Coronavirus: Streit um Abstand im Drogeriemarkt – Kunde verletzt

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Die Coronavirus-Pandemie führt zu kuriosen Polizeieinsätzen. Die Beamten werden gerufen, um einen Streit in einem Drogeriemarkt in Kamen zu schlichten. Dabei geht es um einen Anlass, der sonst nichtig wäre.

Kreis Unna

, 23.03.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Streitigkeiten beim Einkaufen, Kinder auf abgesperrten Spielplätzen und Menschen in Gruppen: Unter dem Stichwort „Pandemie“ hat die Polizei am Wochenende mehrere Einsätze verzeichnet.

Polizisten mussten einen handfesten Streit in einem Drogeriemarkt in Kamen schlichten. „Dort hat jemand einen anderen mit einem Besenstiel weggeschoben“, sagte Polizeisprecher Bernd Pentrop am Montagmorgen. Der Auslöser des Streits: ein mutmaßlich nicht eingehaltener Abstand. Experten empfehlen zur Vermeidung einer Tröpfcheninfektion einen Abstand von mindestens anderthalb Metern.

Weitere Einsätze bezogen sich beispielsweise auf die Missachtung von Absperrungen. Spielplätze sind gesperrt, um zu verhindern, dass sich dort Kinder und Jugendliche treffen. Die Polizisten vertrieben spielende Kinder und ihre Familien.

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Die Polizisten ermahnten zudem Menschen, die sich in Gruppen trafen. Im Behördendeutsch: „Freizeitorientierte Ansammlungen von mehreren Personengruppen“ wurden auf die aktuellen Empfehlungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hingewiesen.

Verletzter Kunde ins Krankenhaus gebracht

Folgende Vorfälle schilderte die Polizei im Einzelnen in einer Pressemitteilung:

  • Samstag, 12.40 Uhr: Bei der Drogerie „Rossmann“ im Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“ geraten zwei Männer aneinander. „Weil sich ein 41-jähriger Kamener über den zu geringen Abstand eines 46-jährigen Kameners beschwerte, der hinter ihm an der Kasse stand, schlug der 41-Jährige mit einem Besenstiel, den er in der Drogerie kaufen wollte, auf den 46-Jährigen ein.“ Der 46-Jährige wurde per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Gegen den 41-Jährigen leitete die Polizei ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.
  • Freitag, 17 bis 21 Uhr: Aus einer Metallbau-Firma an der Edisonstraße in Bönen werden 20 Liter Desinfektionsmittel entwendet. Die Täter sind unbekannt: Zeugen, die etwas Verdächtiges beobachtet haben, erreichen die Polizei unter der Rufnummer 02307-921 3220.
  • Im gesamten Kreisgebiet traf die Polizei „immer wieder größere Personengruppen an, die sich unter anderem auf Bolzplätzen, Spielplätzen und in Gemeinschaftsgärten aufhielten. Zum Teil mussten Platzverweise erteilt werden.“

Bislang waren Ansammlungen von Menschen im Kreis Unna nicht explizit verboten, sofern die Kommunen dies nicht in Allgemeinverfügungen regelten. Die Landesregierung hat am Sonntagabend ein Kontaktverbot beschlossen. Nur noch Zweier-Gruppen sind dann in der Öffentlichkeit erlaubt. Der Polizeisprecher konnte am Montagmorgen noch nicht sagen, ob dies schon unmittelbar in den Kommunen im Kreis Unna gilt oder erst, wenn die Kommunen dies in Allgemeinverfügungen in Kraft gesetzt haben.

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Polizei will Einhaltung des Kontaktverbots kontrollieren

Die Polizei will die Einhaltung des Kontaktverbots in enger Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern der Kommunen kreisweit bei Schwerpunkteinsätzen kontrollieren. Bei Verstößen drohen „geeignete Maßnahmen“, dazu zählen auch Geldbußen.

Anlässe, die früher nichtig gewesen wären, führen jetzt dazu, dass Menschen die Polizei rufen. Polizeisprecher Pentrop rät zur Rücksichtnahme und zur Einhaltung der aktuellen Regeln. „Der gesunde Menschenverstand sagt: Bleiben sie mit dem Hintern zu Hause. Sieben Leute, die zusammensitzen und Musik hören – das geht nicht.“

Appell des Landrats

Landrat und Polizeichef Michael Makiolla erklärte am Montagvormittag: „Uns ist bewusst, dass dies keine leichte Situation ist. Aber genau in dieser schwierigen Phase, in der dringend Solidarität gefragt ist, hat unsere Gesellschaft, haben Sie die Chance zu zeigen, dass wir zusammenhalten und dass wir für Bürgerinnen und Bürger einstehen, die stärker gefährdet sind als andere. Denken Sie bitte nicht nur an sich selbst, sondern auch an Ihre Mitmenschen. Deshalb erneut die Bitte: Bleiben Sie zu Hause! So unterbrechen Sie die Infektionskette und retten Leben.“

Wir haben diesen Text aktualisiert. Die Polizei hat ihre Angaben korrigiert. Es handelt sich um eine Drogeriemarkt, nicht um einen Supermarkt.
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