Coronavirus: Kann das Virus über Lebensmittel, Bargeld oder Türklinken übertragen werden?

dzFragen an die Redaktion

Die Ausbreitung des Coronavirus verunsichert weiter viele Menschen. Wir versuchen, offene Fragen zu klären – möglichst einfach und verständlich. Heute: Wie wird das Virus eigentlich übertragen?

Kreis Unna

, 04.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bekannt ist der Übertragungsweg von Mensch zu Mensch, über die sogenannte Tröpfcheninfektion. Das heißt: Ein Corona-Infizierter verteilt die Viren weiter, wenn er jemand anderem ins Gesicht hustet oder niest (direkte Infektion über die Schleimhäute der Atemwege).

Indirekt kann er jemanden zum Beispiel über Händeschütteln infizieren. Wenn das Gegenüber sich danach ins Gesicht fasst, können die Viren ebenfalls über die Mund- oder Nasenschleimhaut in den Körper gelangen. Auch eine Infektion über die Augenschleimhaut ist möglich.

Einhaltung von Hygieneregeln ist das Wichtigste

Deshalb gilt die Einhaltung der Kontakt- und Hygieneregeln, auf die Virologen, Ärzte und Politiker seit Wochen immer wieder pochen, nach wie vor als wichtigster Schutz gegen das Virus: mindestens 1,5 Meter Abstand zum Gegenüber halten, Verzicht auf Händeschütteln, in die Armbeuge husten oder niesen, regelmäßiges und gründliches Händewaschen.

Wie aber verhält es sich mit einer möglichen Virenübertragung auf Oberflächen? Eine lange Liste von möglichen Übertragungswegen hat unser Leser Dietmar Imhof aus Unna unserer Redaktion dazu geschickt – verbunden mit der Frage, ob das Virus beispielsweise auch über Verpackungen von Lebensmitteln, Bargeld, Kartenlesegeräten, Türklinken oder Klobrillen übertragbar ist.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Nein, aber...

Das Robert-Koch-Institut verweist an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das BfR sagt zu der Frage ganz klar: „Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg [als von Mensch zu Mensch; Anm. d. Red.], etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben.“

Auch für andere Coronaviren seien keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt.

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Es gibt jedoch auch ein „Aber“: Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind laut BfR durch Schmierinfektionen denkbar. Heißt im Klartext: Hat ein Infizierter zuvor auf den Einkaufswagen gehustet, den ich mir nehme und ich fasse mir danach ins Gesicht, könnte ich mich ebenfalls infizieren. „Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich“, heißt es vom BfR weiter.

Was ein „kurzer Zeitraum“ ist, wird nicht näher benannt. Denn die Überlebensdauer von Coronaviren in der Umwelt hänge von vielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der Beschaffenheit der Oberfläche ab. Forschungen dazu laufen.

Wie das BfR weiter mitteilt, zeigen erste Laboruntersuchungen einer amerikanischen Arbeitsgruppe, dass Sars-CoV-2 nach starker Kontamination bis zu drei Stunden als Aerosol (Teilchen in der Luft), bis zu vier Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu zwei bis drei Tagen auf Edelstahl und Plastik nachweisbar bleiben kann.

Fazit: Die Übertragung des Coronavirus über Gegenstände wurde bisher nicht nachgewiesen. Sie gilt als eher unwahrscheinlich, aber nicht als ausgeschlossen.

Die sichersten Methoden, um sich gegen eine Ansteckung zu schützen, sind deshalb auch nach Berührungen von Gegenständen, wie sie etwa beim Einkaufen unvermeidlich sind: Hände waschen und sich nicht ins Gesicht fassen.

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