Coronavirus: Verunsicherte Patienten wissen nicht, ob sie noch zur Physiotherapie dürfen

dzPraxen in Not

Die Praxen der Physiotherapeuten bleiben auch in der Corona-Krise geöffnet. Zumindest für Patienten, die eine Verordnung vom Arzt haben. Doch viele sind verunsichert und sagen Termine ab.

Kreis Unna

, 29.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Steffen Hagendorf darf auch in Zeiten der Corona-Krise noch Patienten in seiner Praxis in Bergkamen-Oberaden empfangen. Er ist Physiotherapeut und zählt damit ebenso wie Ergotherapeuten, Logopäden oder Podologen zu den Heilmittelerbringern, die von der Kontaktsperre ausgenommen sind. Allerdings nicht in jedem Fall: „Wir dürfen nur diejenigen behandeln, die eine Heilmittelverordnung haben“, sagt Hagendorf. Die entspricht einem ärztlichen Rezept.

Massive Einnahmeausfällen in den Praxen

Hagendorf behandelt aber wie die meisten anderen Heilmittelerbringer auch zahlreiche Patienten, die die Kosten selbst übernehmen: „Die fallen jetzt weg.“ Und damit natürlich auch Einnahmen für die Praxis. Außerdem, berichtet Hagendorf, sagen auch viele Menschen ihre Termine ab, denen ihr Arzt eine Verordnung ausgestellt hat und die die Behandlung folglich benötigen. „Die Patienten sind verunsichert“, sagt Hagendorf.

Steffen Hagendorf sorgt sich um die Zukunft seiner Praxis in Bergkamen-Oberaden

Steffen Hagendorf sorgt sich um die Zukunft seiner Praxis in Bergkamen-Oberaden. © Borys Sarad

Manche glauben, die Praxis habe geschlossen. Außerdem behandeln die Heilmittelerbringer naturgemäß viele Menschen, die zu Corona-Risikogruppen zählen und deshalb lieber zu Hause bleiben, weil sie Angst vor Ansteckung haben. Der Spitzenverband der Heilmittelverbände beziffert die Umsatzrückgänge in den Praxen auf 60 bis 90 Prozent. Und beklagt, dass bisher keiner der Rettungsschirme die Physiotherapeuten und artverwandten Heilberufe berücksichtigt.

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Auch die in der Marina in Bergkamen-Rünthe ansässige Landesgruppe der Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT) schlägt Alarm. Ihr Vorsitzender Karl-Werner Doepp weist in einer Mitteilung auf ein Problem hin, das auch Steffen Hagendorf zur Genüge kennt: Die strengen Hygieneregeln, die verhindern sollen, dass Mitarbeiter oder Patienten sich anstecken.

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Schutzkleidung und Desinfektionsmittel sind Mangelware

Mundschutz-Masken oder andere Schutzkleidung seien aber kaum noch zu bekommen, beklagt Hagendorf. Der VPT bittet deshalb die jeweiligen Kreisverwaltungen, die Praxen zu unterstützen.

Hilfe können Hagendorf und seine Kollegen auch in Sachen Desinfektionsmittel gebrauchen. Nach jeder Behandlung müssen die Liege und alle anderen Gegenstände, die in Kontakt mit Menschen kommen, gründlich gereinigt werden. Auf dem üblichen Weg erhält Hagendorf die dafür notwendigen Mittel längst nicht mehr. Zuletzt hat er zwei Liter in einer Apotheke erstanden: „Zu Apothekenpreisen.“ Für den Betrag bekomme er normalerweise Mengen, die für mehrere Wochen reichen.

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