Coronavirus lässt Hochzeitsträume platzen: So reagieren Standesämter auf die Pandemie

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Tränen gehören zu einer Hochzeit dazu. Im Lichte des Coronavirus fließen sie aber nicht selten aus Verzweiflung denn aus Freude: Die Pandemie lässt zunehmend Hochzeitsträume platzen.

Kreis Unna

, 17.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brautpaare stehen mitunter fassungslos vor den Planungen für ihre Hochzeit. Was eigentlich der schönste Tag im Leben werden soll, droht nun zum Desaster zu werden: Behörden im Krisenmodus, strenge Auflagen für Gastronomiebetriebe – und Kirchen sagen mehr und mehr Gottesdienste ab. Da gibt’s auch für Brautpaare keine Gnade.

Immerhin: Die Standesämter in der Region verheiraten weitestgehend noch, wenn Brautpaare auf ihren bereits vereinbarten Termin bestehen; allerdings unter strengen Auflagen. Gäste sind teilweise tabu. Ein Überblick:

„Es gibt sicher schönere Umstände für eine Hochzeit.“
Christoph Ueberfeld, Stadt Unna

  • In Unna gilt die Devise: „Wer jetzt zwingend heiraten möchte, dem wird das sicher nicht verwehrt“, erläutert Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. Auch er weiß, dass es „sicher schönere Umstände“ gibt als diese: Im Zweifel werden nur der Standesbeamte und das Brautpaar zugelassen, weder Trauzeugen noch Gäste. In nächster Zeit sind drei Hochzeiten geplant, die Stadtverwaltung wird mit den Brautpaaren Kontakt aufnehmen.
  • Das Standesamt der Stadt Kamen empfiehlt: Wer kann, sollte seine Trauung verschieben – bis zum 19. April sind gegenwärtig 15 Trauungen geplant. Vonseiten des Standesamtes werden keine Termine abgesagt, allerdings wird darum gebeten, möglichst wenig Gäste mitzubringen. Auch hier geht’s um den Sicherheitsabstand zueinander im Trauzimmer. „Zur Not könnten wir auch auf andere Räumlichkeiten ausweichen“, verweist Stadtsprecher Peter Büttner etwa auf die Stadthalle. „Das würden wir aber gerne vermeiden.“
  • Sofern die Brautpaare an ihren Terminen festhalten, führt das Standesamt der Stadt Bergkamen alle geplanten Hochzeiten durch – und das sind bis zum 19. April acht. Allerdings dürfen aus Gründen des Infektionsschutzes maximal zehn Leute dabei sein; das Ehepaar eingeschlossen.

Die Fröndenberger Kettenschmiede ist für Hochzeiten beliebt: Mehrere Hundert Zeremonien finden hier jedes Jahr statt. Im Moment erstmal keine: Die Location ist wegen der Corona-Pandemie vorerst tabu.

Die Fröndenberger Kettenschmiede ist für Hochzeiten beliebt: Mehrere Hundert Zeremonien finden hier jedes Jahr statt. Im Moment erstmal keine: Die Location ist wegen der Corona-Pandemie vorerst tabu. © Archiv / privat

  • In Fröndenberg sind Hochzeiten im beliebten Kettenschmiedemuseum vorerst tabu, das Standesamt führt Trauungen bis auf Weiteres ausschließlich im Rathaus durch; dann allerdings, ohne dass weitere Gäste dabei sein dürfen. Bis zum 19. April sind aktuell noch sechs Hochzeiten geplant, das Standesamt will die Brautpaare allesamt kontaktieren und Terminverschiebungen besprechen.
  • In der Gemeinde Holzwickede waren bis zum 19. April sechs Hochzeiten geplant, ein Brautpaar hat bereits abgesagt. Das Standesamt der Gemeinde wird versuchen, auch die weiteren Termine in Absprache mit den Brautpaaren zu canceln. Ist das im Einzelfall nicht möglich, findet die Zeremonie in den Räumlichkeiten am Eco Port statt – dann allerdings dürfen werde Trauzeugen noch andere Gäste dabei sein. Alternativen gibt es nicht. Emscherquellhof und Haus Opherdicke stehen vorläufig nicht zur Verfügung.

Kirchliche Hochzeiten im pastoralen Raum Unna abgesagt

Rigoroser als die Behörden sind mitunter die Kirchen. Hochzeiten und Taufen werden mindestens bis zum 19. April abgesagt, teilte etwa Paul Mandelkow für den Pastoralen Raum Unna mit. Wer sich in Unna, Fröndenberg oder Holzwickede in nächster Zeit das Ja-Wort in einer katholischen Kirche geben wollte, hat die Hiobsbotschaft bereits erhalten.

„So eine Lösung wird aber sicher ganz anders aussehen, als das Paar sich seine Hochzeit ursprünglich vorgestellt hat.“
Dietrich Schneider, Kirchenkreis Unna

Mandelkow verwies auf eine Dienstanweisung des Erzbistums Paderborn an alle Geistlichen, wonach Trauungen gegenwärtig nicht in einer öffentlichen Feier begangen werden können. Wer triftige Gründe hat, an seinem Hochzeitstermin festzuhalten, wird auch vor Gott verheiratet – dann aber nur im Beisein zweier Trauzeugen, ohne Ausnahme.

Ähnlich hält es auch die Evangelische Kirche im Kreis Unna. Man werde in jedem Falle eine Lösung zwischen Brautleuten und Seelsorger finden, so Dietrich Schneider vom Kirchenkreis auf Nachfrage. „So eine Lösung wird aber sicher ganz anders aussehen, als das Paar sich seine Hochzeit ursprünglich vorgestellt hat.“ Heißt: Wer seine Hochzeit aus welchen Gründen auch immer nicht verschieben kann, wird kirchlich getraut – dann aber im äußerst kleinen Kreis. Vorstellbar sei auch, dem Paar vielleicht erstmal nur den Segen zu geben und eine große Trauung zu einem späteren Zeitpunkt zu feiern. „In dieser Zeit des Unvorstellbaren helfen wir – und wir werden Lösungen finden“, so Schneider.

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