Coronavirus: Fünfter Todesfall im Schmallenbach-Haus in Fröndenberg

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Eine Hiobsbotschaft nach der anderen im Altenzentrum Schmallenbach-Haus, aber auch Freude über 100 Helfer in der Not: Die Senioreneinrichtung hat mittlerweile 50 infizierte Bewohner – und trauert um einen weiteren Verstorbenen.

Fröndenberg, Unna

, 06.04.2020, 18:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Pandemie entwickelt sich für das Schmallenbach-Haus in Fröndenberg zu einer Tragödie. Elf Bewohner wurden bis Montagnachmittag mit Symptomen wie Husten, Fieber und Atemnot in ein Krankenhaus eingeliefert. Zuvor waren am Wochenende vier Bewohner in eine Klinik gebracht worden. Damit befinden sich den Angaben zufolge nun knapp 20 Bewohner in stationärer Behandlung.

Geschäftsführer Heinz Fleck bestätigte am Montagnachmittag eine weitere Hiobsbotschaft: Eine Bewohnerin (92) ist am Sonntag mit oder an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Damit sind nun schon fünf Todesfälle zu beklagen.

Zahlreiche Bewohner der Caritas-Senioreneinrichtung, deren beiden Fröndenberger Standorte unter Quarantäne stehen, sind erkrankt. Durch Tests bestätigt sind laut Fleck die Infektionen bei 49 Bewohnern, das sind ungefähr doppelt so viele bis bisher bekannt, die Todesfälle nicht mitgerechnet. Dazu kommen nunmehr 31 infizierte Mitarbeiter, die sich in häuslicher Isolation befinden. Bislang waren die Fälle von zwei infizierten Pflegekräften bekannt gewesen.

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Die Ausfälle haben Lücken in die Dienstpläne gerissen, die mit vereinten Kräfte zu kompensieren sind. „Wir haben 100 Helfer aktiviert“, sagte Fleck. So gehe es darum, die Pflegekräfte von jenen Tätigkeiten zu entlasten, für die sie fachlich nicht notwendig sind. Tätigkeiten in den Wohnbereichen wurden anders organisiert. „Wir reinigen die Wohnbereiche nicht mehr selbst, sondern lassen reinigen.“ Hauswirtschaftskräfte stünden nun für die Betreuung der Bewohner zur Verfügung – „vom Essen-Reichen bis zum Geschichten-Erzählen“. Zudem müsse nicht mehr auf den Wohnbereichen gespült werden, sondern dies geschehe nun zentral in der Küche.

Gelegen kommt dem Schmallenbach-Haus in der Corona-Krise, dass jetzt viele Menschen zu Hause sind und sich selbst um die Pflege ihrer Angehörigen kümmern können. Dadurch hat der hauseigene ambulante Pflegedienst weniger zu tun und kann nun die stationäre Pflege unterstützen. Fleck betont, dass die Trennung von ambulanter und stationärer Pflege weiterhin gewährleistet sei.

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Im derzeitigen Ausnahmezustand spielen sich dramatische Szenen ab. So mussten die „Schmalli“-Mitarbeiter erst herumtelefonieren, um einen Arzt zu bekommen, der die Bewohner ins Krankenhaus einwies. „Die Kassenärztliche Vereinigung bemüht sich jetzt, dass wir einen Arzt bekommen, der stundenweise bei uns ist“, sagte Fleck.

Eine Ungewissheit konnte auch das Kreisgesundheitsamt dem Team am Montag nicht nehmen. Es stehen immer noch zahlreiche Testergebnisse aus. „Es fehlen die Ergebnisse von 90 Mitarbeitern und 160 Bewohnern“, sagte Fleck.

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