Coronavirus: Reisebüros zwischen großen Sorgen und leisen Hoffnungen

dzUrlauber suchen Rat

Die Bundesregierung spricht eine weltweite Reisewarnung aus, Urlauber sitzen in ihren verhinderten Paradiesen fest. Reisebüros sind gefordert wie nie zuvor. Und sie blicken schon nach vorn.

Kreis Unna

, 17.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es soll die schönste Zeit des Jahres sein, doch derzeit platzen in Deutschland Zehntausende von Urlaubsträumen. Das Coronavirus stellt die Welt auf den Kopf – und nicht zuletzt deshalb hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen.

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Es gibt viel zu organisieren. Insbesondere müssen Urlauber aus ihren Urlaubsorten zurück nach Deutschland geholt werden. Mittendrin sind die Reisebüros. Sie beantworten unzählige Fragen von Menschen, die verreist sind oder in Kürze verreisen wollten.

„Wir informieren die Kunden, so gut wir können“, sagt Jens Timmermann, der drei Reisebüros in Unna und Kamen führt. Allerdings stoßen auch die Service-Experten an Grenzen. „Bei den Reiseveranstaltern bekommen wir ja auch nicht sofort jemanden ans Telefon. Da kommen Antworten also verzögert“, weiß Beraterin Christina Schulenkorf.

Lanzarote: Reiseleitung nicht mehr im Hotel

Beispiele von Urlaubern, die irgendwo festsitzen, gibt es zuhauf. Ein Timmermann-Kunde, der auf Lanzarote festsitzt, beklagt, dass die Reiseleitung nicht mehr im Hotel ist. Reisebüros werden hier zum Mittler. „Ich habe ihm Tipps gegeben, wo er anrufen kann und wir sind in engem Kontakt“, berichtet Michaela Aulich.

Die Beraterin weiß von einer Kundin, die am Samstag nach Mauritius geflogen ist. „Noch ist nicht klar, wie es da weitergeht“, sagt Aulich. Die Bundesregierung stellt bis zu 50 Millionen Euro für Rückholaktionen zur Verfügung.

Reisebüros kämpfen ums Überleben

Die Reisebüros sind die Service-Scharniere in diesem System. Besonders bitter: Gerade sie müssen jetzt um ihr Überleben kämpfen. Neubuchungen gibt es so gut wie gar nicht, bei stornierten Reisen fließen auch keine Provisionen von den Reiseveranstaltern. „Dabei haben wir unsere Arbeit schon gemacht“, sagt Jens Timmermann.

Und nicht nur das: Stornierungen, Umbuchungen, die Organisation von Rückflügen – all das bedeutet weiteren Aufwand. „Wir können eigentlich nicht einfach schließen“, sagt Jens Timmermann. Notfalls – das ist seit einer EDV-Umstellung vor eineinhalb Jahren gesichert – kann aber auch jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter von Zuhause auf die wichtigsten Systeme zugreifen.

Hoffen auf den Tag X - und auf neue Buchungen

Dennoch versprühen die Reisebüros auch einen Funken Optimismus. „Wenn das alles vorbei ist, möchten die Menschen reisen. Und wir hoffen, dass sie sich dann daran erinnern, welch guten Service wir bieten“, erklärt Timmermann – und spricht damit sicher auch seinen Kollegen überall im Kreis aus der Seele.

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