Coronavirus: Neues Portal knüpft Bande zwischen Bauern und möglichen Erntehelfern

dzLandwirtschaft

In Zeiten des Coronavirus gewinnt der Begriff Solidarität wieder an Bedeutung. Wer sich nicht nur ideell, sondern auch aktiv an die Seite der Bauern stellen will, kann Erntehelfer werden.

Unna

, 24.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Bauern auch im Kreis Unna bangen um ihre Existenz. Das Coronavirus sorgt dafür, dass die vielen Erntehelfer aus Osteuropa und Südosteuropa in diesem Jahr weitgehend ausbleiben. Die Folge: Die Landwirte können weniger Spargel und Erdbeeren anbauen, auch die Gemüsebauern fürchten Einbußen.

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Das Bundeslandwirtschaftsministerium setzt nun große Hoffnung in ein neues Internetportal. Unter www.daslandhilft.de sollen hilfesuchende Landwirte mit Menschen in Kontakt gebracht werden, die sich für eine Aufgabe als Helfer in der Landwirtschaft interessieren.

Infrage kommt dafür jeder, der Zeit und Lust hat, die Bauern zu unterstützen. Das können Menschen sein, die vielleicht auch bedingt durch die Corona-Krise ihrer eigentlichen Arbeit aktuell nicht nachkommen können oder sogar ganz arbeitslos geworden sind. Aber auch Studenten könnten sich einbringen.

Voraussetzung ist, dass die Interessenten keine Anzeichen einer Infektion mit dem Coronavirus bei sich beobachten. Außerdem dürfen sie nicht zur Risikogruppe gehören oder in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet gewesen sein.

In dem Portal können potenzielle Helfer über eine Suchleiste Angebote machen und dabei auch angeben, welche Aufgaben sie übernehmen möchten – also beispielsweise auf dem Feld, am Betrieb oder in der Vermarktung. Andersherum können Landwirte mitteilen, welche Arbeiten sie zu vergeben habe. Die Suche in beiden Richtungen ist dann auch in einem vorher definierten Umkreis möglich.

Bauernverband mit eigenem Angebot

Auch der Deutsche Bauernverband hat unter www.saisonarbeit-in-Deutschland.de ein Vermittlungsportal ins Netz gestellt. Dieses richtet sich aber vor allem auch an Helfer aus dem Ausland. Deswegen ist die Suche dort auch in polnischer, rumänischer und bulgarischer Sprache möglich.

Ob sich doch noch genug Erntehelfer finden, bleibt abzuwarten. Möglicherweise sind unter dem Motto „Wir halten zusammen“ auch Menschen bereit, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen, die eine solch körperlich fordernde Arbeit früher abgelehnt hätten. Aber Corona-Zeiten sind eben besondere Zeiten – das wird mehr und mehr Menschen bewusst. Aktuell fehlen laut dem Portal daslandhilft.de 300.000 Arbeitskräfte.

Auch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW will den Bauern helfen. Damit die Versorgung auch weiterhin gesichert ist, steht das Landwirtschaftsministerium nach eigenen Worten in regelmäßigem Austausch mit den beteiligten Wirtschaftsverbänden.

Ministerin will Saisonkräfte holen

Ein Ziel müsse es sein, „einerseits die Anreise der Saisonarbeitskräfte möglich zu machen, andererseits durch eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten oder der Aufenthaltsdauer die Motivation zu erhöhen. Was jetzt nicht an Gemüse gepflanzt wird, fehlt uns sonst später. Bei einigen Sorten stehen in Kürze erste Erntearbeiten an“, erklärt Ministerin Ursula Heinen-Esser.

Beratung vom Land

Service-seite für Landwirte

  • Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz NRW hat unter www.umwelt.nrw.de/landwirtschaft eine Service-Seite für betroffene Landwirte und Gartenbauer im Internet eingerichtet. Wo und wie erhalten landwirtschaftliche Betriebe des vor- und nachgelagerten Bereiches Unterstützung in der aktuellen Situation? Service-Links und gebündelte weiterführende Informationen bieten Betroffenen Orientierung.
  • Darüber hinaus schaltet das Ministerium ab sofort auch eine telefonische Hotline: Unter der Rufnummer (0211) 4566765 stehen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr zur Verfügung, um Fragen zu beantworten oder weiterführende Hinweis zu geben.

Zugleich betont sie: „Wir haben aktuell keine Versorgungskrise. Wenn aktuell Engpässe entstehen, sind unnötige Hamsterkäufe die Ursache.“ Sie appellierte an die Solidarität und Verantwortung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Ministerin rief dazu auf, wo möglich, regionale Angebote zu nutzen, etwa Gemüse und Obst aus heimischem Anbau oder den Lieferservice des örtlichen Restaurants.

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