So wappnet sich der Hausarzt gegen das Coronavirus

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Ärzte müssen sich selbst vor dem Coronavirus schützen. Das „Gesundheitszentrum am Nordberg“ als wohl größte Bergkamener Arztpraxis hat deshalb alle Abläufe neu organisiert. Wie genau, das erklärt Internist Detlef Kobusch.

Bergkamen

, 17.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer das „Gesundheitszentrum am Nordberg“ in der ehemaligen Sparkassen-Filiale Präsidentenstraße betritt, sieht sofort, dass von einem Tag auf den anderen alles anders geworden ist. Rechts vom Eingang hängt ein Spender mit einem Desinfektionsmittel. Daneben steht eine Praxis-Mitarbeiterin mit Mundschutz, die darum bittet, sich die Hände zu desinfizieren und Patienten dann weiterleitet.

Die Praxis will vermeiden, dass sich Patienten zu nahe kommen und sich gegenseitig mit dem Coronavirus infizieren können, erklärt der Gründer des Zentrums, der Internist und Diabetologe Detlef Kobusch.

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Ärzte arbeiten in Schichten, damit sich nicht alle infizieren

Die Praxis will aber vor allem vermeiden, dass alle Ärzte mit einem Corona-Infizierten in Kontakt kommen und alle in Quarantäne müssen. Aus diesem Grund arbeiten die vier Ärzte, die es in der Praxis gibt, jetzt in zwei Schichten mit zwei getrennten Teams. Falls es doch einmal zum Kontakt mit einem Corona-Patienten kommt, ist zumindest nur eine Schicht betroffen. „Wenn wir alle ausfallen würden, wäre das eine Katastrophe“, sagt Kobusch. Immerhin hat die Praxis zwischen 4500 und 5000 Patientenbesuche pro Quartal, die nicht mehr betreut werden könnten.

Auch die Mitarbeiterinnen an der Anmeldung arbeiten mit Mundschutz. Der Tresen und ihre Arbeitsplätze werden regelmäßig desinfiziert.

Auch die Mitarbeiterinnen an der Anmeldung arbeiten mit Mundschutz. Der Tresen und ihre Arbeitsplätze werden regelmäßig desinfiziert. © Marcel Drawe

Patienten sollen möglichst wenig anfassen

Patienten werden gleich in Bereiche geleitet, in denen sie möglichst isoliert von anderen sind. Außerdem hat die Praxis eine ganze Reihe von weiteren Maßnahmen getroffen, um Infektionen zu vermeiden. Unter anderem bleiben die Eingangstür und die Tür zum Wartezimmer immer geöffnet, damit niemand die Klinke anfassen muss.

Das hat auch den Effekt, dass die Räume besser gelüftet sind. Wie hoch die Ansteckungsgefahr ist, hängt auch von der „Virenlast“ in der Luft ab, erläutert Kobusch. Mit anderen Worten: Je weniger Viren sich in der Luft befinden, um so geringer ist die Ansteckungsgefahr – und in gelüfteten Räumen ist sie geringer als in geschlossenen.

Info-Tafeln informieren Patienten über das richtige Verhalten und informieren, wann eine Corona-Infektion vorliegen könnte.

Info-Tafeln informieren Patienten über das richtige Verhalten und informieren, wann eine Corona-Infektion vorliegen könnte. © Marcel Drawe

Zeitschriften und Bücher aus dem Wartezimmer verbannt

Die Praxis hat außerdem alle Zeitschriften und Bücher aus dem Wartezimmer entfernt. Aushänge bitten die Patienten, möglichst nichts anzufassen. Die Türen zu allen Räumen in der Praxis öffnen ausschließlich die Mitarbeiter. Die Anmeldung, hinter der die Mitarbeiterinnen mit Schutzmaske sitzen, wird einmal pro Stunde desinfiziert.

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Das Zentrum versucht außerdem, die Patientenströme schon im Vorfeld zu lenken. Üblicherweise kommen am Montagmorgen 50 bis 60 Patienten und etwa 35 weitere Menschen zu Blutentnahmen. Ergebnis: Das Wartezimmer ist voll. Jetzt lenkt die medizinische Angestellte am Eingang die Patienten. Es sollen höchstens sechs Patienten oben und vier unten in der Praxis gleichzeitig da sein, damit sie jederzeit mindestens zwei Meter Abstand voneinander halten können.

Im Eingangsbereich werden die Patienten vorgesichtet und entweder in die richtigen Bereiche verwiesen oder nach Hause geschickt, wenn der Arztbesuch nicht erforderlich ist oder eine telefonische Beratung reicht.

Im Eingangsbereich werden die Patienten vorgesichtet und entweder in die richtigen Bereiche verwiesen oder nach Hause geschickt, wenn der Arztbesuch nicht erforderlich ist oder eine telefonische Beratung reicht. © Marcel Drawe

Nur unbedingt nötige Besuche in der Praxis

Viele sollen auch gar nicht mehr in die Praxis kommen. Zum Blutdruck messen kommen sie beispielsweise nur noch auf ärztliche Anweisung. Auch zur Blutentnahme kommen Patienten nur noch, wenn es medizinisch erforderlich ist. Hinzu kommt, dass alles in der Praxis regelmäßig desinfiziert wird - von den Sitzflächen und Armlehnen der Stühle im Wartezimmer bis zur Mouse, der Tastatur und der Höhenverstellung der Stühle an den Arbeitsplätzen der Mitarbeiterinnen.

Zurzeit sei die Ansteckungsgefahr noch nicht so groß, weil es nur relativ wenig Corona-Infizierte gibt, meint Kobusch. Er geht aber davon aus, dass das nicht so bleibt. „Für uns ist das eine gute Gelegenheit schon für den Ernstfall zu proben“, sagt er.

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