion
  • wahrscheinliche Infektionsquelle, einschließlich der zugrunde liegenden Tatsachen
  • Ort, an dem die Infektion wahrscheinlich erworben worden ist
  • Überweisung, Aufnahme und Entlassung z. B. aus einem Krankenhaus, ggf. intensivmedizinische Behandlung und deren Dauer
  • Zugehörigkeit zur Bundeswehr bzw. Unterbringung in Einrichtung der Bundeswehr

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? Wozu dienen die gemeldeten Informationen?

Die Gesundheitsaufseher am Kreishaus in Unna verfolgen das Ziel, alle Menschen, die sich möglicherweise bei einem bestätigten Fall angesteckt haben, zu ermitteln. Dabei orientieren sie sich an Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Für die Kontaktpersonen wird dann häusliche Quarantäne zunächst mündlich durch die Gesundheitsaufseher und in der Folge schriftlich durch die Ordnungsbehörden der Kommunen angeordnet.

? Wie viele Menschen sind in Quarantäne?

Das veröffentlicht das Kreisgesundheitsamt nicht. Von den gemeldeten Daten bereitet der Kreis Unna nur einen Teil für die tägliche Corona-Statistik auf. Täglich neu gemeldet wird die

  • Gesamtzahl der Infizierten im Kreis Unna und in jeder Kommune
  • Zahl der neu Infizierten in jeder Stadt und im Kreis
  • Zahl der Infizierten, die stationär im Krankenhaus behandelt werden.
  • Zahl der Todesfälle in jeder Kommune und im Kreis

Nicht täglich gemeldet wird

  • die Zahl der Menschen, deren häusliche Quarantäne endet; diese gelten als geheilt

Welche Corona-Daten bleiben unter Verschluss?

Der Kreis Unna liefert Basisinformationen. Ein stichprobenartiger Vergleich zeigt, dass andere Landkreise ausführlichere Informationen für Bürger und Medien bereitstellen.

? Wie begründet die Behörde die dünne Corona-Statistik?

Die sogenannte Bevölkerungsinformation und Medienarbeit (BuMA) in Krisenzeiten hat einen hohen Stellenwert, deshalb ist die Pressestelle durch ihre Leiterin Constanze Rauert und ihre Kollegen auch im Krisenstab vertreten. Sie räumt ein, dass andere Kreise die Information anders handhaben. Der Kreis Unna orientiere sich hier an Daten, die das Ministerium veröffentliche. Die Frage, warum der Kreis Unna keine Angaben über die Zahl der Kontaktpersonen macht, beantwortet sie unter anderem damit, „dass es in Zeiten wie diesen ab und an zu einem Spannungsfeld zwischen medialen Wünschen und behördlicher Prioritätensetzung kommen kann“.

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? Ich habe vielleicht Corona, wo gibt es Informationen?

Antworten auf häufig gestellte Fragen und wichtige Telefonnummern veröffentlicht der Kreis Unna neben statistischen Angaben bei www.kreis-unna.de.

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