Coronavirus: Behindertenwerkstätten sind geschlossen, außer für besondere Fälle

dzCoronavirus

Jetzt sind auch die Behindertenwerkstätten geschlossen. Die Perthes-Stiftung will einen Erlass des Landes umsetzen. Es gibt aber Ausnahmen: Einige Beschäftigte dürfen weiter kommen.

Bergkamen

, 19.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Mutter aus Bergkamen hat sich ernsthafte Sorgen um ihren Sohn gemacht, der in einer Behindertenwerkstatt der Perthes-Stiftung in Bergkamen arbeitet. Ihrem Sohn seien Hygiene- und Abstandsregeln wegen seiner Behinderung kaum zu vermitteln. „Das hat er, wenn er ich umdreht manchmal schon wieder vergessen“, sagt die Frau, die anonym bleiben will.

Die Mutter fürchtet, dass in den Behindertenwerkstätten das Coronavirus leicht weitergegeben wird. Es gebe gerade dort sicherlich viele Menschen mit Vorerkrankungen, die besonders gefährdet sind.

Lebenshilfe fordert Schließen der Werkstätten

Eine Sorge, die auch die Lebenshilfe NRW teilt. Der Landesverband der Lebenshilfe hatte bereits am Dienstag die sofortige Schließung der Werkstätten gefordert. Sie befürchtete ebenfalls, dass die Werkstätten zum „Corona-Katalysator“ werden. „Die Menschen mit Behinderung, die bekanntlich zur Risikogruppe gehören, können die Hygienevorgaben trotz Aufklärung nur schwer einhalten“, erklärte die Lebenshilfe.

Perthes-Stiftung weist auf Betreuungsfunktion hin

Das Kreisgesundheitsamt verwies noch am Dienstag darauf, dass es allein Sache des Trägers sei, eine Regelung zu treffen. Michael Dreiucker, der als Leiter des Geschäftsbereichs „Arbeit“ auch für die Hellweg-Werkstätten im Kreis Unna zuständig ist, sicherte allerdings schon an diesem Tag eine großzügige Lösung zu.

Perthes-Stiftung

Fünf Werkstätten, 800 Beschäftigte

  • Die Ev. Perthes-Stiftung betreibt im Kreis Unna die Hellweg-Werkstätten.
  • Sie haben insgesamt 800 Beschäftigte an insgesamt fünf Standorten.
  • In Bergkamen haben die Hellweg-Werkstätten drei Standorte: Den Hellweg-Industrie-Service an der Marina, die Werkstatt Schacht III und die Nicolai-Werkstatt in Oberaden.
  • In Kamen betreibt die Perthes-Stiftung die Martin-Luther-King-Werkstatt an der Südkamener Straße und in Unna die Dietrich-Bonhoeffer-Werkstatt an der Max-von-Laue-Straße.

Auch Arbeitnehmer in Behindertenwerkstätten könnten erst einmal drei Tage krankheitsbedingt zuhause bleiben. Auch anschließend könne es eine Lösung geben, wenn Angehörige sich Sorgen machen – zum Beispiel über eine Krankschreibung. Dreiucker wies darauf hin, dass die Werkstätten auch eine Betreuungsfunktion haben.

Mittlerweile hat ein Erlass des Landes vom Mittwoch für eine neue Situation gesorgt. Danach gilt ein „Betretungsverbot“ für die „Nutzer“ der Werkstätten – mit anderen Worten für die Beschäftigen mit einer Behinderung.

Sie sollen so weit wie möglich zu Hause bleiben, sagt Michael Dreiucker. Ein Teil von ihnen ist ohnehin selbstständig und hat eine eigene Wohnung. Andere sollen bei ihren Familien bleiben.

Weiter Betreuung in bestimmten Fällen

Es gilt allerdings Ausnahmen, die ähnlich sind wie bei Notgruppen in Kindertagesstätten: Menschen, die nicht angemessen zu Hause betreut werden können, dürfen auch weiterhin in die Werkstatt kommen, erklärt Dreiucker. Das gilt zum Beispiel, wenn Eltern oder Geschwister einen sogenannten unverzichtbaren Beruf haben. Die Regelung gilt vorerst bis zum 19. April.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Den Kommunen fehlen 30 Millionen Euro. Und: Über 2000 Menschen sind in Quarantäne. 15 neue Infektionen sind bekannt. Alle Entwicklungen im Kreis Unna im Liveblog. Von Carsten Fischer, Kevin Kohues, Dirk Becker, Alexander Heine

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Pandemie
Coronavirus im Schmallenbach-Haus eingedämmt – Weiterer Todesfall – Panne bei Tests
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus: Erste Krisenwelle bewältigt, aber keine Entwarnung – Landrat zur Lage im Kreis Unna