Der Sohn einer Bergkamener Familie ist möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert. Er besucht die Kettelerschule und befindet sich in Quarantäne. Die Mutter erzählt, wie sich das für die Familie anfühlt.

Kreis Unna

, 11.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir sollen abwarten und beobachten, ob er Symptome zeigt, sich anders verhält, Luftnot bekommt oder andere typische Sachen, die einem Angst machen. Für uns ist das sehr schwierig, weil er sowieso erkältet ist.“ Das sagt eine Mutter, deren Sohn sich derzeit auf Anordnung des Kreisgesundheitsamts in Quarantäne befindet. Der Junge steht im Verdacht, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, weil er Kontakt zu einem infizierten Kind hatte.

Der Sohn der Bergkamenerin (Name der Redaktion bekannt) besucht die Klasse 3c der Kettelerschule in Rünthe – jene Klasse, die derzeit unter Quarantäne steht, weil sie Kontakt zum evangelischen Arche-Noah-Kindergarten hatte. Dort ist ein Kind mit Covid-19 infiziert. Zum Kontakt kam es bei dem Projekt „Bücherkumpel“, bei dem die Drittklässler die Kindergartenkinder treffen. Die älteren Kinder lesen den jüngeren einmal im Monat vor.

Bergkamener Kind unter Quarantäne bekam es mit der Angst zu tun

Schauen zwei Kinder in ein Buch, kann es freilich zu engem Kontakt kommen – und möglicherweise zur Übertragung des Virus. Diese Möglichkeit führte dazu, dass sich die Kinder der 3C auf Anweisung des Gesundheitsamtes des Kreises derzeit in Quarantäne befinden. Am Sonntagmorgen habe die Bergkamener Mutter den Anruf bekommen, dass ihr Kind bis zum 16. März in Quarantäne bleiben müsse.

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Es liegt nahe, dass diese unerwartete Anweisung einigen Kindern zunächst Angst gemacht hat. So auch dem Sohn der Bergkamenerin. „Durch die Berichte in den Medien hat er erst mal Angst bekommen. Ich musste ihm dann erst mal in Ruhe erklären, dass es ihm eigentlich gut geht und dass nur das erkrankte Mädchen Schnupfen und Husten hat. Und dass wir jetzt aufpassen müssen, dass es ihm weiterhin gut geht.“ Das habe er dann auch verstanden. „Er weiß sich zu beschäftigen, er schläft aus und nutzt das aus“, sagt die Mutter.

Ihr Sohn dürfe laut den Anordnungen, die die Familie bekommen hat, sogar in den Garten oder Spazieren gehen. „Er darf sich nur nicht mit anderen Leuten unterhalten, zum Bäcker gehen oder Ähnliches. Dass das Wetter so blöd ist, macht es natürlich schwieriger.“ Dramatisch sei die Situation für den Jungen aber nicht.

Das Leben der Familie hat die Situation aber schon ordentlich auf den Kopf gestellt.

Die Eltern des Kindes stehen nicht unter Quarantäne

Zwar stehen die Eltern nicht unter Quarantäne – was die Mutter etwas gewundert hat – aber dennoch ist der Alltag deutlich eingeschränkt.

Während ihr Mann noch arbeiten geht, muss sie zu Hause bleiben und ihren Sohn betreuen. Einkäufe müssten sie nicht bunkern, weil die Eltern des Kindes schließlich noch einkaufen gehen könnten. „Aber es ist ja sowieso nichts mehr da“, sagt die Bergkamenerin mit Blick auf die Hamsterkäufe, die offenbar viele Bergkamener betreiben.

Kinder beim Lesekumpel-Projekt der Ketteler-Grundschule.

Kinder beim Lesekumpel-Projekt der Ketteler-Grundschule. © Stefan Milk/Archiv

Sie und ihr Sohn vertreiben sich die Zeit, so gut es geht. Er mache Hausaufgaben und lerne für die Schule, die beiden spielen viele Spiele. „Wir sind schon sehr eingeschränkt“, gibt sie zu. Dass sie sich ihrem Sohn gegenüber anders verhalten soll, habe ihr aber niemand vorgeschrieben. „Er bekommt weiterhin seine Schmuse-Einheiten und Gutenachtküsschen. Wenn, dann ist es eh zu spät“, sagt sie. Wie sich die Menschen, die sich unter Quarantäne befinden, zu verhalten haben, gibt das Gesundheitsamt vor.

Kinder wurden am Dienstag in der Kettelerschule in Rünthe getestet

Stichwort

Häusliche Quarantäne

  • Häusliche Quarantäne kann durch das Kreisgesundheitsamt angeordnet werden. In diesem Fall sind besondere Hinweise und Hygieneregeln zu beachten. Diese stehen in einem Bescheid.
  • Betroffene können zum Beispiel angehalten werden, zweimal täglich ihre Körpertemperatur zu messen und ein Tagebuch zu Symptomen, Körpertemperatur, allgemeinen Aktivitäten und Kontakten zu weiteren Personen führen.
  • Kontakte zu anderen Personen sollen minimiert werden. Das heißt auch, dass man sich in einem anderen Raum als die anderen Haushaltsmitglieder aufhalten sollte und Mahlzeiten nicht gemeinsam, sondern getrennt einnehmen sollte.
  • Das Gesundheitsamt soll sich täglich melden und sich über die häusliche Quarantäne sowie über den Gesundheitszustand erkundigen.
  • Wer Krankheitssymptome zeigt, soll das Gesundheitsamt kontaktieren. Wer ärztliche Hilfe braucht , soll sich vorab informieren. Wer eine Kontaktperson einer Person ist, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert ist, soll das vorher sagen.

Die Kommunikation mit der Behörde soll nicht wirklich einwandfrei funktionieren. So habe die Frau direkt am Montag versucht, einen Termin zum Testen zu bekommen, weil sie Klarheit haben wollte. „Aber überall war dauerbesetzt.“ Sie kennt drei Mütter, die es geschafft haben, ihre Kinder gleich Montag testen zu lassen. Die anderen Eltern bekamen dann am Nachmittag eine Nachricht aus der Schule. Am Dienstag sollten alle möglicherweise infizierten Kinder zur Schule kommen, um sich testen zu lassen.

Mutter und Kind erschienen beim Test-Termin. Die Erzählungen der Frau lassen darauf schließen, was für ein merkwürdiges Bild das abgegeben haben muss: „Die Kinder standen im Abstand von zwei Metern auf dem Schulhof verteilt und sind dann nach und nach zu dem Test gegangen“, beschreibt die Mutter.

Wann sie die Ergebnisse genau bekommen, wisse sie nicht. „Aber wir stehen trotzdem weiter unter Quarantäne. Auch wenn der Test negativ ausfällt“, sagt sie. Ab Dienstag könnte ihr Leben dann aber wieder normal weiterlaufen. „Das wünsche ich mir.“

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