Coronavirus rückt näher an den Kreis Unna: „Wird uns schneller ereilen, als uns lieb ist“

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Das Coronavirus rückt am Freitag näher an den Kreis Unna heran. In Dortmund gibt es Verdachtsfälle, im Märkischen Kreis eine erste bestätigte Infektion. Der Kreis Unna richtet ein Infotelefon ein.

Kreis Unna

, 28.02.2020, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kaum eine Stunde vergeht derzeit ohne eine Neuigkeit zur Ausbreitung des Coronavirus in NRW. Die Stadt Dortmund richtete am Freitag einen Krisenstab ein, nachdem die ersten Verdachtsfälle bekannt wurden. Zunächst war von sechs Verdachtsfällen die Rede, am Nachmittag nur noch von zweien.

Der Märkische Kreis teilte am Freitagnachmittag ebenfalls einen ersten Verdachtsfall mit. Betroffen sei ein Lehrer an einer Förderschule in Lüdenscheid. Am Abend bestätigte sich der Verdacht: Der Test ist positiv. Zwei Schulen werden dort geschlossen.

So weit ist es im Kreis Unna noch nicht, doch Behörden, Ärzte und Krankenhäuser sind auf den Ernstfall vorbereitet. Das oberste Gebot lautet weiterhin: Grund zur Sorge mag angebracht sein, Grund zur Panik gewiss nicht.

„Wir haben zurzeit keinen Corona-Fall in unseren Krankenhäusern, gehen aber davon aus, dass uns das schneller ereilen wird, als uns lieb ist.“
Stefan Aust, Hauptgeschäftsführer des Klinikums Westfalen

„Wir haben zurzeit keinen Corona-Fall in unseren Krankenhäusern, gehen aber davon aus, dass uns das schneller ereilen wird, als uns lieb ist“, sagt Stefan Aust, Hauptgeschäftsführer des Klinikums Westfalen, jenem regionalen Krankenhaus-Verbund, zu dem auch das Kamener Hellmig-Krankenhaus gehört. „Wir bereiten uns darauf auf allen Ebenen vor.“

So werde im ambulanten Bereich die Personaldecke aufgestockt, zudem werden bereits hohe Hygienestandards zusätzlich verstärkt, vor allem in der Handhygiene. Aust stand zuletzt in ständigem Austausch mit den Virologen des Hauses und mahnt zur Besonnenheit. „Wenn man nicht schwer erkrankt ist, passiert einem erst einmal nicht viel.“

Bereits am Donnerstag hatten die beiden Unnaer Krankenhäuser gemeinsam mitgeteilt, eine interdisziplinäre und standortübergreifende Expertenrunde einberufen zu haben. Das Personal werde mit engmaschigen Schulungen und tagesaktuellen Informationen auf mögliche Corona-Patienten vorbereitet.

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Gesundheitsamt richtet Infotelefon ab Montag ein

Das Gesundheitsamt beim Kreis Unna betonte am Freitag, es sei zwar niemand am Coronavirus erkrankt, doch der Wunsch nach Informationen und Tipps fürs richtige Verhalten sei sehr groß. Dem trägt die Behörde Rechnung und schaltet ab Montag (2. März) ein Infotelefon. Die kostenfreie Rufnummer lautet (0800) 10 20 205 und wird bis auf Weiteres montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr zu erreichen sein.

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Ob auch der Kreis einen Krisenstab einberufen werde, hänge vom Fortgang der Entwicklung ab, wie Kreissprecherin Constanze Rauert am Freitag gegenüber unserer Redaktion erklärte. Der Kreis werde „ereignisbezogen“ auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes agieren.

Die Kernmannschaft des Krisenstabes würden in diesem Fall Uwe Hasche als Ordnungs- und Gesundheitsdezernent des Kreises, dem Leiter des Gesundheitsamtes, Josef Merfels, Amtsarzt Dr. Roland Staudt, sowie Rauert selbst für die Information der Bevölkerung und Medien bilden.

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Unterdessen verbessern Behörden und Unternehmen allerorten die hygienische Infrastruktur. „Wir werden alle städtischen Gebäude mit Desinfektionsspendern ausstatten“, kündigte etwa Kamens Bürgermeisterin Elke Kappen an. Auch für die Schulen laufe eine Abfrage, inwiefern Unterstützung bei der Ausstattung mit derlei Spendern notwendig sei.

Das sind die wichtigsten Hygienevorschriften

Auch in vielen Unternehmen werden Mitarbeiter derzeit für die Einhaltung grundlegender Hygienevorschriften sensibilisiert.

Die wichtigsten lauten:

  • Verzicht auf Händeschütteln – ein Lächeln tut es auch.
  • Regelmäßig und gründlich die Hände waschen.
  • Niesen und husten in die Ellenbeuge. Auf keinen Fall in Ihre Hände. Falls doch, diese danach umgehend waschen.

Außerdem gilt:

  • Wer sich krank fühlt und Symptome des Coronavirus bemerkt, sollte zu Hause bleiben,
  • Per Telefon Kontakt mit dem Hausarzt aufnehmen,
  • und den Kontakt mit anderen Menschen vermeiden, bis Klarheit über die Erkrankung besteht.
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