Coronavirus: Kein Grund zur Panik – aber manche kaufen 40 Flaschen Desinfektionsmittel

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Nach dem Coronavirusfall im Kreis Heinsberg (NRW) bereitet sich auch der Kreis Unna auf den Ernstfall vor. Die Nachfrage nach Mundschutzen und Desinfektionsmitteln steigt rasant.

Kreis Unna

, 26.02.2020, 11:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland aus. Nach einem Fall in Baden-Württemberg wurde am Dienstagabend der erste Fall in NRW bestätigt. Im Kreis Heinsberg am Niederrhein bleiben deshalb an diesem Mittwoch Schulen, Kitas und Verwaltungen geschlossen.

Coronavirus: Der Kreis Unna warnt vor Panikmache

Über derartige Maßnahmen hätte im Kreis Unna zunächst das Kreisgesundheitsamt zu entscheiden – nicht etwa die Städte und Gemeinden, wie Constanze Rauert als Sprecherin des Kreises Unna gegenüber unserer Redaktion erklärt. Allerdings gebe es keinen Grund zur Hektik oder Panikmache: „Wir dürfen jetzt nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“

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Verdachtsfall aus Kamen hat sich Ende Januar nicht bestätigt

Der Kreis Heinsberg sei relativ weit entfernt, die durch den Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit würde wie jede andere meldepflichtige Krankheit behandelt.

Dass die Strukturen im Kreis Unna im Ernstfall wirkungsvoll greifen, habe bereits der Verdachtsfall auf Coronavirus vor einigen Wochen gezeigt. Ein Mann aus Kamen war Ende Januar mit dem Verdacht einer Infizierung ins Marien-Hospital Lünen eingewiesen und vorsorglich isoliert worden.

Der Kamener war zuvor vier Wochen lang beruflich in der stark betroffenen chinesischen Region Wuhan zu Gast gewesen, weshalb der Verdacht einer Infizierung mit dem Coronavirus nahegelegen hatte. Bestätigt hatte er sich jedoch nicht.

Mundschutz und Desinfektionsmittel in Apotheken teils ausverkauft

Dennoch sind viele Menschen im Kreis Unna besorgt. So sind etwa in Unna in mehreren Apotheken bereits die Mundschutze ausverkauft, ebenso die Desinfektionsmittel.

Beyza Erol, pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte aus der Ring-Apotheke in Unna, berichtete am Mittwochvormittag, dass schon am Morgen mindestens zehn Kunden da gewesen seien, die einen Mundschutz haben wollten. Selbst auf der Straße sei die Apotheken-Mitarbeiterin angesprochen worden.

„Die Sorge geht seit gestern wieder viral“, so ihre Einschätzung. Deshalb sorge die Apotheke auch weiterhin vor: „Der Chef hat weitere Mundschutze bestellt“, sagt Erol. Einige Bestellungen seien aber vom Großhandel storniert worden, weil dieser selbst nichts mehr auf Lager hatte.

Die partikelfilternde Halbmaske soll besser vor einer Ansteckung schützen, als die einfache Variante aus Vlies, sagt Marion Schwalk aus der Eulen-Apotheke in Unna.

Die partikelfilternde Halbmaske soll besser vor einer Ansteckung schützen, als die einfache Variante aus Vlies, sagt Marion Schwalk aus der Eulen-Apotheke in Unna. © Vivien Nogaj

Zusätzlich haben die Mitarbeiter der Ring-Apotheke ein Infoblatt mit den wichtigsten Informationen über das Virus für die Kunden zusammengestellt. Auch Schutzmaßnahmen, um eine Ansteckung zu vermeiden, sind dort aufgelistet. Es sind denkbar einfache Hygiene-Regeln: regelmäßig Hände waschen, Türklinken-Drücken vermeiden, in die Armbeuge statt in die Hand niesen.

Vorerst keine Schließung von Schulen oder Kitas

Auch wenn bis jetzt kein Corona-Fall im Kreis eingetreten ist, würden im Ernstfall sofort alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, so Kreissprecherin Constanze Rauert am Mittwoch. Wie genau die aussehen würden, sei aber davon abhängig, wo der Fall auftrete und wie viele Infizierte es gäbe. Die Schließung etwa von Schulen und Kindergärten sei dann nicht auszuschließen – aber auch keine zwingende Konsequenz.

40 Flaschen Desinfektionsmittel im Drogeriemarkt gekauft

Obwohl längst kein Grund zur Panik besteht, decken sich auch bei der Drogerie-Kette „dm“ in Unna die Kunden bereits in überdurchschnittlichem Maß mit Desinfektionsmitteln ein. „Ich habe gestern 40 Flaschen davon an eine einzige Person verkauft“, sagte eine Mitarbeiterin der Drogerie am Mittwoch.

Kunden decken sich in Drogeriemärkten mit Desinfektionsmitteln ein

Der Unnaer Thorsten Ligges hat entsprechende Sicherheitsvorkehrungen mit zwei kleinen Fläschchen Händedesinfektionsmittel zwar wesentlich entspannter getroffen, ein wenig besorgt sei er jedoch trotzdem, wie er sagte: „Es ist schon erschreckend, wie schnell sich das Virus jetzt verbreitet.“

Der Unnaer Thorsten Ligges kauft sich vorsichtshalber zwei Fläschchen Desinfektionsmittel in einer Drogerie.

Der Unnaer Thorsten Ligges kaufte sich am Mittwoch vorsichtshalber zwei Fläschchen Desinfektionsmittel in einer Drogerie. © Vivien Nogaj

Da der Dachdecker durch seinen Beruf oft mit Kunden in Kontakt stehe, Hände schüttele und sich an Treppengeländern festhalte, will er sich die Hände nun öfter desinfizieren.

Kreis meldet ans Ministerium und Robert-Koch-Institut

Wenn sich das Virus weiter ausbreite, könne es sein, dass das kein Thema mehr für eine einzelne Gesundheitsbehörde, sondern für höhere Stellen sei, so Kreissprecherin Constanze Rauert weiter.

Ohnehin sieht die behördliche Meldekette vor, dass die Gesundheitsämter das Gesundheitsministerium und das Robert-Koch-Institut informieren müssen. „Die geben dann die Weichen vor“, so Rauert.

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