Coronavirus: Kreisseniorenkonferenz fordert Lockerung in Pflegeheimen

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Seit fünf Wochen leben Tausende älterer Menschen isoliert in Pflegeheimen. Die Kreisseniorenkonferenz Unna fordert nun eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen für Pflegeheimbewohner.

Kreis Unna

, 29.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben, sollen vor dem Coronavirus geschützt werden. Inzwischen äußern sich immer mehr Menschen zur Situation der Älteren in Pflegeheimen und bekunden ihr Unverständnis über die andauernden Kontaktbeschränkungen.

Auch der Vorstand der Kreisseniorenkonferenz hat sich mit dem Thema beschäftigt und ist zu der Überzeugung gekommen, dass nunmehr eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen für Pflegeheimbewohner erfolgen muss. Sie schließt sich der Meinung des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung an, der vor wenigen Tagen die zunehmende Isolation von Pflegeheimbewohnern kritisiert und Lockerungen gefordert hat.

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Pflegevollmächtigter der Bundesregierung, hat erklärt, dass restriktive Besuchsverbote keine Lösung für Pflegeheime sein können.

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Pflegevollmächtigter der Bundesregierung, hat erklärt, dass restriktive Besuchsverbote keine Lösung für Pflegeheime sein können. © picture alliance / dpa

In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ hatte Staatssekretär Andreas Westerfellhaus erklärt: „Wir wissen, dass wir uns nun darauf einstellen müssen, über einen längeren Zeitraum mit dem Coronavirus umgehen zu müssen. Darauf müssen wir auch die Situation in den Pflegeeinrichtungen anpassen: pauschale, restriktive Besuchsverbote können dabei keine Lösung sein.“

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen benötigten besonderen Schutz, dürften aber auch nicht völlig isoliert werden. Es gelte, angepasst an die Gegebenheiten vor Ort, Konzepte und Lösungen zu finden. „Die Lebensqualität und die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner hängt auch von der Möglichkeit ab, Kontakt zu den An- und Zugehörigen zu haben. Wo das unter Berücksichtigung des Schutzes vor Infektionen umgesetzt werden kann, sollte es auch umgesetzt werden dürfen.“

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Tatsächlich sind die Gegebenheiten sehr unterschiedlich. Im Kreis Unna gilt das Schmallenbach-Haus in Fröndenberg immer noch als ein „Hotspot“ in Sachen Coronavirus. Mehrere Bewohner und auch schon zwei dort Beschäftigte sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Auch in Pflegeheimen in anderen Städten gibt es Corona-Fälle. In vielen Einrichtungen aber wurde das Coronavirus bislang nicht nachgewiesen. Insbesondere dort erscheinen Lockerungen zumindest denkbar.

Kreisseniorenkonferenz: Wünsche der Bewohner berücksichtigen

Die Kreisseniorenkonferenz weist darauf hin, dass in den Pflegeheimen in erster Linie Menschen, teilweise in hohem Alter und mit einer verhältnismäßig geringen Lebenserwartung, leben. In einer Presseerklärung des Gremiums heißt es: „Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein, ob die älteren Menschen den maximalen medizinischen Schutz tatsächlich wollen. Ist es nicht auch möglich, dass viele der älteren Menschen der Meinung sein könnten, dass ein Leben in völliger Isolation es nicht wert ist, auf alle sozialen Kontakte zu verzichten?“

Gesundheitsschutz und persönliche Kontakte vereinen

„Meine Lebenssituation ist kein Schutz, sondern eine Qual.“ Mit diesen Worten wird eine 86-jährige Heimbewohnerin zitiert. Die Kreisseniorenkonferenz sieht das ähnlich und fordert die Entscheidungsträger auf, eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen für Heimbewohner schnellstens vorzusehen. Es müsse möglich sein, notwendigen Gesundheitsschutz und unmittelbare persönliche Kontakte in Übereinstimmung zu bringen.

Kanzlerin berät mit den Länderchefs

Es bleibt abzuwarten, ob das Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder an diesem Donnerstag den Weg zu ersten Lockerungen des Kontaktverbots freimacht.

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