Coronavirus bremst Amtsgerichte in Unna und Kamen aus

dzJustiz

Leuchtend rote Zettel an Türen und Wänden, abgesperrte Bereiche und mindestens eineinhalb Meter Abstand: Die Amtsgerichte in Unna und Kamen reagieren auf die Corona-Pandemie.

von Sylvia Mönnig

Unna, Kamen

, 23.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den Fluren und in den Foyers der Amtsgerichte in Unna und Kamen herrscht eine ungewöhnliche, angespannte und fast unangenehme Ruhe. Da, wo sonst jeden Tag zahllose Menschen entlanggehen oder warten, geschieht kaum noch etwas.

Allerdings sind es auch keine normalen Gerichtstage. Innerhalb kürzester Zeit hat die Justiz vor Ort in Abstimmung mit dem Justizministerium das umgesetzt, was getan werden muss, um Leben zu retten. Und das bedeutet, dass der Zugang zu den Gerichten für Besucher im Moment nur in eingeschränkter Form möglich ist.

Personal wurde reduziert

Nur noch eilige Dinge, die keinen Aufschub dulden, können erledigt werden und auch das Personal wurde mit dem Ziel reduziert, den Arbeitsbetrieb dauerhaft aufrechterhalten zu können. Personen, die Symptome einer Corona-Erkrankung zeigen, innerhalb der letzten zwei Wochen Kontakt mit einer infizierten Person hatten oder sich in den letzten 14 Tagen in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben, dürfen die Gebäude nicht betreten.

Coronavirus bremst Amtsgerichte in Unna und Kamen aus

© Sylvia Mönnig

„Alles dient dem Schutz der Beschäftigten und der Besucherinnen und Besucher.“
Annette Rodehüser

„Wir haben den Erlass des Justizministeriums umgesetzt und uns an die aktuelle Situation angepasst. Alles dient dem Schutz der Beschäftigten und der Besucherinnen und Besucher“, erklärt Annette Rodehüser, Direktorin des Amtsgericht Unna, und betont an anderer Stelle: „Auch wir sind bemüht, Kontakt so weit wie möglich zu reduzieren, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.“

Sitzungsbetrieb drastisch eingeschränkt

Der Sitzungsbetrieb sei drastisch reduziert – wobei die Öffentlichkeit natürlich gewahrt sei. Sie bittet die Bürger, Kontakt zum Gericht schriftlich oder telefonisch aufzunehmen. Eilige Sachen und Anträge werden nur noch in einem Raum in der Nähe des Eingangs angenommen. Ihr Appell: „Suchen Sie uns bitte nur in dringenden Fällen auf!“

Wer im Amtsgericht Unna unterwegs ist, wird gestoppt, wo der Zugang nicht unbedingt erforderlich ist.

Wer im Amtsgericht Unna unterwegs ist, wird gestoppt, wo der Zugang nicht unbedingt erforderlich ist. © Sylvia Mönnig

Das, was in den vergangenen Tagen umgesetzt wurde und das, was vermutlich noch kommt, erfordert Kraft und Courage. Annette Rodehüser ist stolz auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtsgerichts Unna: „Ich finde wirklich toll, wie alle mitarbeiten, um das umzusetzen. Das ist für uns alle eine neue Situation. Alle wirken mit – mit Vorschlägen und tatkräftiger Umsetzung.“

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Schriftlich und telefonisch erreichbar

Ganz ähnlich sieht das Christoph Hommel, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts in Kamen, mit Blick auf die ungewöhnliche Situation und Maßnahmen, die in den vergangenen Tagen zum Schutz aller, der Mitarbeiter und Besucher, getroffen werden mussten.

Auch in Kamen würden Eilsachen selbstverständlich erledigt, nicht eilige Sache würden sich im Augenblick sicherlich etwas verzögern. Das Personal sei ebenfalls reduziert, um die Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden und auf diese Weise dauerhaft einsatzfähig zu bleiben. Gleichzeitig betont er: „Schriftlich und telefonisch sind wir auf jeden Fall zu erreichen.“

Coronavirus bremst Amtsgerichte in Unna und Kamen aus

© Sylvia Mönnig

„Alle haben an einem Strang gezogen. In der Not halten hier alle offenbar sehr gut zusammen.“
Christoph Hommel

So wie seine Kollegin in Unna ist auch der stellvertretende Direktor Christoph Hommel stolz auf das Engagement und die Tatkraft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser Ausnahmesituation: „Bei uns im Haus ist mir von allen Seiten Hilfe entgegengekommen. Alle haben an einem Strang gezogen. In der Not halten hier alle offenbar sehr gut zusammen.“

Und noch etwas haben Annette Rodehüser und Christoph Hommel gemein. Sie beenden die Interviews unabhängig voneinander mit den Worten, die das zum Ausdruck bringen, worum es im Moment einzig und allein gehen sollte: „Bleiben Sie gesund.“

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