Coronavirus: Morris Rödiger bricht Ägypten-Reise nach fünf Tagen ab

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Eigentlich sollten es 14 Tage unbeschwerter Urlaub im Touristenort El Gouna in Ägypten werden, doch Morris Rödiger ist schon wieder zurück – und sehr froh darüber.

Unna

, 22.03.2020, 14:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abgepacktes Essen vor der Zimmertür, Quarantäne auf dem Hotelzimmer und keine Chance auf einen Direktflug zurück nach Deutschland: Was fast 30.000 deutschen Urlaubern in Ägypten gerade bevorsteht, hat Morris Rödiger gerade noch verhindern können. Der Mitarbeiter des Kinorama Unna hat seinen Ägyptenurlaub nach fünf Tagen abgebrochen - und einen der letzten regulären Flüge zurück nach Düsseldorf erwischt.

„Heilfroh, wieder hier zu sein“

„Wenn ich sehe, was da jetzt los ist, bin ich heilfroh, schon wieder hier zu sein“, sagt Rödiger, den viele Unnaer als den Organisator des beliebten Seniorenkinos im Kinorama Unna kennen. „Das Gesundheitssystem in Ägypten ist überhaupt nicht auf so eine Situation vorbereitet. Die Vorstellung, dort ins Krankenhaus zu müssen, schrecklich. Da wollten wir nicht bleiben“, erzählt Rödiger unserer Redaktion, wieso er sich auf eigene Faust dazu entschied, einen Rückflug zu buchen.

Schon bei der Ankunft in Hurghada am 11. März wurde bei allen Passagieren der aus Deutschland kommenden Maschine das Fieber gemessen, bevor sie einreisen durften, berichtet Morris Rödiger.

Schon bei der Ankunft in Hurghada am 11. März wurde bei allen Passagieren der aus Deutschland kommenden Maschine das Fieber gemessen, bevor sie einreisen durften, berichtet Morris Rödiger. © Morris Rödiger

Keine drei Tage dauerte sein Urlaub zu dem Zeitpunkt, als er die Reißleine zog und eigenständig nach einem Rückflug nach Deutschland suchte. „Wir sind am 11. März angekommen und schon da war in Ägypten spürbar, dass es eine besondere Situation ist“, schildert Morris Rödiger seine Ankunft in Hurghada. Was ihn im Nachhinein besonders irritiert: Während beim Abflug in Düsseldorf alles ganz normal lief, wurden bei der Ankunft in Hurghada bei allen Passagieren der Maschine aus Deutschland Fieber gemessen, bevor sie einreisen durften. „Dort trugen auch alle Masken und Handschuhe; in Düsseldorf sah man die gar nicht“, wundert sich Rödiger.

Coronavirus: Morris Rödiger bricht Ägypten-Reise nach fünf Tagen ab

© Anna Gemünd

„Wir haben eigenständig nach Flügen geschaut, weil unsere Reiseleitung uns beruhigen wollte und wir sogar belächelt wurden, dass wir abreisen wollten.“
Morris Rödiger schildert, wie er seinen Urlaub in Ägypten erlebte

Doch nicht nur am Flughafen war die Sorge vor einer Ansteckung mir Corona in Ägypten spürbar: Am zweiten Tag seines Aufenthaltes in einem Hotel in der Touristenstadt El Gouna am Roten Meer durfte Rödiger nicht mehr zum Frühstück gehen - zumindest nicht einfach so. „Plötzlich mussten wir bei uns erst Fieber messen lassen, bevor wir runtergehen durften. Nur wer kein Fieber hatte, durfte zum Frühstück.“

Wegen Rückreisewunsch belächelt

Als Morris Rödiger dann am Freitag von Bekannten, die parallel in Tunesien Urlaub machten, hörte, dass dort die Maßnahmen noch weiter verschärft wurden, war für ihn der Zeitpunkt gekommen, die Reißleine zu ziehen. „Wir haben eigenständig nach Flügen geschaut, weil unsere Reiseleitung uns beruhigen wollte und wir sogar belächelt wurden, dass wir abreisen wollten“, berichtet Rödiger, „doch in Quarantäne auf einem Hotelzimmer sitzen und abgepacktes Essen vor die Tür gestellt bekommen? Das wollte ich auf keinen Fall.“

Einen der letzten Direktflüge erwischt

Er hatte Glück und bekam einen der letzten regulären Direktflüge nach Düsseldorf. Als er dort am Montagabend landete, wartete die nächste Überraschung: Wieder gab es keinerlei Kontrollen auf das Virus, wieder sah er keine Schutzmasken oder Handschuhe bei den Mitarbeitern der Abfertigung. „Das ist schon erschreckend. Ich hatte den Eindruck, dass in Ägypten viel bessere Vorkehrungen getroffen wurden als in Deutschland.“

Kein Urlaub am Meer, viel Geld in den Sand gesetzt und keine Gewissheit, ob irgendwas davon ersetzt wird: Morris Rödiger hatte sich seinen Urlaub anders vorgestellt. Doch er sieht die Prioritäten ganz klar: „Die Gesundheit geht da ganz klar vor den finanziellen Verlust, dem man jetzt dadurch vielleicht hat und auch vor Urlaubsvergnügen.“

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