Wegen Corona-Hysterie: Tafel im Kreis Unna muss Ausgaben wochenweise schließen

dzCoronavirus

Leere Regale in den Supermärkten, Menschen, die kiloweise Nudeln kaufen: Die Folgen der Hamsterkäufe als Reaktion auf Corona spürt die Tafel im Kreis Unna besonders dramatisch.

Kreis Unna

, 05.03.2020, 15:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ulrike Trümper ist ein bisschen fassungslos: „Das ist verrückt, was gerade passiert. Seitdem die Menschen hamstern, bekommen wir nicht mehr ausreichend Obst und Gemüse, für uns bleibt einfach nichts übrig.“ Die Hamster-Käufe, die seit Ausbreitung des Coronavirus überall zu beobachten sind, bekommt die Tafel im Kreis Unna drastisch zu spüren.

„Normalerweise bekommen wir in einer Woche 200 Kisten mit Lebensmitteln; jetzt sind es vielleicht gerade mal 70“, schildert Tafelleiterin Trümper die Situation, „das ist ein Trauerspiel, was hier stattfindet.“

Teilweise seien die Lieferwagen, die die Kisten mit Lebensmitteln von den Supermärkten holen, nur mit sechs oder sieben Kisten unterwegs gewesen. „Da kann ich ja fast schon mit einem Pkw fahren, da brauche ich keinen Lieferwagen mehr“, sagt Trümper.

Ausgaben schließen wochenweise im Wechsel – zuerst in Massen
Ulrike Trümper

Ulrike Trümper

„Für uns bleibt einfach nichts übrig.“
Ulrike Trümper, Leiterin der Tafel im Kreis Unna

Die Konsequenz der mauen Lieferungen: Bis Ostern wird die Tafel im Kreis Unna nun wochenweise reihum einzelne Ausgabenstellen schließen. „Das ist nicht gut, das wissen wir natürlich. Aber wenn wir nichts haben, bleibt uns nichts anderes übrig. Wir können einen Apfel ja hier nicht durchschneiden und verteilen“, sagt Trümper.

Kreisweit verteilt die Tafel an neun Standorten Lebensmittel an Kunden; als Erstes bleiben nun am kommenden Montag, 9. März, die Ausgaben in Unna-Massen und Bönen geschlossen.

Bei ihren Kunden stößt Ulrike Trümper überwiegend auf Verständnis. „Wir haben das erklärt und viele haben das verstanden“, sagt sie. Für die Kunden bedeutet die Lebensmittel-Knappheit nicht nur die stellenweise Schließung der einzelnen Ausgabestellen. Ulrike Trümper und ihre Kollegen haben auch bei der Ausgabe selbst etwas verändert.

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Kisten werden vorgepackt, freie Auswahl wird eingeschränkt

„Wir packen jetzt Kisten vor und haben die freie Auswahl eingeschränkt“, erklärt Ulrike Trümper. Denn auch unter den Tafelkunden sei das „Hamstern“ zu beobachten. „Damit es gerecht zugeht, kann man nun nicht mehr aussuchen und beliebig viel von einem Lebensmittel mitnehmen.“

Die Tafel-Leiterin hofft, dass die Panik rund um Corona und die damit verbundenen Hamsterkäufe bald ein Ende haben. „Hier zeigt sich gerade wieder, dass es das schwächste Glied in der Kette immer am stärksten trifft“, sagt Ulrike Trümper.

Die kommenden fünf Wochen sieht sie keinen anderen Weg, als die Ausgabestellen reihum wochenweise zu schließen. „Und dann ist der ganze Spuk hoffentlich wieder vorbei.“

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