Coronavirus: Facharzt aus Unna ist wütend über mangelnde Unterstützung

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Wer schützt eigentlich die Ärzte vor dem Coronavirus? Diese Frage wirft ein Facharzt aus Unna auf. In seiner Praxis stand plötzlich eine Patientin aus dem Kreis Heinsberg.

Kreis Unna

, 01.03.2020, 12:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Sie können sich auf unsere Ärzte verlassen.“ Diese Aussage des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sorgt bei einem Unnaer Arzt für Wut. „Natürlich können sich unsere Patienten auf uns verlassen, aber auf wen können wir uns denn verlassen? Wir bekommen keinerlei Infos“, klagt der Facharzt, der lieber anonym bleiben möchte, unserer Redaktion aber bekannt ist. Das, was er in dieser Woche in seiner Praxis erlebt hat, macht ihn wütend.

„Das kann doch nicht sein, dass ich in einer akuten Situation als Arzt alle möglichen Stellen anrufen muss und keiner kann mir kurzfristig etwas sagen.“
Ein Facharzt aus Unna, der eine Patientin aus dem Kreis Heinsberg in seiner Praxis hatte

Orthopädische Probleme oder auch chirurgische Eingriffe sind das Spezialgebiet der Praxis in Dortmund, die der Unnaer betreibt. Nicht unbedingt die erste Anlaufstelle, wenn jemand den Verdacht hat, am Coronavirus erkrankt zu sein. Doch was, wenn jemand das Virus hat, es aber gar nicht weiß und zu einem Termin in die Praxis kommt? Wie jene Patientin aus dem Kreis Heinsberg, die in dieser Woche in der Praxis des Unnaers auftauchte.

„Sie hatte einen lange vereinbarten Termin, war an der Anmeldung und wurde dann ins Behandlungszimmer geschickt. Als ein Kollege sich die Akte angesehen hat, stellte er fest, dass sie aus dem Kreis Heinsberg kommt“, schildert der Facharzt die Situation, die schlagartig hektische Betriebsamkeit in der Praxis auslöste. Sie habe keine Symptome, daher sei sie wie geplant zu dem Termin gekommen, habe die Patientin gesagt.

Allein die Tatsache, dass sie aus dem Kreis Heinsberg stamme, habe ihn aber veranlasst, beim Gesundheitsamt der Stadt Dortmund anzurufen, so der Arzt. „Wir wollten wissen, was wir jetzt tun sollen“, so der Unnaer.

Tatsächlich müssen laut Anweisung des Bundesgesundheitsministeriums seit dem 1. Februar bereits Verdachtsfälle auf das Coronavirus dem örtlichen Gesundheitsamt gemeldet werden.

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Doch beim Gesundheitsamt kam der Anruf nicht durch. Der Unnaer rief beim Landesgesundheitsamt an. „Die haben mich dann wiederum an das Gesundheitsamt zurück verwiesen. Das kann doch nicht sein, dass ich in so einer akuten Situation als Arzt alle möglichen Stellen anrufen muss und keiner kann mir kurzfristig etwas sagen. Es gibt keine direkte Nummer, an die wir uns wenden können.“

Zum Schutz seiner Mitarbeiter und der anderen Patienten haben er und seine Kollegen die Praxis desinfiziert, nachdem die Patientin gegangen war. „Wir haben quasi den ganzen Raum abgewaschen. Aber eigentlich bräuchten wir dafür Desinfektionsmittel ganz anderer Art. Nur die bekommen Sie nirgends mehr“, klagt der Arzt. Natürlich werde schon lange vor Corona in der Praxis auf Hygienestandards geachtet, betont er: „Wir haben in jedem Zimmer ein Waschbecken, Seife und Desinfektionsmittel.“

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Er fühlt sich von der Politik allein gelassen. „Was ist denn mit Gynäkologen, den Psychologen, den Neurologen? Wie werden die denn im Umgang mit Patienten geschützt? Wir haben versucht, Schutzanzüge und Mund-Nasenschutz zu bestellen; doch die kriegen Sie frühestens in zwei Wochen wieder.“ Ihn ärgert es, dass er keinerlei Beratungsangebote bekommt, wie er in einem so konkreten Fall wie in dieser Woche vorgehen soll. Denn dass potenzielle Corona-Patienten nicht nur in Hausarztpraxen auftauchen, liege auf der Hand. „Da wünsche ich mir einfach eine verlässliche Beratung für uns Fachärzte, damit wir richtig handeln können – und dabei nicht allein gelassen werden.“

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