Schornsteinfeger in Corona-Zeiten: Das Virus ist nicht die einzige Gesundheitsgefahr

dzCoronavirus

Schornsteinfeger kommen von Berufs wegen in viele Häuser. In der Corona-Krise lässt sie nicht mehr jeder bereitwillig ein. Dabei bleibt ihre Arbeit auch in Zeiten des Coronavirus wichtig.

Kreis Unna

, 23.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schornsteinfeger Uwe Fleischauer (60) aus Kamen-Methler ist seit 46 Jahren im Beruf, seit 26 Jahren Bezirksschornsteinfegermeister. Eigentlich ist sein Job krisenfest, trotz der Liberalisierung des Marktes vor einigen Jahren zählen immer noch hoheitliche Aufgaben dazu. Tätigkeiten wie die Feuerstättenschau, die der Schornsteinfeger quasi im Auftrag des Staates in jedem Haus in gewissen Abständen durchführen muss.

Doch die Corona-Krise macht vor nichts und niemandem Halt, auch nicht vor den sprichwörtlichen schwarzen Männern, die seit jeher als Glücksbringer gelten.

Nicht jeder lässt ihn in Zeiten eines hochansteckenden Virus noch bereitwillig über seine Türschwelle, sagt Fleischauer. „Es gibt hier und da Kunden, die mich nicht mehr reinlassen“, so der 60-Jährige.

„Es gibt hier und da Kunden, die mich nicht mehr reinlassen.“
Uwe Fleischauer, Schornsteinfeger

Er habe Verständnis für die Sorgen und Ängste der Menschen, werbe aber „in sanfter Form“ auch um Verständnis für die Wichtigkeit seiner Arbeit. Handschuhe trägt er anders als früher nicht mehr nur bei den Kehrarbeiten, sondern immer, auch einen Mundschutz hat er stets dabei.

Wenn dann noch der empfohlene Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten werde, könne eigentlich nichts passieren, meint Fleischauer.

Schornsteinfeger gilt als „sicherheitsrelevanter Beruf“

Und wie wichtig seine Arbeit für die Sicherheit der Hausbewohner ist, zeigte sich erst an diesem Montag wieder in seinem Kehrbezirk in Holzwickede. Aus einer Gas-Therme strömte Kohlenmonoxid aus, weil der Monteur bei der letzten Wartung vergessen hatte, eine Abdeckkappe wieder drauf zu schrauben. Dem Schornsteinfeger fiel das sofort auf, und er empfahl der betroffenen Familie die Anschaffung eines CO-Melders.

Jetzt lesen

Dass auch die Schornsteinfeger in naher Zukunft ein Berufsverbot zwecks Eindämmung der Corona-Pandemie ereilen könnte, glaubt Fleischauer nicht – eben weil sein Beruf „sicherheitsrelevant“ sei.

Versäumnisse bei Mess- und Kehrfristen werden dem Kreis Unna gemeldet

Wer ihn trotzdem gerade lieber nicht empfangen möchte, den weist Uwe Fleischauer freundlich auf die Fristen hin, die für Kehr- und Messtätigkeiten gelten. Bei Überschreitung drohen empfindliche Geldbußen bis hin zur Öffnung der Tür durch einen Schlüsseldienst oder die Polizei bei Komplettverweigerern. Diese Fälle seien sehr selten, nähmen aber unabhängig vom Coronavirus seit einigen Jahren zu, schildert Fleischauer.

Jetzt lesen

Versäumnisse in Zusammenhang mit Corona meldet er pflichtgemäß dem Bereich Schornsteinfegerangelegenheiten beim Kreis Unna. Ungemach muss deshalb in diesen Zeiten allerdings niemand fürchten. „Die Mitarbeiter arbeiten mit gesundem Menschenverstand und dem nötigen Augenmaß“, beruhigt Kreissprecherin Constanze Rauert.

Noch halte sich die Zahl der „Corona-Verweigerer“ ohnehin in Grenzen, ist Fleischauers Arbeit weitgehend unbeeinträchtigt. Und einen Vorteil hat die Krise tatsächlich auch für ihn. „Dadurch, dass zurzeit so viele Menschen im Homeoffice arbeiten, treffe ich auch mehr Hausbewohner an als früher“, sagt der Schornsteinfeger.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Corona-Krise
„Lasst wachsen“: Appell eines Friseurs an Solidarität und Vernunft seiner Kunden
Hellweger Anzeiger Fragen an die Redaktion
Coronavirus: Kann das Virus über Lebensmittel, Bargeld oder Türklinken übertragen werden?