Coronavirus: Die Ausläufer des Ausbruchs bei Tönnies erreichen den Kreis Unna

dzKreisgesundheitsamt ermittelt

Der Kreis Unna bleibt trotz steigender Corona-Fallzahlen noch weit unter der roten Linie für neue Corona-Beschränkungen. Derweil erreichen Auswirkungen der Infektionswelle beim Gütersloher Fleischbetrieb Tönnies die Region.

Kreis Unna

, 19.06.2020, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Infektionswelle beim Schlachtbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh wirkt sich bis in den Kreis Unna aus. Am Freitag wurde bekannt, dass ein in Lünen wohnender Tönnies-Mitarbeiter mit dem Virus infiziert ist. Mit ihm steht auch eine Mitarbeiterin des Marien-Hospitals in Lünen in Kontakt, die ebenfalls infiziert ist. Das Krankenhaus stoppte daraufhin Neuaufnahmen in die Gynäkologie.

51 Menschen im Kreis Unna sind aktuell nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Über 30 neue Corona-Fälle sind innerhalb der vergangenen Woche hinzu gekommen. Schul- und Kita-Kinder in Werne sowie Menschen in ihrem Umfeld machen einen großen Teil des jüngsten Zuwachses aus. Das Infektionsgeschehen rund um die Uhland-Grundschule, die Wiehagen-Grundschule sowie die Kitas Pfiffikus und Lütkeheide beschäftigt die Behörden. Am Freitag gab es in der zweiten Kita weitere Tests, deren Ergebnisse am Wochenende erwartet werden. Am selben Tag wurden im Kreis Unna insgesamt drei Neuinfektionen gemeldet, die beiden Fälle aus Lünen sowie ein Kind der Wiehagen-Grundschule.

Eine neue Baustelle kam am Freitag hinzu. Das Kreisgesundheitsamt befasst sich damit, im Kreis Unna wohnende Mitarbeiter des Güterslohner Fleisch-Produzenten Tönnies zu kontaktieren und unter Quarantäne zu stellen. Die Bezirksregierung Arnsberg hat der Gesundheitsbehörde am Nachmittag eine Liste mit Angaben des Unternehmens zu im Kreis Unna wohnenden Tönnies-Mitarbeitern übermittelt.

„Die Daten werden derzeit gecheckt, um im nächsten Schritt über die örtlichen Ordnungsämter eine Quarantäne anzuordnen“, teilte das Kreisgesundheitsamt mit. In einem weiteren Schritt gehe es um die Ermittlung von Kontaktpersonen. „Allen, die wissen oder glauben, zu diesem Personenkreis zu gehören, wird auch auf diesem Wege empfohlen, sich vorsichtshalber in Quarantäne zu begeben“, so das Kreisgesundheitsamt. Wie viele Tönnies-Mitarbeiter auf der Liste stehen, blieb offen. Die Liste sei noch nicht abschließend geprüft.

Der in Lünen wohnende Tönnies-Mitarbeiter war bei den in Gütersloh veranlassten Reihenuntersuchungen positiv auf Covid-19 getestet worden. Keine Anhaltspunkte gab es zunächst dafür, dass weitere Infektionsfälle im Kreis Unna mit dem Ausbruchsgeschehen bei Tönnies im Zusammenhang stehen.

Bergkamen ordnet Quarantäne für 14 Bürger an

Der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer (SPD) meldete am Abend via Facebook lokale Auswirkungen des Corona-Ausbruchs. „Heute hat das städtische Ordnungsamt 14 Personen in unserer Stadt unter Quarantäne stellen müssen“, so Schäfer. Der Bürgermeister ließ offen, wie viele Tönnies-Mitarbeiter unter den 14 Personen sind und wie viele Kontaktpersonen von Tönnies-Mitarbeitern. Schäfer richtete einen Appell an die Bürger: „Nicht leichtsinnig werden, Abstandsgebot, Maskenpflicht und Händewaschen weiter ernst nehmen!“

Ministerpräsident sieht Problem in Streuung der Wohnorte

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sieht ein großes Problem in der breiten Streuung der Wohnorte der Tönnies-Beschäftigten. Laschet sprach am Freitag in Düsseldorf von einer schwierigen Lage, weil die Mitarbeiter des Schlachtbetriebs neben dem Kreis Gütersloh auch in Warendorf, Soest, Bielefeld, Hamm und anderen Orten lebten. Diese Streuung berge eine enorme Pandemiegefahr. Laschet schließt nach dem massiven Corona-Ausbruch bei Tönnies mit Hunderten Infizierten einen regionalen Lockdown nicht mehr aus.

Der Kreis Unna ist derweil noch weit von der Obergrenze entfernt, die laut einer Bund-Länder-Vereinbarung neue Corona-Beschränkungen auslösen könnte. Wenn mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen registriert werden, drohen neue Beschränkungen. Der Wert im Kreis Unna lag am Freitag bei 9,1. Zum Vergleich: In NRW liegt er bei 6,0. Im Kreis Gütersloh im Zentrum wurde ein Wert von 213 gemeldet – mehr als das Vierfache der Obergrenze.

Seit Beginn der Pandemie haben sich im Kreis Unna 724 Menschen mit dem Sars-CoV-2 infiziert. Davon gelten 635 wieder als gesund, 38 sind gestorben. Die aktuell Infizierten verteilen sich auf Holzwickede (5), Kamen (1), Schwerte (19), Unna (2) und Werne (19). Bergkamen, Bönen, Fröndenberg und Selm gelten als coronafrei.

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