Bis zu 7000 Euro für ein Flugticket: Unnaer versuchen Sohn (20) aus Nicaragua heimzuholen

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Die Bundesregierung holt Touristen heim: Über diese Nachricht könnte Familie Dias aus Unna nur lachen, wenn sie nicht so verzweifelt wäre. Ihr Sohn (20) ist in Mittelamerika gestrandet - und braucht jetzt Glück.

Unna

, 20.03.2020, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Darcy Dias de Oliveira hatte sich für einen anderen Urlaub entschieden. Nicht als Pauschaltourist in einem Hotel in Ägypten brutzeln, sondern individuell mit Freundin und Rucksack durch Nicaragua reisen. So wollte das Paar rund fünf Wochen bis zum 8. April verbringen. Doch aus dem Abenteuer ist eine Krise geworden.

Lage spitzt sich zu

Als der junge Mann mit seiner Lebensgefährtin aufbrach, „spielte Corona noch kaum eine Rolle“, erinnert sich die Mutter, Anabela Dias de Oliveira aus Unna. Doch weltweit spitzt sich jetzt die Lage zu. Grenzen werden geschlossen, Flüge gestrichen. Menschen aus Europa würden mitunter in Ländern wie Nicaragua angefeindet, weil man fürchtet, sie seien infiziert, berichtet Dias. Insgesamt gibt es für die Familie seit dieser Woche nur noch ein Ziel: Die beiden jungen Leute sollen nach Hause. Aber wie?

Kritik: Bund kümmert sich vor allem um Pauschaltouristen

Zu Tausenden werden Touristen aus verschiedenen Ländern zurückgeholt. Die Ankündigung des Außenministers macht die Familie Dias zornig. Vor allem Pauschaltouristen aus den großen Zentren wie Marokko oder Ägypten würden öffentlichkeitswirksam heimgeholt, kritisieren die Unnaer. Der Eindruck: Die für Deutsche im Ausland zuständigen Behörden kümmerten sich um Individualreisende in weniger tourismusrelevanten Ländern derzeit kaum. Von der Botschaft hätte die Familie zwischenzeitlich den Rat bekommen, das Paar solle sich vor Ort in Managua eine Wohnung suchen und Lebensmittel beschaffen. Sie sollten sich selbst um eine Rückreise bemühen oder abwarten.

Stellungnahme

Das sagt das Auswärtige Amt

Auf eine Anfrage zum Fall Dias erhielten wir vom Auswärtigen Amt diese Auskunft: „Die Bundesregierung will allen gestrandeten Deutschen eine Rückkehr nach Deutschland ermöglichen. Wo noch Möglichkeiten zur Rückreise mit eigenen Mitteln bestehen, sollten diese genutzt werden. Wo dies nicht mehr möglich ist, bemühen sich die Auslandsvertretungen um Lösungen. Reisende sollten sich in der Krisenvorsorgeliste registrieren. Das Rückholprogramm ist in den am stärksten betroffenen Ländern gestartet, wo es die Lage erfordert, werden weitere Länder einbezogen. Über 96.000 Menschen sind in den letzten Tagen bereits zurückgekehrt.“

Rückreise, aber wie? Welches Land lässt noch Reisende hinein? Woher gibt es ein Transit-Visum, wenn die entsprechende Botschaft wegen Corona geschlossen ist? Mit zahlreichen Telefonaten, wenig Auskunft und wütenden E-Mails an Botschafter haben Dias‘ Eltern und die seiner Freundin die vergangenen Tage und Nächte verbracht. Dass Ticketpreise in die Höhe schnellen, ist inzwischen nur noch ein Randaspekt. Wütend macht es Anabela Dias trotzdem. „Bis zu 7000 Euro für ein Ticket. Wie verkommen kann man sein?“, fragt sie in Richtung der Fluggesellschaften.

Mit Glück über Kuba und Kanada nach Hause

Wenn das Pärchen Glück hat, dann geht am Wochenende dieser Plan auf: Mit einem über eine Botschafts-Notnummer ergatterten Visum landen die beiden in Havanna auf Kuba. Weiter geht es nach Toronto in Kanada, wo Transitreisende auch noch landen dürfen (Stand Freitag). Von dort bringt ein Flieger die beiden dann Montagnacht nach Frankfurt.

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