Coronavirus: Arbeitsmarkt „schwer getroffen“ – auch wenn man es noch nicht sieht

dzCorona-Krise

Weniger Arbeitslose trotz Coronavirus? Leider nein. Die aktuelle Statistik ist mit Vorsicht zu genießen. Der Arbeitsagentur-Chef sagt: „Corona hat den Arbeitsmarkt auch bei uns schwer getroffen.“

Kreis Unna

, 31.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Arbeitsmarkt und Wirtschaft im Kreis Unna haben sich über viele Jahre prima entwickelt, einem stetigen Wachstum bei den Beschäftigtenzahlen standen in den 2010er-Jahren stetig sinkende Arbeitslosenzahlen gegenüber.

Die Corona-Krise dürfte diese Entwicklung ins Gegenteil verkehren; darin sind sich auch heimische Arbeitsmarkt-Experten sicher. Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Unna, hat unlängst bereits von rund 10.500 zusätzlichen Hartz-IV-Anträgen gesprochen.

Am Dienstag meldete sich nun der Leiter der Arbeitsagentur Hamm, die auch für den Kreis Unna zuständig ist, zu Wort. „In diesem Monat hat Corona mit großer Wucht das gesamte Leben erschüttert und zum Teil stillgelegt. Dies gilt natürlich auch für den Arbeitsmarkt im Kreis Unna, wenngleich es in den aktuellen Zahlen noch nicht zum Ausdruck kommt“, sagt Agenturchef Thomas Helm.

Stichtag für die aktuellen Zahlen war der 12. März

Die aktuellen Zahlen wurden nämlich bereits zum Stichtag 12. März erhoben – und somit zu einem Zeitpunkt, an dem die Corona-Einschränkungen noch moderat waren. Und nur dadurch ist es erklärbar, dass die Zahlen gerade so aussehen, wie sie aussehen: Im Vergleich zum Februar zählte die Arbeitsagentur für den Kreis Unna 368 Arbeitslose weniger, führt nunmehr 14.292 in ihrer Statistik. Bezogen auf die zehn Städte und Gemeinden, sank die Zahl überall außer in Schwerte, wo bereits ein leichter Anstieg (+11) zu verzeichnen war.

Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 6,7 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 6,9 Prozent.

Arbeitsagentur: „Corona führt zu steigender Arbeitslosigkeit“

Die Arbeitsagentur kommentiert die Zahlen in ihrem Monatsbericht selbst mit dem Satz: „Vor Corona war die Welt noch in Ordnung.“ Bezogen auf die Statistik, müsse mindestens der Monat April für eine richtungweisende Aussage abgewartet werden.

Unabhängig von den Zahlen lässt Agenturchef Helm aber keinen Zweifel am Trend aufkommen. Seine Worte sind unverblümt und deutlich: „Corona hat den Arbeitsmarkt auch bei uns schwer getroffen und wird zu steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Beschäftigung führen.“

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Entscheidend für das Ausmaß sei, wie lange der derzeitige Stillstand andauern wird. Helms Hoffnung: „Wenn wir in den nächsten sechs bis acht Wochen zur Normalität zurückkehren können, rechnen wir ab der zweiten Jahreshälfte mit einer Entspannung und sinkender Arbeitslosigkeit. Dann profitieren wir davon, dass der Arbeitsmarkt vor Corona im Kreis Unna sehr stabil und die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch war.“

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