Coronavirus: Spülmaschine in der Kneipe rettet den sorglosen Biergenuss

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In schlecht gespülten Gläsern könnte ein Coronavirus-Ansteckungsrisiko stecken. Mancher Kneipengänger sorgt sich, ob er denn nach dem Ende der Corona-Zwangspause sorglos ein frisch gezapftes Bier trinken kann.

Kreis Unna

, 18.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Biergärten laden wieder Gäste ein, aber Manfred Rösner ist beim Gedanken an ein frisch gezapftes Pils und schlecht gespülte Gläser unwohl zumute. „Wenn ich an den Barkeeper in Ischgl denke, der das Coronavirus verbreitet hat, dann ist das Virus bestimmt auch mit Biergläsern von Mund zu Mund gegangen“, sagt der 69-Jährige aus Kamen.

Ischgl ist der Tiroler Skiort, der sich zu einem europäischen Hotspot für die Verbreitung des Sars-CoV-2-Virus entwickelte. Zahlreiche Urlauber, darunter auch ein Kamener, trugen den Erreger unbewusst in ihre Heimatländer. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass zahlreiche Infektionen auf einen einzigen Barkeeper zurückgingen.

Was der Kneipengänger Manfred Rösner befürchtet, die Ansteckung über schlecht gespülte Biergläser, ist theoretisch möglich. Das Sars-CoV-2-Virus kann laut Robert-Koch-Institut durch eine Schmierinfektion übertragen werden. Ein infizierter Kneipier müsste dazu ein Glas berühren, und dieses mit Speichelspuren oder Atemtröpfchen benetzte Glas müsste dann schlecht gereinigt in die Hände eines Gasts gelangen, der das Virus durch seine Schleimhäute aufnimmt. „Allerdings sind Infektionen mit SARS-CoV-2 über diesen Übertragungsweg weltweit bisher nicht nachgewiesen worden“, stellt das Bundesinstitut für Risikobewertung fest.

Ina Gjini, Wirtin im En Place, räumt frisch gespülte Gläser aus der Spülmaschine.

Ina Gjini, Wirtin im „En Place“, räumt frisch gespülte Gläser aus der Spülmaschine. © Stefan Milk

Wer eine solche Infektion ausschließen will, verzichtet auf das frisch Gezapfte. „Wenn ich in eine Kneipe gehe, bestelle ich immer Bier aus der Flasche, seit vielen Jahren“, sagte der Virologe Christian Drosten im März in seinem NDR-Podcast. „Denn die Biergläser werden – das wissen wir alle – mal durchs Wasser gezogen, aber wie viel Spülmittel da noch drin ist, das möchte man gar nicht hinterfragen. Über diesen Weg wird mit Sicherheit das Virus übertragen.“

Gastronomie

Spülmittel gegen Virus

  • Coronaviren reagieren empfindlich auf Fettlöser, die in Seifen und Geschirrspülmitteln enthalten sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist auf eine Studie aus Hongkong in Zusammenhang mit dem ersten Sars-Coronavirus, das mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 verwandt ist. Ein fünfminütiger Kontakt des Virus bei Raumtemperatur inaktivierte das Virus. Längere Zeiten und höhere Temperaturen können die Effizienz der Virus-Inaktivierung erhöhen.
  • Trinkgefäße sollten bei mindestens 60 Grad maschinell gereinigt werden. Beim manuellen Spülen sollte möglichst heißes Wasser (zum Schutz der Hände aber nicht heißer als 50 Grad) verwendet werden. Eine Faustregel: Je kälter das Wasser ist, desto länger sollten die Gläser mit ausreichend Spülmittel gesäubert werden. Wichtig ist, die Gläser zu trocknen.

120 Sekunden für einen Spülvorgang

Getränke-Spezialist Rüdiger Brinkhoff aus Kamen kennt die hektischen Bedingungen gut, unter denen in Kneipen und bei Volksfesten Biergläser gespült werden. Wichtig sei, dass möglichst heiß gespült wird, im Spülbecken kontinuierlich Wasser nachläuft und natürlich ausreichend Spülmittel verwendet wird.

Der Getränkewagen-Betreiber und Gastronomie-Kenner schätzt, dass bis zur Corona-Krise in jeder zweiten Kneipe per Hand gespült wurde. Unter dem Eindruck der Pandemie würden nun immer mehr Gastronomen auf Spülmaschinen setzen. „Bei mir haben sich schon einige Wirte nach geeigneten Modellen erkundigt“, sagt Brinkhoff. „Solche gewerblichen Maschinen brauchen nur 120 Sekunden für einen Spülvorgang.“

Eine Woche nach der Wiedereröffnung von Gaststätten bemerken viele Wirte noch ein Zögern bei den Gästen. Die Aussicht, Lokale nur mit Mund-Nasen-Schutz betreten zu können, aber auch Ansteckungssorgen in geschlossenen Räumen dürften einige Kunden noch vom Essengehen abhalten.

Gastronomen verweisen auf Hygiene-Auflagen, die es ermöglichen sollen, guten Gewissens in den Lokalen einzukehren. Auf das frisch gezapfte Pils, serviert vom Kellner mit Mund-Nasen-Schutz, müssen auch ängstliche Gemüter nicht verzichten, dort wo ausschließlich maschinell gespült wird – zum Beispiel in den Gaststätten „Kümpers“ und „En Place“ am Kamener Marktplatz.

Heißer als 60 Grad spülen – oder intensiv genug

Gesetzlich vorgeschrieben ist das maschinelle Spülen nicht, weil es nicht erforderlich ist, um das Virus zu töten. Ordentliches manuelles Spülen wirkt auch. „Spülvorgänge müssen bei Temperaturen größer 60 Grad Celsius durchgeführt werden oder es sind bei jedem Spülgang entsprechend wirksame Tenside/Spülmittel zu verwenden“, heißt es im Anhang der Coronaschutzverordnung.

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